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Morgenmagazin vom Montag, 7. Juni 2021

07.06.2021 | 07:07 Uhr | Peter Müller

iPadOS 15: Widgets beliebig auf dem Bildschirm +++ watchOS 8: "Mind" für mentale Gesundheit +++ Apple Music will heute mit Spatial Audio loslegen +++ USA spendet Taiwan 750.000 Impfdosen +++ Warnsystem soll Leben von Zweiradfahrern und Fußgängern retten +++ Kommt Windows 11? Microsoft enthüllt "nächstes Windows" am 24. Juni +++ Überschallflugzeuge heben ab 2029 mit Passagieren ab

7. Juni: Griff des Todes

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Die Zeichen haben sich klar verdichtet, dass Apple heute mal wieder zu Beginn der WWDC neue Hardware zeigen wird. Das war bekanntlich nicht immer der Fall, letztes Jahr zum Beispiel gab es nicht Neues - sieht man einmal von dem Developer Transition Kit mit dem A12Z im Mac-Mini-Gehäuse ab. Vor zwei Jahren hatte hingegen der Mac Pro Premiere, den Apple zwei weitere Jahr davor in Aussicht gestellt hatte. Aber bis es die Höllenmaschine zu kaufen gab, zog noch meh als ein halbes Jahr ins Land, in Deutschland passierte das erst nach dem Jahreswechsel. Ähnlich verfuhr Apple mit dem iMac Pro 2017 und dem Mac Pro in Zylinderform 2013: Erstmals auf der WWDC im Juni präsentiert, ab Dezember dann verkauft. Im Prinzip hat hier Apple die neuen Maschinen exakt der Zielgruppe präsentiert, die am meisten damit anfangen kann: Entwickler und andere Profis. Die iPhones zeigt man lieber zu einem anderen Zeitpunkt, der breiten Masse, die gerade beschwingt aus der Sommerfrische zurückkehrt.

Das war nicht immer so, heute vor elf Jahren hatte es das letzte Mal ein neues iPhone auf der WWDC im Juni gegeben, die Entwickler hatte schon drei Monate zuvor einen ersten Blick auf iPhone-OS 4 erhalten, das Apple im Sommer dann in iOS 4 umbenannte – das iPad war ja auch dazu gekommen.

Das iPhone 4 bedeutete im Jahr 2010 den ersten Wechsel der Form, vom kurvigen Handschmeichler iPhone 3GS zum eher eckigen Design, das auch heute wieder bei Apple hoch im Kurs steht. Wie wir erst später erfuhren, war die Form bereits in der Prototypenphase des originalen iPhones ausprobiert worden, für Apple also nichts Neues. Neu hingegen war die Glasrückseite, die ja etliche Vorteile gegenüber Plastik (hässlich) oder Aluminium (weitgehend elektromagnetische Wellen abschirmend) bot. Aber eben auch einen kleinen Nachteil brachte: Denn die Glasschäden verdoppelten sich nun. Klar, es besteht auch die doppelt so hohe Chance, dass das iPhone im Fall des Falles mit einer Glasseite aufschlägt.

Das iPhone 4 hatte aber noch zwei Besonderheiten. Ende März oder Anfang April hatte in einem Biergarten in Cupertino ein Apple-Ingenieur einen Prototypen des 4ers liegen lassen, bei einem der notwendigen Feldtests außerhalb des Firmengeländes. Das Telefon steckte zwar in einer Hülle, die es aussehen ließ wie ein 3GS – an der Bildschirmgröße hatte sich ja nichts geändert, nur an dessen Auflösung (Retina-Display) – das half aber nichts. Der unbekannte Finder spielte das Fundstück dem Blog Gizmodo zu, der das natürlich ausnutzte und ausführlich über die Form des neuen Modells berichtete. Zur Keynote der WWDC waren Vertreter der Website dann unerwünscht und haben seither keine weiteren Einladungen Apples erhalten, an sich wenig überraschend.

Einen anderen Fehler hatte Apple in seinen Laboren begangen. Denn trotz großen Aufwands bei Entwicklung und Test war es den Ingenieuren offenbar nicht aufgefallen, das der Stahlrahmen, der gleichzeitig als Antenne diente, eine Schwachstelle hatte. Fasste man ihn an der Stelle an, an der bewusst unterbrochen war, überbrückte die leitende Haut die Isolation und das Gespräch und/oder die Internetverbindung konnte abbrechen: Antennagate. Der bereits todkranke Steve Jobs unterbrach einige Wochen später seinen Urlaub, um auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz zu erklären, dass dieser Fehler zwar bedauerlich sei, aber auch andere Hersteller hätten derartige Designfehler begangen. Die Kunden rissen dennoch Apple das neue Telefon geradezu aus den Händen, aber gut, wer unzufrieden ist, kann es ja bis zu 14 Tage nach dem Kauf zurückgeben oder eine kostenlose Hülle (Bumper) bei Apple bestellen. Theoretisch hätte man das auch mit Wollhandschuhen lösen können, aber es war ja Sommer.

