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Morgenmagazin vom Montag, 6. Mai 2019

06.05.2019 | 07:09 Uhr |

Spotify: EU leitet Kartelluntersuchung gegen Apple ein +++ Was an der Familienfreigabe repariert gehört +++ Britische Verbraucherschützer halten Apples Angaben zur Akkulaufzeit für übertrieben +++ YouTube: Originals-Serien werden kostenlos +++ Facebook plant eigenes Kryptowährungssystem +++ Faszinierende Fotos: Sonnenaufgang und -untergang auf dem Mars

6. Mai: 21 Jahre

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Wintereinbruch Anfang Mai? Klar, das kann passieren, wenn ein Hoch im Westen und ein Tief im Osten liegen, dann strömt Polarluft von Nord nach Süd. Langsam wird es besser und so wie es aussieht, fallen auch in den nächsten Tagen genügend Niederschläge. Die Wirte der Biergärten ärgert das, die Landwirte freut's. Vom Schneeregen am Wochenende haben wir uns aber erholt, auch von den anderen Feierlichkeiten. Etwa Cince de Mayo –  5. Mai –, der in Mexiko ein hoher Feiertag in Erinnerung an den Sieg gegen die Franzosen im 19. Jahrhundert ist. Außerdem auch den Tag der Befreiung in Belgien und den Niederlanden, die beiden Nachbarn im Nordwesten gedenken des Kriegsendes, das für sie drei Tage vor der bedingungslosen Kapitulation des Nazireichs kam. In Österreich gedenkt man am 5. Mai an die Opfer des Nationalsozialismus - auch wenn es beinahe so aussieht, dass eine der dortigen Regierungsparteien das nicht so gut findet. 

Japan beging gestern an Kodomo no Hi den Kindertag. Thailand hat am Samstag seinen neuen König gekrönt, am Sonntag gedachte man dort der Thronbesteigung von dessen Vater Bhumibol im Jahre 1950. Aber ganz vorne steht natürlich der Europatag, der an die Gründung des Europarates im Jahr 1949 erinnert. An jenem 5. Mai, kaum vier Jahre nach Kriegsende, waren sich die Europäer einig, dass sie in Zukunft nur miteinander können, um weitere derartige Katastrophen zu verhindern. Ein kluger Gedanke, der 70 Jahre später aber allmählich von einem dumpfen Zorn verdrängt wird. Es ist aber nicht zu spät: Auch für Europa haben wir gestern das Glas erhoben und uns den Wahltermin zum Europaparlament in drei Wochen ganz dicke in den Kalender geschrieben.

Vor allem aber haben wir heute einem guten Freund zum Erreichen des Erwachsenenalters gratuliert. Ein Freund, der uns täglich vom Schreibtisch aus anlächelt: Am 6. Mai 1998 zeigte Steve Jobs den iMac auf der Entwicklerkonferenz WWDC, die damals noch in San Jose stattfand. Der iMac läutete die Wende des Konzerns ein, den viele Ende der Neunziger schon abgeschrieben hatten. Doch erneut gelang es der Obstfirma aus Cupertino, dem Computer ein freundliches Gesicht zu geben, in Referenz an den Original-Macintosh begrüßte der iMac mit einem sanft lächelndem „Hello again“ die Welt. Das – wie es Apple nannte – „transluzente“ Plastik fand rasch seine Nachahmer, phantasielose beige Kisten gehören nun der Vergangenheit an. Im Rückblick war für Apple selbst der Farbrausch der iMac-Jahre aber nur eine Phase, schon 2002 löste nüchternes weiß das bunte Gehäuse ab und auch heute ist der iMac in allen Farben zu bekommen, solange es Aluminium und Glas mit schwarzem Rahmen ist. Es sei denn, man greift zum iMac Pro in Space Grey. Entscheidender ist ohnehin, was auf dem Bildschirm passiert.

