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3G-Abschaltung: 53 Prozent der Mobilfunk-Nutzer surfen bald im Schneckentempo

04.07.2019 | 10:51 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Ab 2021 droht 53 Prozent der Mobilfunknutzer der Verlust des schnellen Internets unterwegs, weil die Mobilfunkprovider das 3G/UMTS-Netz abschalten.

Bei aller Euphorie um den zu erwartenden Tempo-Boost durch 5G - die Deutsche Telekom hat gestern ihre ersten beiden 5G-Tarife vorgestellt - sollte man eine Gruppe von Mobilfunknutzern nicht vergessen, die vielleicht bald in weiten Teilen Deutschlands fast ohne Mobilfunk dastehen beziehungsweise nur noch im Schneckentempo surfen k├Ânnen: Die Rede ist von 3G/UMTS-Nutzern.

Denn die Mobilfunkprovider werden nach und nach die 3G-Frequenzen abschalten. Unter anderem deshalb, weil die Mobilfunkprovider einige bisher f├╝r 3G/UMTS genutzten Frequenzbereiche f├╝r das neue 5G ben├Âtigen. So hat beispielsweise 1und1 Drillisch bei der 5G-Auktion der Bundesnetzagentur einige Frequenzbereiche, die bisher f├╝r UMTS genutzt werden, ersteigert, um diese ab dem Jahr 2026 f├╝r 5G zu verwenden. Laut Spiegel Online f├╝hrt aber auch eine Vorgabe der Bundesnetzagentur dazu, dass die Mobilfunkbetreiber 3G bald abschalten werden: Bis Ende 2019 m├╝ssen die Provider f├╝r mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland eine Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde bereitstellen. Das ist mit 3G technisch nicht m├Âglich, daf├╝r ist zwingend LTE oder k├╝nftig eben 5G erforderlich.

Nun stellt sich die Frage, wer denn ausschlie├člich auf 3G/UMTS angewiesen ist. Denn bisher sind doch die meisten Mobilfunknutzer ohnehin schon mit 4G/LTE unterwegs, oder? Mitnichten. In Gebieten, in denen es noch kein 4G gibt, m├╝ssen die Mobilfunknutzer derzeit auf 3G ausweichen. Und es gibt durchaus popul├Ąre Mobilfunkanbieter, die LTE gar nicht erst anbieten, beispielsweise Lidl Connect. Lidl Connect nutzt zwar grunds├Ątzlich das gut ausgebaute Vodafone-Netz, doch eben ohne dessen 4G/LTE-Frequenzen. Werden nun nach und nach die 3G-Frequenzen abgeschaltet, so schaut der Lidl-Connect-Nutzer in die R├Âhre.

Tipp: Bei vielen anderen Mobilfunkanbietern ist das anders, Tchibo Mobile oder Aldi Talk zum Beispiel verwenden zwar das etwas schlechter ausgebaute O2-Netz, daf├╝r aber mit dessen 4G/LTE-Frequenzen. Diese Nutzer w├Ąren somit von der 3G-Abschaltung nicht derart heftig betroffen wie es beispielsweise nach derzeitigem Stand Lidl-Connect-Nutzer w├Ąren. Besonders in l├Ąndlichen Gegenden d├╝rfte die 3G-Abschaltung viele Nutzer hart treffen, weil dort mitunter 4G/LTE noch nicht verf├╝gbar ist: Diese Nutzer k├Ânnten dann nur noch das langsame 2G-Netz nutzen, wor├╝ber Datenverbindungen aber nicht sinnvoll m├Âglich sind.

Doch wie viele Mobilfunknutzer sind denn nun nur mit 3G unterwegs? Laut dem aktuellen Bericht der Bundesnetzagentur (Seite 56) waren Ende 2018 in Deutschland nur 47 Prozent aller ausgegebenen SIM-Karten f├╝r Mobilfunknutzer LTE-f├Ąhig (50,5 Millionen SIM-Karten). Der Rest, also 53 Prozent oder 57 Millionen, ist tats├Ąchlich noch mit 3G-SIM-Karten im Internet unterwegs (5G spielt derzeit ja noch keine Rolle). Insgesamt gab es Ende 2018 107,5 Millionen aktive SIM-Karten f├╝r den Handybetrieb in Deutschland.

Laut Spiegel Online haben einige Mobilfunkprovider bereits konkrete Zielvorgaben f├╝r die Einstellungen von 3G genannt: Vodafone will demnach zwischen 2020 und 2021 3G abschalten und die Deutsche Telekom will die 3G-Versorgung nur bis Ende 2020 garantieren.

Wer dagegen bereits mit LTE unterwegs ist, muss so bald keine Abschaltung bef├╝rchten. Ganz im Gegenteil bauen die Mobilfunkprovider ihre LTE-Netze weiter aus, wie diese Beispiele von Telekom und O2 exemplarisch zeigen. Und das uralte 2G-Netz (auch als GPRS oder Edge bezeichnet) bleibt f├╝r den Versand von SMS und f├╝r Sprachanrufe ebenfalls noch bis auf weiteres bestehen.

Ende 2018 gab es laut Bundesnetzagentur 54.911 LTE-Basisstationen. Bei der auf Einwohner bezogenen LTE-Netzabdeckung Ende 2018 erreichten die Deutsche Telekom AG 98 Prozent, Vodafone 93 Prozent und Telef├│nica Germany 88 Prozent, wie die Bundesnetzagentur mitteilt.

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