Intern muss Steve Jobs aber anders geklungen haben, der erst kurz zuvor von IBM als Nachfolger von Tony Fadell geholte Chef-Entwickler Mark Papermaster war dann auch gleich seinen Job los. Und die im Februar darauf erschienene CDMA-Variante hatte ein anderes Antennendesign, das Apple auch dem mit zehn Monaten Verzögerung ausgelieferten weißen iPhone 4 und vor allem dem Nachfolger iPhone 4S angedeihen ließ.

Aber heute Abend werden wir definitiv keine neuen iPhones sehen, die 13er gibt es ab September und ein violettes 12er hatte Apple erst im März gezeigt. Stattdessen wieder Hardware für die diesmal vor den Bildschirmen versammelten Profis: Macbook Pro mit 14- und 16-Zoll-Bildschirm. Eher nicht in violett oder den anderen Farben des Regenbogens, das sollte mit einem neuen Macbook (Air) passieren, später in diesem Jahr. Die WWDC wird auch so spannend genug.

Lesetipps für den Montag:

Nicht auf dem Plan: Heute Abend um 19 Uhr beginnt die WWDC, in diesem Jahr vermutlich wieder mit ein wenig Hardware. Doch sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch hängen, es geht schließlich vor allem um Software. Was ziemlich sicher nicht kommen wird, sind neue iPhones oder Apple Watches, auch ein neues iPad Mini wird seine Premiere erst später im Jahr feiern. Und auch wenn ein iMac mit Pro-Ausstattung vor der richtigen Zielgruppe präsentiert würde, wird man auch auf den noch eine Weile warten müssen.

Raumklang : Apple hat für den Juni für Apple Music Lossless und Spatial Audio versprochen. Im verlustfreien Format, das man eher nur mit besonderem Aufwand bei der Audiohardware wird hören können, sollen nach und nach alle 60 Millionen Titel angeboten werden, Raumklang wird es zunächst nur für wenige ausgewählte geben - diese kann man aber auf allen Airpods genießen. Nach der Keynote zur Eröffnung der WWDC plane Apple zu  Mittagszeit an der Westküste (21 Uhr MESZ) ein weiteres Event, das einen Radiosender in Apple Music starten werde, der Titel in Spatial Audio wiedergibt. Das soll Apple selbst in einem Video angekündigt haben, das mittlerweile wieder verschwunden ist, in der Twitter-Sphäre aber nicht unentdeckt blieb.

Spende : Taiwan, das bisher recht gut durch die Pandemie kam, hat seit Wochen mit stark steigenden Infektionszahlen zu kämpfen, die Impfrate von bisher nur 3 Prozent ist noch sehr niedrig. DIe USA spenden dem Land nun 750.000 Dosen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Nachricht überbrachten die Senatoren Tammy Duckworth, Dan Sullivan und Christopher Coons bei einem Staatsbesuch. Die USA folgen damit dem Beispiel Japans, das bereits 1,24 Millionen Impfdosen auf die Insel brachte. Trotz der geografischen Nähe zu China will die Regierung des Inselstaates das dort produzierte Vakzin wegen Sicherheitsbedenken und Importbeschränkungen nicht nutzen. Die Impfstoffspende ist keineswegs selbstlos: Industriestaaten wie die USA und Japan fürchten eine zunehmende Chip-Knappheit, müsste Taiwan auf absehbare Zeit in einen totalen Lockdown.

Gesundheit: Unmittelbar vor der WWDC sind einige interessante Leaks aufgetaucht, die auf neue Apps für die Apple Watch schließen lassen. So sollen das Adressbuch, also die Kontakte-App und die Tipps eine eigene Variante für die Uhr bekommen. Cross-Plattform sollte eine neue App "Mind" werden, die sich vermutlich um mentale Gesundheit drehen wird. Dabei könnte sie die Atmen-Anwendung auf der Apple Watch in watchOS 8 ergänzen oder gar ersetzen.

