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20 Jahre iBook: Der iMac zum Mitnehmen

22.07.2019 | 13:01 Uhr | Peter Müller

30 Jahre nach der ersten Mondlandung machte sich in New York ein Apple-Manager ebenso auf einen großen Sprung.

Am 21. Juli 1969 twitterte Neil Armstrong den Aphorismus: "Es ist nur ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit" vom Mond, auf dem er er wenige Stunden zuvor (noch am 20. Juli) zusammen mit Edwin Aldrin in der Landekapsel "Eagle" aufgesetzt war (Noch so ein Aphorismus: "The Eagle has landed"). Nun gut, er twitterte nicht wirklich, sondern bediente sich der altmodischen Technik der Sprachübertragung per Funkwellen, aber die Länge der Botschaft hätte hervorragend für einen Tweet gereicht. Exakt 30 Jahre später nahm sich Apple des Themas "Sprung" noch einmal an, Funk spielte dabei auch eine Rolle.

Am 21. Juli 1999 eröffnete die Sommerausgabe der Macworld Expo in New York mit der üblichen Keynote ihre Pforten. Steve Jobs steigerte dabei langsam die Dramaturgie über Quicktime 4, Quicktime TV und die Vorankündigung von Mac-OS 9 mit dessen 50 neuen Funktionen und kam allmählich zu den Themen, die schon damals die Fan-Gemeinde wirklich interessierten: Neue Hardware. Ein gutes Jahr nach der Markteinführung des iMac war es nun Zeit für einen "iMac zum Mitnehmen", iBook genannt. Aus heutiger Sicht ist das Design des oft als "Schminktäschchen" verspotteten Einsteigernotebooks ein wenig bizarr, doch waren seinerzeit Mobilrechner meist so klobig und langweilig, dass die bunten (Blueberry und Tangerine) iBooks angenehm hervorstachen.

Das iBook sollte im Jahr darauf etwas seriöser werden, die neuen Farben Indigo und Graphite wirkten nicht mehr so knallig, Firewire kam noch als neue Schnittstelle hinzu. Wobei: Einen Farbkracher beließ Apple dann doch im Programm, das iBook in Keylime, einer Art von Kreischgrün. Im Jahr 2001 wurde das iBook dann aber schlicht weiß, auch der iMac vollzog diese Wandlung, ein Jahr nach dem Desktop hatte das Laptop für Einsteiger ebenso eine G4-CPU zu bieten. Nach Ende des PowerPC blieb Apple beim Schlichten, das iBook hieß nun Macbook und war in schwarz oder weiß zu erhalten. Später war es kurz im Aluminium-Chassis erhältlich, von 2015 bis vorletzte Woche war das Macbook als besonders flache Flunder in Gold, Silber, Space Gray und Roségold zu haben. Mag das iBook/Macbook vorerst einmal wieder ausgedient haben, sein Prinzip bleibt: Ein einfacher und günstiger Einsteigerrechner, ein iMac zum Mitnehmen also. Heute trifft am Besten das Macbook Air 2019 dieses Prinzip.

Für große Sprünge konzipiert

Das mit dem "iMac to go" nahm Apple gar auf eine völlig neue Ebene, denn das iBook hatte als eines der ersten Geräte seiner Art auch "unterwegs" Netzwerkverbindung. Möglich machte das ein Funk-Chip, der auf dem 2,4-GHz-Band nach dem relativ jungen Standard IEEE 802.11b mit Basisstationen und anderen Rechnern kommunizierte. Apple wäre nicht Apple, hätte man der neuen Technik nicht auch gleich einen pfiffigen Namen gegeben: Airport. Dabei benötigt die Funk-Schnittstelle gar keine Luft, ganz im Gegenteil, sonst hätte Neil Armstrong nicht erfolgreich von seinem ersten Schritt auf dem Mond berichten können. Zum Airport-Chip im iBook benötigte man auch eine Airport-Basisstation, die in jenen Tagen einer Mondlandefähre durchaus ähnlich sah. Mittlerweile produziert Apple keine Basisstationen oder Router mehr, dafür kooperiert das Unternehmen mit einigen Herstellern, die HomeKit-Funktionen in ihre Geräte einbauen sollen

Apple wäre auch nicht Apple, wenn Steve Jobs und Phil Schiller damals vor 20 Jahren die neue Art der Datenübertragung nicht gleich in dramatischer Weise vorgeführt hätten. Denn was bedeutet nun drahtlos? Man kann das iBook vom Schreibtisch packen, in ein anderes Stockwerk gehen und wieder zurück springen, ohne dass die Verbindung mit dem Internet abreißen würde. Heute völlig normal, nur vor  20 Jahren eine Art von Weltwunder. Marketingchef Phil Schiller musste daher die Probe aufs Exempel machen und auf ein etwa fünf Meter hohes Podest hinter der Bühne klettern und mitsamt Macbook von dort auf weiche Matten zurück springen. Ein gigantischer Sprung für Phil Schiller und ein gar nicht so kleiner Schritt für die Informationstechnik.

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