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Morgenmagazin vom Montag, 6. Juni 2016

06.06.2016 | 06:57 Uhr |

Apple erinnert an Muhammad Ali +++ Siri-Nutzer in der Öffentlichkeit zurückhaltend +++ Twitter mit Interesse an Yahoo +++ FoldiMate: Roboter faltet und glättet Hemden +++ Virus im AKW Gundremmingen kam über USB-Stick +++ Neue IDC-Prognose: iPhone-Anteil schrumpft +++ Dateisystem ZFS unter Ubuntu: Was es kann und wer es braucht +++

6. Juni: Elf Jahre Intel

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Auch vor elf Jahren war der 6. Juni ein Montag, anders als in diesem Jahr in dem wir uns noch eine Woche länger gedulden müssen, begann an jenem Tag in San Francisco die WWDC - mit einer gewaltigen Überraschung. Schon im Vorfeld der Veranstaltung hatte es die Gerüchte gegeben, dass Apple seinen Prozessorlieferanten IBM und Motorola/Freescale nicht nur mit der Alternative Intel drohen würde, sondern ernst machen könnte. Die zur Eröffnung der WWDC im Moscone Center versammelten Entwickler waren mehr als erstaunt, als Steve Jobs schon kurz nach Beginn der Präsentation erklärte, dass die Gerüchte wahr seien und Apple tatsächlich auf die Intel-Plattform umsteigen werde. Man hätte einen Stecknadel in diesem Moment fallen hören können.

Die Mac-Entwickler waren vor allem deshalb so entsetzt, weil sie jede Menge Arbeit nur für die Portierung ihrer vorhandenen Programme (damals sagte noch keiner Apps…) vorher sahen. Intel im Speziellen und die x86er-Plattform im Speziellen war für Apples Programmierergemeinde lange ein rotes Tuch gewesen. Zudem schaute man Mitte bis Ende der Neunziger auf die nominell langsameren Intel-Chips herab („Snail inside“), Anfang des neuen Jahrhunderts erklärte Steve Jobs dann, dass die teilweise doppelt so hohen Taktraten der Intel- und AMD-Chips im Vergleich zu den PowerPCs durch deren längere „Pipeline“ ja mehr als wett gemacht seien. Und nun das!

Die Apple-Gemeinde wurde an jenem Tag erstmals mit einer neuen Kenngröße bekannt gemacht, der Performance pro Watt. Was auf den ersten Blick erst einmal recht unphysikalisch klingt hatte einen plausiblen Hintergrund: Der PowerPC war an einen kritischen Punkt seiner Entwicklung angelangt. Noch leistungsstärker konnte er nur auf Kosten einer größeren Leistungsaufnahme und damit Hitzeentwicklung werden, was der Grund dafür war, dass IBM keinen G5-Chip für die Powerbooks entwickelt hatte. Die größeren der Power Macs G5 waren auf eine Flüssigkeitskühlung angewiesen, für den Trend zu mehr Mobilität, den Apple längst erkannt hatte, waren andere Chip-Architekturen erforderlich. Man beachte: Um das Jahr 2005 herum musste es bei Apple erste Prototypen eines Tabletcomputers gegeben haben, aus dem zunächst ein Smartphone wurde.

Die für iPhone und später iPad gefundene Lösung für die CPU war für diese Art von Geräten aber zunächst völlig ausreichend, für Macs brauchte es etwas deutlich leistungsstärkeres. Und das war nun einmal die x86-Architektur, die Intel maßgeblich prägt. Erst mit den deutlich effizienteren Prozessoren aus dem Silicon Valley wurden Produkte wie Macbook Air oder Macbook erst möglich, die Core-Chips machten iMac und Mac Mini erst so richtig schnell. Und dank der Server-Chips der Xeon-Familie ist der Mac Pro heute eine wahre Höllenmaschine - für die es aber keinen so großen Bedarf mehr gibt.

Ein Jahr werde es dauern, bis der erste Mac mit Intel-Chip in den Handel käme, orakelte Steve Jobs an jenem Montag vor elf Jahren. Er irrte gewaltig: Ein halbes Jahr später war der erste Intel-iMac zusammen mit dem neuen Macbook Pro serienreif. Und auch die Entwickler, denen während der Keynote bang und bänger geworden war, atmeten auf: Der Umstieg auf die neue Plattform verlief dank der von Apple bereit gestellten Entwicklertools (Xcode) und „Übersetzungshilfen“ (Rosetta) vollkommen schmerzfrei. Ein Jahr später markierte der Mac Pro auf der WWDC 2006 den Abschluss des Umstiegsprozesses. Den PowerPC vermisst längst keiner mehr. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Lang her: Macs von heute lassen sich praktisch nicht mehr aufschrauben und mit neueren Komponenten nachrüsten. Nun war der Mac in seiner Geschichte auch selten eine Kiste für Bastler, die sich aus eine großen Auswahl von Einzelteilen ihre individuelle Maschine zusammenbauen konnten, doch etliche Modelle waren wesentlichen flexibler als ihre Nachfolger von heute. Dan Moren erinnert an den weiß-blauen Power Mac G3, an das Powerbook G3 und den iMac G5.

