2161204

Morgenmagazin vom Montag, 7. Dezember 2015

07.12.2015 | 06:48 Uhr |

7. Dezember 2015 +++ Mozilla schafft In-Browser-Ads ab +++ Rabatte für Beats-Hardware +++ Apple Music nur auf Platz vier +++ Deutschland beim Glasfaserausbau Schlusslicht +++ Spionagegruppe Sofacy greift erneut an +++ Vodafone Kabel Deutschland stoppt P2P-Drossel-Pläne

Was heute wichtig wird: 7. Dezember 2015

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Zwischen Spiel und Krieg sollte man an sich unterscheiden können. "Call of Duty" ist ein Kriegsspiel. Syrien ist ein Krieg, und keine kriegsähnliche Handlung. Wer "Call of Duty" oder andere Titel spielt, wird nicht zwangsweise zum Krieger. Wer ist Syrien unter dem Krieg leidet, würde lieber "Call of Duty" spielen. Ebenso wenig ist Fußball Krieg, obwohl es auch hier um strategische Raumgewinne geht, das weit weniger dynamische Schach kann seine Herkunft als Kriegsspiel noch weniger verhehlen.

Definiert man Krieg als postdiplomatische Methode der Gewinnung von  Einfluss auf ein bestimmtes virtuelles Territorium, dann und nur dann, kann man Spiele wie Schach, Call of Duty und Fußball als Krieg definieren. Aber auch nur dann darf man den Krieg, der heute vor 20 Jahren begann, als solchen sehen.

In einer Rede, die heute als "Pearl-Harbor-Rede" in Erinnerung ist, kündigte der damalige Microsoft-CEO Bill Gates an, sein Imperium werde nicht mehr länger ruhen, bis der Feind... Nein, so martialisch sprach Gates gewiss nicht. Im Kern des Konflikts ging es aber um einen strategischen Nachteil, den das so erfolgreiche Microsoft nach Jahren des Laufenlassens erlitten hatte. In Sachen Internetsoftware war ein kleines Unternehmen namens Netscape meilenweit am damals immer wieder "Softwareriesen" genannten Konzern vorbei gezogen. Die Maßnahmen Microsofts waren drastisch und nachhaltig: Internet Explorer war kostenlos und so nahtlos in das System integriert, dass Windows-Nutzer manchmal gar nicht mehr wussten: Stöbern sie jetzt auf ihrer Festplatte oder kostenpflichtig im Internet? Die Anwender haben das überlebt, die Zeiten, in denen man bei der Internetnutzung aus Kostengründen auf die Uhr schauen musste, sind längst vorbei. Netscape als Unternehmen hat den Browserkrieg nicht überlebt – auch nicht als Software. Der Kriegsgewinner Internet Explorer war zwischendrin so alternativlos, dass sogar Apple auf seine Macs mit Mac-OS X den Browser aus Seattle als Standard setzte. Ironie der Geschichte: Internet Explorer ist heute mittlerweile so unbeliebt, dass sogar Microsoft einen anderen Namen für den in Windows integrierten Browser gewählt hat: Edge.

War is over - möchte man in der Weihnachtszeit mit John Lennon singen, doch hat Gates selbst nie den Krieg erklärt. Er sprach am Jahrestag vom Angriff auf Pearl Harbor von einem schlafenden Riesen, der jetzt erwache, wie seinerzeit die USA, die das Kriegstreiben in Europa und dem Pazifik bis zum Dezember 1941 eher nur beobachteten und dann reagieren mussten. Aber auch das ist ein schiefer Vergleich.

Krieg ist etwas ganz anders. Sicher kann man Krieg spielen (Call of Duty, Fußball, Schach, Browser;...) um den Umgang mit Gewalt zu lernen - aber eben vor allem die Grenzen der Gewaltanwendung. Krieg ist im Gegensatz zum Kriegsspiel die Überschreitung jedweder Grenzen. Wohin Krieg führt, hat nicht nur der Zweite Weltkrieg gezeigt. Dessen bewusst, zeigte heute vor 45 Jahren Willy Brandt in Warschau in die einzige mögliche Geste, die man Kriegs- und Gewaltopfern entgegenbringen kann. Die Unterscheidung zwischen Krieg und kriegsähnlichen Handlungen ist verfassungsakademisch, die zwischen Krieg und Kriegsspiel essentiell. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Content is King: Wie man Inhalte im Internet finanzieren kann oder für welche Inhalte man das überhaupt sollte, darüber wird weiterhin kontrovers diskutiert. Die Open-Source-Organisation Mozilla hat nun einen Nebenkriegsschauplatz (siehe oben...) dieser Diskussion geschlossen und angekündigt, die "Suggested Tiles", Werbung innerhalb des Browsers fortan nicht mehr zu unterstützen. Stattdessen solle der Browser Firefox sich darauf konzentrieren, "Inhalte zu entdecken". Bleiben weiterhin zwei Fragen: Wie werden diese Inhalte honoriert und wem sind überhaupt je die Browser eigenen Anzeigen in Firefox aufgefallen?