Änderungen: Mark Gurman von Bloomberg will bereits wissen, welche wesentlichen Neuerungen iPadOS 15 bringen soll. Das neue System für das Tablet erlaube Widgets an beliebigen Stellen des Homescreens und bringe verbessertes Multitasking - hier nennt Gurman aber keine konkreten Informationen. Was Benachrichtigungen betrifft: Hier ändere sich nicht nur das Design der Banner, Anwender sollen auch genauer festlegen können, wann sie nicht gestört werden wollen. Automatische Antwortoptionen für iMessages würden deutlich erweitert.

Weitere Nachrichten:

Warnsystem soll Leben von Zweiradfahrern und Fußgängern retten

An miteinander vernetzten Autos wie dem aktuellen VW Golf VIII oder Mercedes-Fahrzeugen, die sich gegenseitig vor Gefahren warnen und dadurch Unfälle verhindern sollen, arbeiten Automobilhersteller, Telekommunikationsunternehmen und Zulieferer wie Continental oder Bosch schon länger. Doch nun bringen Continental und Deutsche Telekom eine neue Komponente ins Spiel: Den Schutz von Zweiradfahrern und Fußgängern.

Beide Unternehmen entwickeln ein System, das vor Unfällen zwischen vernetzten Fahrzeugen und Radfahrern, Pedelec-/E-Bike-, Scooterfahrern und sogar Fußgängern warnen soll. Dieses noch in der Entwicklung befindliche System soll etwa den eingeschlagenen Weg eines Autos und eines Zweirades berechnen. Kommt das System bei seiner Berechnung zu dem Ergebnis, dass sich die Wege von Auto und Zweirad wahrscheinlich zum gleichen Zeitpunkt kreuzen, dann soll das System per Mobilfunk die beiden Verkehrsteilnehmer in Echtzeit warnen. Ersten Tests im Straßenverkehr seien erfolgreich verlaufen. Von diesem Warnsystem können auch Fußgänger profitieren, sofern sie ein Smartphone mit dabei haben. Langfristig dürfte wohl auch ein anderes Gerät mit Mobilfunkempfang ausreichen, beispielsweise eine Smartwatch.

Für Zweiradfahrer und Fußgänger könnte dieses System zum Lebensretter werden, denn „Unfälle zwischen Fußgängern oder Radfahrern und motorisierten Fahrzeugen enden laut europäischem Verkehrssicherheitsrat zu über 80 Prozent tödlich für die schwächeren Verkehrsteilnehmer“, wie Continental schreibt.

Die Deutsche Telekom fasst die Funktionsweise folgendermaßen zusammen: „Die Kollisionswarnung basiert auf Satellitenortung (GPS), Beschleunigungssensoren, Mobilfunk und Cloud Computing. Das Auto übermittelt seine Position und Beschleunigungswerte per Mobilfunk in die Cloud. Der Radfahrer sendet diese Informationen via Smartphone oder vernetztem Fahrradcomputer ebenfalls in die Cloud. Sie berechnet die Wege für die nächsten fünf Sekunden und sendet bei drohender Kollision eine Warnung an das Auto und auf das Endgerät des Radfahrers. Damit diese Information möglichst schnell beide Verkehrsteilnehmer erreicht, kommt immer der Cloud-Rechner im Mobilfunknetz zum Einsatz, der am dichtesten am Ort der möglichen Kollision liegt. Techniker sprechen von Multi-Access Edge Computing.“

Telekom und Continental wollen diese Kollisionswarnung auf dem ITS World Congress vom 11. bis 15. Oktober in Hamburg vorstellen. Die Kollisionswarnung entsteht laut Telekom im Projekt Reallabor Hamburg (RealLabHH) und wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.    

Kommt Windows 11? Microsoft enthüllt "nächstes Windows" am 24. Juni

Den 24. Juni sollten sich Windows-Fans rot im Kalender markieren. Denn am letzten Donnerstag im Juni 2021 wird Microsoft zeigen, welche Neuerungen Windows 10 als nächstes bekommt. Doch US-Medien wie Betanews gehen noch weiter und erwarten teilweise sogar, dass Microsoft offiziell „Windows 11“ vorstellen könnte.

