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27 Jahre altes "Macbook" vs. Macbook M1: Wie schlägt sich das Powerbook 190?

17.05.2022 | 15:30 Uhr | Stephan Wiesend

Auch 1995 hatte Apple schon günstige und erstklassige Macbooks im Angebot. Trotz völlig anderer Technik gab es viele Parallelen und produktives Arbeiten war auch damals möglich.

Laptops von Apple gibt es schon sehr lange, für den Autor dieses Artikels war das 1995 vorgestellte Powerbook 190 der erste Mac. Aus heutiger Sicht ist dieses alte 33-MHz-Gerät mit Graustufen-Display ein Methusalem, damals war es aber für einen Studenten fast ideal und überraschend gut nutzbar. Es hatte allerdings einige Macken und Support-Probleme, die auch heutigen Apple-Kunden bekannt vorkommen könnten. 

Klein und dick

Vergleicht man ein Powerbook 190 mit einem Macbook Pro 14 Zoll, fällt der völlig unterschiedliche Formfaktor auf. Auch 1996 waren Macbooks portable Geräte: Mit dem aus heutiger Sicht recht hohen Gewicht von fast drei Kilo, und den Maßen 5,1 x 29,2 x 21,6 Zentimetern erschien das Macbook damals schön kompakt und portabel – besonders im Vergleich zu Zeitgenossen von Gericom und Vobis. Aus heutiger Sicht ist aber vor allem die Dicke und das hohe Gewicht auffällig: Das Macbook Pro 14 Zoll ist nur noch 1,55 Zentimeter hoch und wiegt nur noch 1,6 Kilo. Die anderen Maße sind recht ähnlich (1,55 x 31,25 x 22,12 Zentimeter).

Überzeugend war aber schon damals das Design und die Ergonomie: Neben kastenförmigen Konkurrenten aus der PC-Welt wirkte das Design elegant und zeitlos. Das mit sanften Abrundungen gestaltete Gehäuse bestand aus hochwertigen Kunststoff und wirkte äußerst robust und langlebig – und war bald als Auslaufmodell für günstige 1800 Mark zu haben (zum Teil auch günstiger). Auch heute hat das organische Design noch seinen Charme, wirkt daneben das aktuelle Macbook Pro doch ausgesprochen "kantig".              

So schnell wie nötig

Einstiegsmodelle von Apple mussten allerdings schon 1995 mit älterer Technik zurechtkommen: Schon bei seinem Erscheinen war das primär für Studenten gedachte 190 veraltet. Es bekam als CPU den damals schon durch die PowerPC-CPUs abgelösten MC68LC040 von Motorola mit 33 MHz – übrigens mit einem Kern, während das aktuelle Macbook Pro auf bis zu zehn Kerne mit bis zu 3228 MHz zugreift. Als schnelles Austauschformat dienten Disketten, immerhin stand eine SCSI-Schnittstelle zur Verfügung. Dafür verbaute Apple nur 4 MB – MB, nicht GB übrigens.

Trotzdem gab es keine Performance-Probleme, speziell nach der Aufrüstung von 4 MB (ja MB) auf 36 MB Arbeitsspeicher! Danach konnte ein komplettes Arbeitsprogramm wie Nisus Writer in den Arbeitsspeicher geladen werden und das Macbook arbeitete lautlos und stromsparend. Der Grund: Bei jedem Vergleich mit einem heutigen Rechner gibt es eine Art Henne-Ei-Paradox: Damals waren die Rechner schwach, aber Betriebssystem und Programme waren auf diese Technik angepasst. Aktuelle Aufgaben wie 4K-Videoschnitt oder aufwendige Webanwendungen waren völlig undenkbar – aber wurden mangels Machbarkeit auch gar nicht vom Markt verlangt. Standard waren Aufgaben wie Texteingabe oder Tabellenkalkulation: E-Mail-Bearbeitung und sogar DTP waren aber selbstverständlich möglich und Bilddateien nutzten kleine Auflösungen und wurden für einfache Nutzbarkeit eben verkleinert und optimiert. Ebenso war das ausgelieferte System 7.5 (später) 8.1 auf diese lahmen CPUs optimiert und die damaligen Programme ebenfalls: Als Datenbanken liefen 4D und Ragtime 3 problemlos, ebenso Textverarbeitungen wie Nisus Writer, Word 5, Claris Works und der Routenplaner Route 66. Video- und Fotobearbeitung war damals Domäne von Desktop-Macs mit Spezial-Hardware. Erste Digitalkameras waren wahnsinnig teuer und eher unter Agentur-Fotografen ein Thema – so hat der Autor kein einziges eigenes Foto seines alten Powerbooks – in iPhone-Zeiten undenkbar. Kein Wunder, dass bei so "langweiligen" Aufgaben, Notebooks oft reine Arbeitsgeräte waren.