Und auch das zeigte Apple auf der WWDC vor 21 Jahren: Mac-OS X, wie damals das neue, von NeXT übernommene Betriebssystem hieß. Es würde zwar noch fast drei Jahre dauern, bis die finale Version mit dem Codenamen Cheetah es endlich auf die Macs dieser Welt geschafft hat, doch war Entwicklern nach einer langen Zeit der Verwirrung endlich klar, wohin Apple mit seinem Betriebssystem wollte. Nichts mehr mit den Yellow- und Blueboxes des Rhapsody-Konzepts, nur noch das „klassische“ Mac-OS würde in einer eigens geschaffenen Umgebung laufen. Kluge Leute hatten damals auch schon erkannt, dass Mac-OS X flexibel skalierbar ist und deshalb auch für weit mobilere Geräte geeignet ist, als den damals per Henkelgriff nur halbwegs transportable Bondi-Blue-iMac. Den Erfolg des iPhone und des iPad konnte man damals nur schwerlich voraussagen, doch präsentierte Apple an jenem 6. Mai 1998 das Fundament dafür.

Lesetipps für den Montag

Vertrauen und Kontrolle : Die New York Times hat am Donnerstag in der Sache um Kindersicherungs-Apps nachgelegt, die Apple aus dem App Store ausgeschlossen hat - respektive 11 von 17, wie Michael Simon auf Macworld erklärt. Die Times zeht einen großen Vergleich mit dem Fall von Microsoft vs. DoJ in den späten Neunzigern. Doch damals war die Lage eine andere, Microsoft hatte Dritthersteller und Verkäufer dazu gezwungen, Windows mit dem Internet Explorer zu koppeln, um den Konkurrenten Netscape aus dem Markt zu drängen. Jetzt setze Apple hingegen Grenzen was man mit Apps auf den Geräten Dritter, also speziell von Kindern, kontrollieren könne - und hier ist Apple vor allem der Schutz der Privatsphäre wichtig. Zudem vermische die New York Times dieses Thema wieder mit der Diskussion um die Provisionen, die Apple für App-Umsätzre nehme, die 15 oder 30 Prozent betragen.

Raum für Verbesserungen: Apple Arcade, TV+ und News+ setzen stark auf die Familienfreigabe. Das hat Vorteile, denn für die Abos zahlt nur einer, die gesamte Familie kann sie aber nutzen und dabei können die einzelnen Mitglieder ihre eigenen Bibliotheken mit ihren Inhalten pflegen. Die Familienfreigabe hat davon abgesehen aber noch ein paar Schwächen, merkt Jason Cross an. Nichts, was Apple nicht reparieren könnte, aber außerhalb der Abo-Systeme ist der Kauf von Inhalten ein Problem. Abgerechnet wird nur über einen Account, dem des Organisators. Die Familienmitglieder können um die Freigabe eines Kaufes bitte, den das Oberhaupt wiederum bezahlt. Doch gehören die Käufe etwa von Filmen allen - aber nur so lange, die Familie zusammen bleibt. Sobald sich der Verbund auflöst, weil etwa die Kinder erwachsen wurden oder jemand anderes lieber eigene Wege geht, nehmen diese ihre Einkäufe zwar mit - für die ein anderer bezahlt hat - der Rest der Familie inklusive des Zahlmeisters kann dann nicht mehr zugreifen. Umgekehrt verlieren die gehenden Familienmitglieder den Zugang zu allen anderen Daten wie geteilten Fotoalben und müssen fortan ihre Apple-Abos selbst bezahlen. Die Lösung wäre indes nicht weiter schwer: Apple müsste die Option einrichten, dass nicht nur der Organisator bezahlen (und behalten) kann, sondern auch weitere Familienmitglieder. Dies könnte man sogar pro Einkauf entscheiden lassen.