Drahtlos: Bose hat seine Kopfhörer mit Umgebungsgeräuschunterdrückung in einer Bluetooth-Variante herausgebracht. Die Quiet Comfort 35s haben aber ihren Preis: Rund 350 US-Dollar kosten die Over-Ear-Lauscher.

Jetzt auch noch Instagram: Das Bild lastige soziale Netzwerk Instagram setzt nun auch auf Algorithmen, die ausrechnen, was der Nutzer wohl am liebsten in seiner Timeline sehen möchte. Innerhalb des nächsten Monats soll die Anordnung der Posts umgestellt werden.

Abgebrochen: Twitter hat vor einigen Wochen laut New York Post mit dem Gedanken gespielt, das Internetgeschäft von Yahoo aufzukaufen, das seit letzten Dezember auf dem Markt ist. Ernsthafte Verhandlungen habe es dann doch nicht gegeben, da Twitter-CEO sich weigerte, an den Gesprächen mit Yahoo-Chefin Marissa Mayer teilzunehmen. Yahoos Business ist zwischen 4 und 8 Milliarden US-Dollar wert, wesentlich wertvoller ist die Beteiligung an Alibaba.com, die mit 20 bis 30 Milliarden US-Dollar zu Buche schlägt, und für die Yahoo eine Möglichkeit sucht, sie ohne bedeutende Steuerzahlungen zu Geld zu machen.

Erinnerung: Er war in Apples Werbespot "Think different!" einer jener Renegaten, Rebellen, der runden Zapfen für die eckigen Löcher - der am Freitag im Alter von 74 Jahren verstorbene Muhammad Ali. Apple kondoliert auf seiner Website mit jenem Foto, das im Rahmen der Kampagne von 1997/98 auch auf Plakte gedruckt war: Der Champ über den Dächern von New York. Und dazu eines seiner Zitate: "Ein Mensch ohne Vorstellungskraft hat keine Flügel."

Zurückhaltung: Eine Studie von Creative Strategies zeigt ein unerwartetes Problem mit Siri auf - dem Sprachassistenten gegenüber haben anscheinend noch viele Anwender Vorbehalten. So wollen laut der Ergebnisse nur drei Prozent der Studienteilnehmer Siri in der Öffentlichkeit benutzt haben. Vor anderen Leuten mit einer Maschine in Dialog zu treten, scheint noch eine große Hürde zu sein. Immerhin haben aber auch nur zwei Prozent der befragten iPhone-Anwender Siri überhaupt noch nie benutzt.

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FoldiMate: Roboter faltet und glättet Hemden

Die Rettung naht für alle Menschen, die das korrekte Falten und Zusammenlegen von Wäsche nervt. In Form eines Roboters, der auf den ersten Blick deutlich mehr Alltagsnutzen als beispielsweise der nur in der Wohnung herumkurvende Zenbo von Asus verspricht.

Der “FoldiMate” eines Startups aus San Francisco legt die frisch gewaschene Wäsche feinsäuberlich zusammen und beseitigt auch gleich noch etwaige Falten. Dank integriertem Dampfsystem. Für einen Wäschedurchgang benötigt der Roboter laut Hersteller nur knapp eine Minute. Der Benutzer muss lediglich angeben, um was für Wäsche es sich handelt. Mit Handtüchern, Unterwäsche und Socken kommt FoldiMate allerdings nicht klar.

FoldiMate wird passenderweise neben die Waschmaschine beziehungsweise den Trockner gestellt. Die Wäsche hängt man einfach an FoldiMate auf. Er befördert die Wäsche dann mit einer Art Förderband automatisch nach innen und faltet sie mit seinen Roboterarmen zusammen. Dann wird die Wäsche noch mit Dampf besprüht und geglättet. Zuletzt kann noch Parfüm aufgesprüht werden. Dann gibt FoldiMate die perfekt zusammengelegte Wäsche wieder aus.

Zumindest verspricht das das Werbevideo des Herstellers.

Ob das wirklich alles so reibungslos funktioniert, muss sich erst noch zeigen. FoldiMate soll 2018 für Privatanwender in den Verkauf kommen. Zu Preisen zwischen 700 (umgerechnet rund 628 Euro) und 850 Dollar. Vorbestellungen sollen ab 2017 auf der Webseite des Unternehmens möglich. Für die Vorbestellungen kann man sich bereits jetzt registrieren lassen.