Microsoft wird die Neuerungen am 24.6. in einem virtuellen Event mit Livestream vorstellen. Die Veranstaltung trägt sinngemäß in etwa den Namen „Komm zu uns und schau dir an, was es Neues bei Windows gibt“. Bei dieser Veranstaltung wird Microsoft vermutlich konkret die Neuerungen das Herbst-Updates 21H2 „Sun Valley“ zeigen. Microsofts SEC Satya Nadella hatte bereits vor einigen Tagen das kommende Update als das wichtigste des letzten Jahrzehnts bezeichnet. Mehr dazu lesen Sie in dieser Meldung: Microsoft-Chef - Windows 10 erhält "größtes Update" dieses Jahr. Nadella vermied bei seiner Ankündigung jeden Hinweis auf eine Versionsnummer, sondern sprach einfach nur von der nächsten Windowsgeneration.

Was aber wird Microsoft konkret zeigen? Microsoft-Experten wie Mary Jo-Foley erwarten neben einer überarbeiteten Benutzeroberfläche auch diverse Verbesserungen unter der Haube wie zum Beispiel bessere Touch-Eigenschaften (wichtig für Surface-Geräte etc.) und einen neuen App-Store. Einige für das mittlerweile eingestellte Windows 10X geplante Neuerungen sollen ebenfalls in das nächste Windows-Update einfließen.

Aus dem Logo und der dazu passenden kurzen Animation, die Microsoft getwittert hat, ziehen einige US-Beobachter den Schluss, dass Microsoft Windows sogar eine neue Bezeichnung beziehungsweise Versionsnummer verpassen könnte: „Windows 11“ könnte demnach die am 24.6. vorgestellte Windowsvariante heißen. Denn das oben erwähnte Logo beziehungsweise die Animation dazu würden Lichtstrahlen zeigen, die durch das „Window“ (Fenster) fallen und dabei einen Schatten werfen, der eine „11“ bildet - in der Tat fehlt bei dem Schattenbild am Boden der eigentlich erforderliche Schatten des Querstegs des Fensters, was sicherlich kein Versehen ist. Obendrein weisen Beobachter daraufhin, dass Microsoft den Event um 11 Uhr Ortszeit startet. Ein Zufall? Auch der bekannte Leaker Evan Blass scheint diese Vermutung zu teilen.

Zumindest letzteres ist zugegebenermaßen eine recht weit hergeholte Spekulation, aber ganz von der Hand zu weisen ist diese Vermutung auch nicht. Microsoft hat sich dazu jedenfalls nicht geäußert.

Überschallflugzeuge heben ab 2029 mit Passagieren ab

Die US-Fluggesellschaft United Airlines (UA) will ab dem Jahr 2029 mit Überschallflugzeuge Passagiere über die Kontinente und Ozeane befördern. Dazu hat UA einen entsprechenden Kaufvertrag mit dem Unternehmen "Boom Supersonic" unterzeichnet, wie die beiden Unternehmen mitteilen. Insgesamt werden in einem ersten Schritt 15 Überschallflugzeuge des Typs "Overture" erworben. Sobald diese Flieger die offizielle Zulassung erhalten, hat die Fluggesellschaft per Option die Möglichkeit, weitere 35 Flugzeuge zu kaufen.

Die Flugzeuge selbst befinden sich noch in der Entwicklung. Erste Testflüge sollen im kommenden Jahr starten. Die Auslieferung soll im Jahr 2025 erfolgen. Dann sollen die Testflüge der "Overture" starten und damit auch der Zulassungsprozess, der um die zwei bis drei Jahre dauern wird.

In 3:30 Stunden von New York nach London

Laut Boom werden die "Overture"-Flugzeuge kohlenstoffneutral fliegen und mit 100 Prozent nachhaltigem Flugbenzin betankt werden. Die maximale Flughöhe gibt der Hersteller mit 60.000 Fuß (18,288 Meter) und die Fluggeschwindigkeit mit Mach 1.7 (etwa 2.030 km/h) an. In den Flugzeugen sollen bis zu 88 Passagiere passen, die eine Strecke von bis zu 4.888 Meilen (etwa 7850 Kilometer) zurücklegen können.

Mehr als 25 Jahre nach dem letzten kommerziellen Flug der Concorde (2003) sollen ab Ende dieses Jahrzehnts damit wieder Passagiere mit Überschallgeschwindigkeit reisen dürfen. Die Reisezeit etwa zwischen London und New York soll laut Boom bei etwa dreineinhalb Stunden liegen. Die aktuell schnellsten Passagierflugzeuge benötigen für die Strecke sechseinhalb Stunden. Im Gegensatz zur Concorde sollen Passagiere mit den Boom-Flugzeugen auch deutlich komfortabler Reisen können, weil mehr Platz zur Verfügung steht. Offen bleibt aber, wie hoch die tatsächlichen Ticket-Preise dann ausfallen werden.

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