9,5-Zoll und VGA

1996 setzten sich bei Notebooks immer öfter Farbdisplays als Standard durch, allerdings hatte das 190 in der Standardausführung (im Unterschied zum 190cs) ein Graustufen-Display. Das klingt aus heutiger Sicht furchtbar und die Bildschirmränder waren so breit, dass sie fast so viel Fläche wie der Bildschirm zu belegen schienen. Für Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation war dies aber kein Hindernis – vor allem, wenn man nichts anderes kannte … Auch ein aktuelles iPad muss schließlich mit 10,2 Zoll zurechtkommen, wenn auch ein Bildschirm mit der Auflösung von 640 x 480 Pixel heute nicht einmal mehr bei Billig-Smartphones verwendet wird.

Spiele

Aus heutiger Sicht vielleicht überraschend: In den 90ern gab es zahllose Spiele für den Mac. Auch auf einem Powerbook liefen damals manche Spiele, einige Titel waren sogar auf dem 190 vorinstalliert. Hier profitierte der Nutzer von der damals hohen Verbreitung von Macs in den USA. Für modernere Spieler war das Gerät aber viel zu langsam. Das Macbook Pro hat da aktuell das gegenteilige Problem: Es bietet tolle Performance, es gibt aber viel zu wenig native Spiele für den Mac.

Tastatur

Es klingt fast wie Verklärung, beim Thema Tastatur können die alten Macbooks mehr als mithalten. Bauhöhe war damals kein Thema und Laptop-Tastaturen fühlten sich damals fast wie Desktop-Tastaturen an.

Internet als Überforderung

Es war vorwiegend das Internet, das ein 68k-Macbook völlig überforderte. Graustufen waren im bunten WWW nicht mehr akzeptabel, mangels Ethernet und integriertem Modem war die Verbindung ärgerlich lahm. Schnell wurden zudem Webseiten immer größer und aufwendiger, was den alten Prozessor völlig überforderte. Mit dem kurz darauf vorgestellten iMac brachte Apple zwar einen sehr internettauglichen Rechner heraus, alte Macs waren aber plötzlich nicht mehr alltagstauglich – insbesondere im direkten Vergleich mit aktuellen Windows-Rechnern.

Kleine Mängel

Mac-Fans verklären gerne die Vergangenheit und haben den Eindruck, früher wären Apple-Rechner zuverlässiger gewesen. Auch das 190 hatte aber seine Macken – wie sie auch viele neuere Macs haben. Schon der verbaute Prozessor 68LC040 selbst hatte einen kleinen internen Bug, für den der Hersteller Motorola verantwortlich war. Zusätzlich hatte das Gehäuse einen Fabrikationsfehler, der zum Absplittern eines Gehäuseteils führen konnte – und auch beim Gerät des Autors auftrat. Apple konnte zudem einige Versprechen nicht einhalten: Bei der Vorstellung hatte Apple noch versprochen, man könne die lahme interne CPU später durch einen PowerPC-Chip ersetzen. Das versprach sogar ein großer roter Aufkleber am Display! Dies erwies sich aber in Anbetracht der lahmen restlichen Hardware als wenig sinnvoll. Auch das Aufrüsten mit RAM war nicht ohne Probleme – damit sich ein zusätzlicher RAM-Baustein nicht immer wieder selbst löste, musste man ihn nämlich im Gehäuse mit einem kleinen Klebe-Polster fixieren.

(Zu den Betriebssystemen System 7.5 und Mac-OS 8 gäbe es ebenfalls einige Anmerkungen zu machen.)

Akkulaufzeit

Das 190 musste zusätzlich noch mit einem sogenannten NiMH-Akku vorlieb nehmen, erst der Nachfolger 5300 erhielt die damals „brandneuen“ Lithium-Ionen-Akkus. Leider hatte diese Technologie damals noch ihre Macken: Es kam zu spektakulären Bränden des Akkus und Apple musste einen Rückruf starten. Dagegen profitierte das 190 hier von seiner schwachen Ausstattung: Dank kleinem Graustufen-Display und lahmer CPU war der Energieverbrauch sehr niedrig und vier Stunden Laufzeit kein Problem – damals keineswegs selbstverständlich. Die Akkutechnik hat sich erst in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, dass die über 10 Stunden Akku-Laufzeit beim Macbook Pro 14 Zoll niemanden mehr beeindrucken.

Unser Fazit

Das Macbook 190 hatte seine Schwächen, konnte aber mit tollem Design und guter Nutzbarkeit überzeugen. Schade: Vom Internet war es völlig überfordert und Apple stellte die Produktion schon nach einem Jahr wieder ein. Dank niedriger Preise konnte es aber viele Käufer ansprechen und ist noch immer überraschend häufig auf Ebay zu sehen.

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