Virus im AKW Gundremmingen kam über USB-Stick

Das sagte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Klaus Vitt, am Mittwoch auf der Potsdamer Konferenz für Nationale Cybersicherheit. "Das Besondere war, dass diese Maschine gar nicht mit dem Internet verbunden war. Also muss diese Schadsoftware über einen anderen Weg dort hereingekommen sein. Und der jetzige Stand, den wir haben, ist dass es wohl ein USB-Stick war." Die Software war im April beim Vorbereiten der Revision in Block B aufgefallen. Gefahr für Bevölkerung oder Personal bestand den Betreibern zufolge nicht.

Der Fall macht nach den Worten von Vitt klar: "Nicht nur bei mit dem Internet verbundenen Maschinen muss man entsprechende Sorgfalt walten lassen, sondern auch wenn man USB-Sticks verwendet." Einige Medien hatten schon kurz nach dem Vorfall in dem Meiler in der Nähe von Günzburg eine Übertragung über einen USB-Datenträger vermutet. (dpa/mp)

Neue IDC-Prognose: iPhone-Anteil schrumpft

IDC musste seine Prognose für den weltweiten Smartphonemarkt nach neuen Erhebungen deutlich nach unten korrigieren, wie ZDNet berichtet . Demnach würden Hersteller im Jahr 2016 lediglich knapp 1,5 Milliarden Smartphones ausliefern, was zwar einer Steigerung von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche. Doch vor drei Monaten waren die IDC-Marktforscher noch von einem Wachstum von 5,7 Prozent oder leicht über 1,5 Milliarden Einheiten ausgegangen. 2015 war der Smartphones-Markt dagegen noch um 10,4 Prozent nach oben geschnellt.

iOS verliert, Android gewinnt an den Marktanteilen hinzu

”Schuld” an der verhalteneren Prognose sei auch Apple – denn hier rechnet man mit einem Rückgang der verkauften iPhones in 2016 um 2 Prozent, also einer Minuszahl, während für Android-Geräte lediglich ein Rückgang in der Prognose von plus 7,6 auf plus 6,2 Prozent erwartet wird. Apple werde bei gut 15 Prozent Marktanteil stagnieren, Android schaffe es auf fast 84 Prozent – bei einer Projektion auf 2020 ist hier mit über 85 Prozent Marktanteil zu rechnen, das iOS würde auf 14,5 Prozent fallen. Von Windows Phone und anderen Konkurrenten ist praktisch gar nicht mehr die Rede, obwohl IDC dem Betriebssystem von Windows noch 2011 einen zweiten Platz auf dem mobilen Markt vorhergesagt hat – bis spätestens 2015 sollte Windows Phone iOS überholen . Freilich sind solche Vorhersagen mit großer Vorsicht zu genießen, denn ob und wie sich beispielsweise das kommende iPhone 7 doch noch zum ”Renner“ entwickelt, ist noch gar nicht ausgemacht … Mehr Zahlen und Hintergrundinformationen gibt es auf der Seite von IDC .

Dateisystem ZFS unter Ubuntu: Was es kann und wer es braucht

Die Integration der nativen Unterstützung für das Dateisystem ZFS in den Linux-Kernel ist technisch eigentlich kein Problem. Problematisch sind aber ungeklärte rechtliche Bedenken, denn ZFS steht unter einer anderen, inkompatiblen Open-Source-Lizenz als die Komponenten von GNU/Linux.

Lese-Tipp: Diese Ubuntu-Linux-Varianten gibt es: Server, Desktop, Mobile, IoT

Das letzte Wort zu Dateisystemen

Ursprünglich hat Sun Microsystems das Dateisystem ZFS als „Zettabyte Filesystem“ von 2001 bis 2006 für das hauseigene Unix-System Solaris entwickelt. Die Entwicklung beachtete nicht nur alle damals zeitgemäßen Anforderungen an Dateisysteme für Server und Großrechner, sondern plante gleich weit voraus: Tatsächlich könnte ZFS mit seiner 128-Bit-Adressierung sage und schreibe 256 Billiarden Zettabyte speichern – eine theoretische Datenmenge, für deren Verarbeitung die Energiereserven der Erde nicht ausreichen würden. Die Entwickler von SUN Microsystems stellten ZFS deshalb unter das Motto „das letzte Wort in Sachen Dateisystemen“ und auch der Buchstabe „Z“ ist als letzter Buchstabe im Alphabet eine Anspielung auf diesen Anspruch.