Preisnachlass: Rabatt ist für Apple eine Stadt in Marokko, so die schlecht zu widerlegende These. Im Weihnachtsgeschäft 2015 gilt sie aber auch weiterhin, den Schnäppchenfreitag hat Apple mal wieder ignoriert. Aber es gibt Ausnahmen von der Regel, nein, niemals und nicht Preisnachlässe zu gewähren. In den USA - und bisher nur dort - verteilt Apple iTunes-Gutscheine (auch für Apple Music gültig) im Wert von bis zu 60 US-Dollar beim Kauf eines dafür qualifizierten Beats-Lautsprechers oder -Kopfhörers. Auch hier bleiben zwei Fragen: Hat Apple im Atlas nachgesehen, dass die Stadt in Marokko Rabat heißt oder verkaufen sich die Beats-Produkte so schlecht, dass man ihnen auf die Sprünge helfen muss?

Wunschliste für das iPad Pro: Unsere Macworld-Kollege Jason Snell hat das iPad Pro nun seit einigen Wochen im Einsatz und schätzt es so sehr, dass sein iPad Air 2 dafür hergeben würde. Dennoch fehlt noch einiges. Da seien zunächst Optionen für Tastatur und Hüllen genannt, beim Multitasking wünscht sich Snell ebenso Verbesserungen. Nicht zuletzt sind aber App-Entwickler gefordert, in ihren Programmen das größere Platzangebot auch tatsächlich zu nutzen.

Apple Music nur auf Platz vier: Apple sieht seinen Streamingdienst Apple Music zwar als großen Erfolg an, im Markt bleibt derzeit aber nur der vierte Platz hinter Pandora, Spotify und Youtube. Möglicherweise hat Apple in diesem Marktsegment einfach nur zu lange gewartet und ist anders als bei der Einführung größerer Smartphonebildschirme mit dem iPhone 6 (Plus) mit seinem eigenen Angebot zu spät gekommen. Auch nach fünf Monaten im Betrieb sind die App für Apple Music noch fehlerhaft, dass es nah der dreimonatigen Testphase keine kostenlose Option gibt, könnte ebenso dem Wachstum schaden.

Der Mann, der Apple rettete: Als Steve Jobs Ende 1996 zu Apple zurück kehrte, war das Unternehmen der Pleite nahe. Für den Turnaround waren aber nicht nur Jobs und neue Produkte wie die Power Macs G3 oder der iMac verantwortlich, sondern auch die legendäre Werbekampagne "Think different". Das Magazin Forbes hat 18 später den Werber Craig Tanimoto besucht der bei der Agentur Chiat/Day die Kampagne entwickelte.

Deutschland beim Glasfaserausbau Schlusslicht

Der Blick auf die Statistik ist ernüchternd: Deutschland, eine der reichsten Nationen der Welt, ist in Sachen superschnelles Internet eine Diaspora. Glasfasernetze gelten allgemein als Infrastruktur der Zukunft, als Rückgrat der künftigen Gigabit-Gesellschaft. Ob Videos, Musik, Filme oder TV, ob Telemedizin, Telematiksysteme, Cloud-Dienste oder das vernetzte Zuhause - die Datenautobahnen müssen schneller, sprich breiter werden, damit die Nutzer nicht in einen Stau geraten.

Während in Asien Länder wie Südkorea und Japan inzwischen beim Glasfaserausbau bis zu 70 Prozent aller Haushalte erreichen, ist Deutschland in diesem Bereich in Europa Schlusslicht. Nach Zahlen des europäischen Industrieverbandes FTTH Council kommt die stärkste Volkswirtschaft in Europa gerade einmal auf ein Prozent aller Haushalte, die über einen Glasfaseranschluss verfügen.