Untersuchung : Spotifys Klagen über Apples angeblich unfaire Praktiken zeitigen Folgen – die EU-Wettbewerbskommission hat gegen Apple ein formales Antikartellverfahren eingeleitet, berichtet die Financial Times. Dem vorangegangen waren Befragungen von Kunden und Konkurrenten, die den Wettbewerbshütern nahe legten, die Angelegenheit näher zu untersuchen. Weder Apple noch Spotify wollten die Entscheidung bisher kommentieren, das Verfahren kann sich über Jahre hinziehen und soll in den nächsten Wochen beginnen. Apple hatte die Vorwürfe Spotofys zurückgewiesen, eine unfaire "Apple-Steuer" zu erheben und die Konkurrenz damit zu behindern. Im Gegenteil profitiere Spotify von der Infrastruktur des App Stores, wolle aber keinen Beitrag dafür leisten.

Nachgetestet : Die britische Verbraucherschutzorganisation Which? will herausgefunden haben, dass Apple bei den Angaben zu den Akkulaufzeiten seiner iPhones übertriebt - zwischen 18 und 51 Prozent höher hätten die von Apple versprochenen Werte gegenüber den nun ermittelten gelegen. Besonders krass war die Diskrepanz beim iPhone XR, dessen recht langlebiger Akku vielen Testern bisher positiv aufgefallen war. Doch während Apple eine Gesprächszeit von 25 Stunden mit einer Ladung angibt, war im Test von Which? die Batterie schon nach 16 Stunden und 32 Minuten leer, berichtet Digital Trends. Apple weist die Ergebnisse  gegenüber Business Insider zurück: "Wir testen unsere Produkte exakt und stehen zu unseren Aussagen bezüglich Batterielaufzeit". Übertriebene Angaben für den Akku unterstellt Which? auch HTC, doch liegen die Messwerte nicht so weit daneben wie bei Apple. Samsung, Nokia und Sony würden indes niedrigere als die tatsächlich ermittelten Werte angeben. Zur Testmethode gibt die Organisation lediglich an, unabhängig erworbene neue Geräte voll aufgeladen zu haben und dauerhaft mit ihnen Gespräche geführt zu haben. Ob dabei auch noch andere Prozesse liefen und ob dabei womöglich das Display hell erleuchtet war, geht aus der Pressemitteilung von Which? nicht hervor. In anderen Tests habe man noch die Akkulaufzeit beim Browsing gemessen, präsentiert hierfür aber keine Ergebnisse.

Weitere Nachrichten:

YouTube: Originals-Serien werden kostenlos

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres hatte YouTube angekündigt, seine Eigenproduktionen – die sogenannten YouTube Originals – auch den Nutzern kostenlos zur Verfügung stellen zu wollen, die kein YouTube-Premium-Abo abgeschlossen haben. Aktuell versteckt YouTube seine eigens produzierten Serien noch hinter einer Paywall. Um sie anschauen zu können, müssen Nutzer ein kostenpflichtiges YouTube-Premium-Abo für rund 12 Euro im Monat abschließen.

Ab Mitte 2019 soll sich das nun jedoch ändern. Um mehr Nutzer auf die Eigenproduktionen im Stile von Netflix aufmerksam zu machen, will YouTube sie als kostenlose Version für alle YouTube-Nutzer zur Verfügung stellen. Für den Seriengenuss müssen Gratis-Zuschauer jedoch Abstriche – wie etwa häufige Werbeunterbrechungen – in Kauf nehmen.

Im Rahmen von YouTubes jährlichem Brandcast-Event kündigte Robert Kyncl, Chief Business Officer bei YouTube, in dieser Woche den Start für die Gratis-Originals-Offensive an. Den Anfang macht im Sommer die Nachfolge-Serie zu den Karate-Kid-Filmen. Die erste Staffel von Cobra Kai wird vom 29. August bis 11. September für alle YouTube-Nutzer kostenlos zur Verfügung stehen.