Superlative sind dabei noch nicht alles: ZFS kombiniert das Speichersystem mit einem eigenen Volumenmanager zur Verwaltung der physischen Speichereinheiten in einem Pool mit einem integrierten Software-Raid und kann selbst SMB-und NFS-Shares bereitstellen. Schreiboperationen erfolgen stets nach dem Copy-on-Write-Verfahren, das nur geänderte Blöcke an einen freien Platz auf die Datenträger schreibt. Daraus ergeben sich zwei weitere Vorteile: Deduplizierung speichert identische Daten nur einmal und Snapshots erstellen auf Wunsch Abbilder lokaler Backups zur Versionsverwaltung. Zudem gibt es zur Fehlerüberprüfung eine Checksummenüberprüfung gelesener Daten und eine Möglichkeit, mehrere Festplatten zu einen Raid 5 zusammenzulassen, das bei ZFS jedoch wegen Detailunterschieden Raid-Z heißt. Alles das ist jetzt schon ausgereifter als im neuen Linux-Dateisystem BTRFS.

ZFS als Linux-Kernelmodul

Nachdem der Konzern Oracle vor sechs Jahren Sun Microsystems übernahm, wäre ZFS beinahe dem Schicksal vieler Geniestreiche der IT anheimgefallen: Seiner Zeit zwar weit voraus, aber mangels Verbreitung zum Schattendasein verdammt. Dazu kam es aber nicht, denn Sun Microsystems veröffentlichte ZFS unter einer Open-Source-Lizenz, der CDDL. Die ist zwar wegen enthaltener Patentklauseln nicht kompatibel zur GNU Public License (GPL) von Linux, aber zur BSD-Lizenz. Das Open-Source-Betriebssystem Free BSD konnte deshalb ZFS bereits einpflegen, ohne dass Oracle dies verhindern konnte, denn der CDDL lässt sich nicht rückwirkend für bereits veröffentlichten Programmcode zurückziehen. Linux stand hingegen lange abseits, denn der ZFS-Code darf nicht einfach in den Kernel-Quellcode aufgenommen werden, da dieser streng unter der GPL steht. Allerdings entwickelte das renommierte Lawrence Livermore National Laboratory auf eigene Faust das native Linux-Kernelmodul „ZFS on Linux“ ( http://zfsonlinux.org ). Die Projektwebseite beschreibt die nachträgliche Installation des Moduls in allen verbreiteten Linux-Distributionen, denn eine Nachrüstung auf Anwenderseite ist lizenzrechtlich völlig unproblematisch. Für Ubuntu steht dafür auch ein PPA unter https://launchpad.net/~zfs-native/+archive/ubuntu/stable bereit.

Lese-Tipp: Die 10 wichtigsten Linux-Befehle für Einsteiger

Ubuntu als Wegbereiter

Die Schwierigkeit externer Kernel-Module: Mit jeder neuer Kernel-Version muss auch das Modul neu kompiliert werden oder in binärer Form passend zum neuen Kernel vorliegen. Gerade bei Dateisystemen ist dieser Weg nicht ganz ohne Risiko: Wenn die Kompilierung einmal fehlschlägt, startet das System ohne Zugriff auf diese Datenträger. Canonical will deshalb ein stets aktuelles ZFS-Modul in binärer Form mit seinen Kernel-Updates ausliefern und die Distribution damit serienmäßig mit ZFS-Unterstützung ausstatten.

Damit geht das Systemhaus einen Schritt weiter, da so nicht einfach nur der Quellcode zum Kompilieren eines optionalen Moduls ausgeliefert wird. Zudem haben Entwickler bei Canonical den Code für ZFS in die Quellen des Kernels von Ubuntu 16.04 mit aufgenommen.

Genau daran entzündete sich eine heftige juristische Diskussion zwischen Fürsprecher und Gegnern dieser Aufnahme. Die Gegner, die sich in der prominenten Organisation „Software Freedom Conservancy“ finden, die beispielsweise in Deutschland gegen Vmware prozessierte, haben ein stichhaltiges Argument: Canonical verstoße so gegen die GPL, weil der so veränderte Linux-Quellcode nicht mehr weiter unter einer puren GPL veröffentlicht werden darf. Die Fürsprecher, zu welchen mit Eben Moglen der angesehene Juraprofessor und Rechtsanwalt der Free Software Foundation gehört, sehen keinen Verstoß gegen die GPL: Module müssen nicht zwangsläufig eine von Linux abgeleitete Funktionseinheit sein, nur weil der Kernel ein Modul nutzt, so das Argument. So hätte Linus Torvalds selbst bereits eingeräumt, dass Kernel-Module oft in eine Grauzone fallen.

Unabhängig davon, wie die Diskussion weiter geht: In der Ubuntu-16.04-Beta war ZFS bereits enthalten und konnte als Modul geladen werden. Die Zeichen stehen gut für eine Verbreitung von ZFS.

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