Nüchtern diagnostiziert die Bundesregierung die Lage: "Die Netzinfrastruktur zählt zu den besonderen Schwächen der deutschen digitalen Wirtschaft", heißt es im Monitoring-Bericht Wirtschaft Digital 2015 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Das bedeutet aber keineswegs, dass die Netzbetreiber um die Deutsche Telekom und ihre Konkurrenten den Zeitgeist nicht erkannt hätten. Ganz im Gegenteil. "Wir wollen den Breitbandausbau weiter beschleunigen", beteuert Telekom-Chef Tim Höttges immer wieder.

Dabei setzt das Unternehmen aber auf eine Technik, die vor allem unter den Wettbewerbern in Verruf geraten ist und derzeit für Zoff in der Branche sorgt: Das sogenannte Vectoring. Mit seiner Hilfe soll der Datentransfer über die Kupferkabel auf der letzten Meile zum Kunden beschleunigt werden.

Geschwindigkeiten von 100 MBit pro Sekunde verspricht die Telekom und mit Vectoring Plus, Super-Vectoring und dem Standard G.fast soll das Tempo in wenigen Jahren noch einmal erhöht werden. Doch diese Strategie ist den Wettbewerbern ein Dorn im Auge, sie halten sie für wenig nachhaltig.

"Der Ex-Monopolist in Deutschland will mit einer schlechten Technik eine bessere, nämlich Glasfaser bis ins Haus oder Endkunden, verhindern", schimpft der Geschäftsführer des Verbandes der Wettbewerber VATM, Jürgen Grützner. Die Telekom wolle Kunden binden und das letzte aus den längst abgeschriebenen Kupferleitungen herausholen.

Doch die Milliardensummen, die die Telekom und große integrierte Betreiber in den Netzausbau jährlich pumpen, lassen die Kritiker erblassen. Rund 90 Prozent aller Investitionen in dem Bereich, so eine Marktstudie der HSBC Global Research, entfallen auf Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland und Kabelnetzbetreiber.

Die Telekom allein plant in den Jahren 2015 bis 2018 nach eigenen Angaben 16 Milliarden Euro für den Ausbau. Auf die Stadt- und regionalen Betreiber fallen laut Zahlen der Marktforscher von IDATE gerade einmal 5 Prozent der Gesamtsumme.

Die kleinen Anbieter fühlen sich bedroht und glauben, der Glasfaserausbau werde durch die Telekom-Pläne ausgebremst. Es würden Lösungen angestrebt, die mittelfristig schädlich seien, sagt der Präsident des Bundesverbandes Glasfaseranschluss BUGLAS, Jens Prautzsch.

Dass die Bundesnetzagentur der Telekom nun erlauben könnte, Vectoring für das schnelle Internet verstärkt einzusetzen, stößt auf Kritik. Denn Betreiber wie M-Net in München oder Netcologne in Köln setzen auf Glasfaser. Und nun kommt ihnen die Telekom mit einer Technik ins Gehege, die ihr Geschäftsmodell durchkreuzt.

Falsch, kontert der Marktführer. Auch die Telekom verlege Glasfaser - und zwar schrittweise immer näher zum Endkunden. "Es gibt keine gute oder schlechte Technik", sagt Höttges und behindern wolle das Unternehmen die Wettbewerber schon gar nicht. Ein flächendeckender Glasfaserausbau gilt aber als extrem zeitaufwendig und kostspielig.

Dazu müssten mehrere Millionen Kilometer Leitungen verlegt werden. Kostenpunkt: 90 Milliarden Euro, schätzt der TÜV, Bauzeit bis 2030. Und in einem Punkt sind sich die Streithähne sogar einig: Die Kunden wollen heute einen schnellen Internetanschluss und nicht morgen oder übermorgen. Und welche Technik dahinter steht, ist für die Nutzer am Ende ohnehin nicht von Belang. (dpa/rs)

Spionagegruppe Sofacy greift erneut an

Die russische Spionagegruppe Sofacy, auch bekannt unter Namen wie  “Fancy Bear”, “Sednit”, “STRONTIUM” und “APT28”, attackiert vor allem Militär- und Regierungseinrichtungen, vorzugsweise in NATO-Ländern. In letzter Zeit seien auch Aktivitäten dieser Gruppe beobachtet worden, die auf die Ukraine zielen, berichtet das Sicherheitsunternehmen Kaspersky Lab in seinem Blog. Die Gruppe sei seit etwa 2008 aktiv, auch hierzulande kein Unbekannter , und seit 2014 auch öffentlich bekannt.