Facebook plant eigenes Kryptowährungssystem

Einem aktuellen Bericht des Wall Street Journal zufolge, entwickelt Facebook eine eigene Kryptowährung. Hinweise darauf gibt die Tatsache, dass der Internetkonzern derzeit vermehrt Partnerfirmen und Experten auf diesem Gebiet engagiert. Facebook befinde sich demnach unter anderem in Verhandlungen mit Mastercard und Visa.

Das Kryptowährungssystem, das unter dem Namen Project Libra entwickelt wird, basiert wie viele andere Kryptowährungen auf dem Blockchain-Prinzip. Libra soll jedoch mit an echte Gegenwerte gebundene Stablecoins abgesichert werden. Damit will Facebook Libra nicht nur vor Kursschwankungen schützen, sondern auch Gebühren für Kreditkartentransaktionen umgehen. Libra soll künftig als Zahlungsmittel im Internet genutzt werden. Verdienen können sich Nutzer die Kryptwährung, indem sie Werbung konsumieren.

Facebook will dem Wall Street Journal zufolge für seine Kryptowährung Investitionen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar sammeln. Passende Partner muss das Unternehmen für sein Vorhaben ebenfalls noch gewinnen. Wann Libra an den Start gehen soll, ist derzeit noch unklar.

Faszinierende Fotos: Sonnenaufgang und -untergang auf dem Mars

Die US-Raumfahrtorganisation NASA hat neue Fotos von ihrer Marssonde Insight veröffentlicht. Sie zeigen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf dem roten Planeten.

Die faszinierenden Aufnahmen machte eine Kamera, die am Roboterarm der Marssonde Insight befestigt ist. Die Kamera schoss die Fotos zwischen dem 24. und 25. April 2019. Legt man die lokale Marszeit zu Grunde, so entstanden die Aufnahmen des Sonnenaufgangs gegen 5.30 Uhr und die des Sonnenuntergangs um 18.30 Uhr. Eine weitere Kamera von Insight nahm zudem Fotos auf, die vorbei fliegende Wolken während des Sonnenuntergangs zeigen.

Die NASA veröffentlichte die Fotos sowohl als unverändertes Rohmaterial als auch farblich korrigiert. Auf den unveränderten Originalfotos erkennt man mehr Details, die farblich angepassten geben dagegen eher den Eindruck wieder, wie ein menschliches Auge das Geschehen wahrnehmen würde. Wegen der größeren Entfernung des Mars zur Sonne erscheint diese kleiner als es beispielsweise bei Sonnenaufgang und -untergang auf der Erde aussieht.

Über die folgenden Links geht es zu den NASA-Fotos:

Original-Foto und farblich verändertes Foto vom Sonnenaufgang am 24. April um 5.30 Uhr lokaler Marszeit

Dieses Foto nahm der NASA Insight Lander mit seiner Instrument Deployment Camera (IDC) an seinem Roboterarm auf. Es zeigt den Sonnenaufgang auf dem Mars am 24. April 2019 um 5.30 Uhr lokaler Marszeit.

Original-Foto und farblich bearbeitetes Foto vom Sonnenuntergang auf dem Mars.

Der NASA Insight Lander nahm dieses Fotos mit seiner Instrument Deployment Camera (IDC) am Roboterarm am 25. April 2019 gegen 18.30 Uhr lokaler Marszeit auf.

Original-Foto-Serie und farblich bearbeitete Foto-Serie vom Wolkenhimmel bei Sonnenuntergang

NASA Insight nahm diese Fotos mit seiner Context Camera (ICC), die unterhalb des Decks angebracht ist, auf. Die Aufnahmen entstanden bei Sonnenuntergang am 25. April 25 2019 gegen 18.30 Uhr lokaler Marszeit.

Insight und Curiosity sind zwei derzeit auf dem Mars aktive Sonden zur Erfoschung des roten Planten. Die berühmte Marssonde Opportunity dagegen ist verloren.

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