Die Sofacy-Gruppe nutzt fortschrittliche Angriffswerkzeuge, die ihre Aktivitäten möglichst lange verbergen sollen. Sie setzt mehrere Backdoor-Programme ein, die eine gewisse Redundanz erzeugen. So gewährleisten sie, dass sie auch dann im Spiel bleiben, wenn eines ihrer Werkzeuge entdeckt und unschädlich gemacht wird. Dann sorgt ein anderes Malware-Tool für eine erneute Infektion.

Die eingesetzte Malware ist modular aufgebaut – einzelne Funktionen sind auf verschiedene Module verteilt, um die Aktivitäten besser zu verbergen. Diese Taktik ist laut Kaspersky Lab in letzter Zeit bei zielgerichteten Angriffen recht beliebt. Rechner, die nicht am Netzwerk hängen, so genannte "Air-gapped" PCs, werden mit dem Tool USB-Stealer ausspioniert.

Spionagegruppen passen ihre Angriffsmethoden meist an, sobald Sicherheitsforscher die Taktiken der Cyberspione veröffentlichen. Bei Sofacy ist das nicht immer der Fall. Die Gruppe ist seit mehreren Jahren aktiv und ihre Methoden werden regelmäßig durch Sicherheitsforscher bekannt gemacht. Bei ihrer jüngsten Angriffswelle haben die Spione die neueste Version ihres Backdoor-Programms "AZZY" nicht wie sonst über eine Zero-Day-Lücke eingeschleust. Vielmehr hat dies, ganz im Sinne der oben erwähnten Redundanz, ein anderes Malware-Implantat namens "msdeltemp.dll" erledigt.

Dabei handelt es sich im einen Downloader, der dann komplexere Malware auf den Rechner laden kann. Wird Letztere entdeckt und unschädlich gemacht, haben die Täter mit msdeltemp.dll immer noch einen Fuß in der Tür. Sie können dann über ihren Steuerungs-Server ein neues Trojanisches Pferd auf den Rechner laden.

Zum Schutz vor solchen komplexen Spionageangriffen, auch als APT (Advanced Persistent Threat) bezeichnet, bedarf es eines mehrschichtigen Sicherheitsansatzes. Neben klassischer Antivirus-Software gehören dazu ein Patch-Management, das für die Versorgung mit aktuellen Sicherheits-Updates sorgt, und moderne Intrusion-Detection-Lösungen (Erkennung von Eindringlingen). Hinzu sollten Whitelisting und eine Default-Deny-Strategie kommen, um nur die Ausführung bekannter Software zu erlauben und alle anderen Programme zu blockieren.

Vodafone Kabel Deutschland stoppt P2P-Drossel-Pläne

Die Pläne von Vodafone Kabel Deutschland hatten am Donnerstag für Aufruhr im Web gesorgt. Das Unternehmen, so hieß es, plane die in der AGB vorgesehene Filesharing-Drossel durchzusetzen.Von diesen Plänen rückt der Provider aber komplett ab.

Betroffen gewesen wären die Kunden mit Kabel-Internetzugängen. Laut den Plänen sollte die Geschwindigkeit dieser Zugänge auf 100 Kilobit pro Sekunde für den Rest eines Tages gedrosselt werden, sobald ein Nutzer an dem betreffenden Tag über P2P-Software ein Datenvolumen von 10 Gigabyte überschreite. Bisher verzichtete Vodafone Kabel Deutschland auf die Umsetzung. Erst bei einem Datenvolumen von über 60 Gigabyte an einem Tag wird die Geschwindigkeit des Internet-Zugangs gedrosselt.

Die Aufregung über die Pläne war so groß, dass Vodafone Kabel Deutschland nun einen Rückzieher macht. Und es kommt noch besser: Auch die bisher geltende 60-GB-Regel bei übermäßiger Filesharing-Nutzung wird abgeschafft. Das erklärte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber Spiegel Online. 

Dem Sprecher zufolge habe es sich lediglich um ein Pilotprojekt gehandelt, bei dem man die Ergebnisse abwarten wollte, ehe die neue Regel für das gesamte Kabelgebiet gegolten hätte. "Die bisherigen Ergebnisse des Tests bewegen uns dazu, die Maßnahme nicht fortzuführen. Damit entfallen zugleich auch sämtliche Beschränkungen für Filesharing-Dienste - sowohl die ab einem Verbrauch von 10 Gigabyte als auch die bereits seit längerem bestehenden ab einem Verbrauch von 60 Gigabyte", so der Sprecher. Er betonte aber auch, dass die bei Volumentarifen geltenden Limits auch weiterhin Bestand haben.

2161204