2198939

40 Jahre alter Rechner mit 8-Zoll-Floppy steuert Atomwaffen

27.05.2016 | 10:29 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Ein uralter IBM Series/1 steuert die Atom-Bomber und Interkontinentalraketen der USA. Mit 8-Zoll-Disketten als Speicher.

Die Meldungen ├╝ber den Einsatz uralter IT an lebenswichtigen Stellen von Infrastruktur und Milit├Ąr rei├čen nicht ab. So berichtet nun die englische IT-Nachrichten-Webseite The Register, dass ein Computer-Veteran vom Typ IBM Series/1 die Nuklearstreitmacht der Vereinigten Staaten steuert. Diesen Computer-Typ hat IBM 1976 eingef├╝hrt. Der Typ IBM Series/1 verwendet 8-Zoll-Floppy-Disks als Speichermedien, wie man auch auf dem Foto zu dieser Meldung sieht. Jede dieser riesigen Disketten kann sage und schreibe 80 KB Daten speichern.

Dieses ÔÇťUS Department of Defense's Strategic Automated Command and Control System (SACCS)ÔÇŁ koordiniert laut dem Bericht die operative Funktionen der Nuklearstreitmacht der USA. Also die Interkontinentalraketen und die Atom-Bomber sowie diese unterst├╝tzende Kr├Ąfte wie Tankflugzeuge.

The Register beruft sich auf einen Bericht des US Government Accounting Office. Das US-Verteidigungsministerium will aber zumindest die Datenspeichertechniken sowie tragbare Eingabeterminals und Desktop-Terminals sowie Erweiterungen bis zum Ende des Finanzjahres 2017 aktualisieren. Und bis 2020 will das US-Milit├Ąr seine Kontrolltechnik f├╝r Atomwaffen und Zielerfassung auf moderne Server umziehen. Doch viele andere US-Beh├Ârden sehen daf├╝r keinen Grund.

IBM-Mainframe mit Assembler

Das Finanzministerium der USA verwendet zum Beispiel f├╝r die Berechnung der Steuererkl├Ąrungen einen 56 Jahre alten IBM-Mainframe. Auf diesem Gro├črechner-Dinosaurier l├Ąuft Software, die in Assembler programmiert ist. Das maschinennahe Assembler kommt heute nur in besonderen F├Ąllen als Programmiersprache zur Anwendung, in der Regel wird eine h├Âhere Programmiersprache wie C, C++ oder Java verwendet. Doch als der IBM Mainframe gebaut und in Betrieb genommen wurde, war C noch nicht erfunden ÔÇô von dessen Derivaten C++ und Java ganz zu schweigen. Das Finanzministerium plant derzeit nicht den Umstieg auf ein moderneres System.

Diese Uralt-Techniken leben bis heute

Fortran

Beim Wirtschaftsministerium sind laut dem Bericht Wetterwarnsysteme im Einsatz, die mit Fortran programmiert wurden. Fortran ist ebenfalls eine sehr alte Programmiersprache, die seinerzeit besonders f├╝r aufw├Ąndige mathematische Fragestellungen oft verwendet wurde. Das Netzwerk des Wirtschaftsministeriums w├╝rde noch immer auf Windows-Server-2003 laufen, f├╝r den Microsoft keinen Support mehr gibt.

Diese Uralt-Technik ist immer noch im Gebrauch

Cobol

Das nach 9/11 gegr├╝ndete Department of Homeland Security wiederum nutzt einen acht Jahre alten IBM System z10 Mainframe ÔÇô das w├Ąre ja noch nicht so ungew├Âhnlich. Auf diesem Mainframe l├Ąuft aber mit Cobol programmierte Software. Sie ist ├Ąhnlich alt wie Fortran und geh├Ârt somit ebenfalls zu den Urgesteinen der IT-Programmiersprachen. Auch das Justizministerium vertraut auf mit Cobol: Es verwendet Cobol f├╝r die Datenbanken, mit der die Gef├Ąngnisinsassen verwaltet werden.

Der Bericht des Government Accounting Office┬ástellt fest, dass in der IT der US-Beh├Ârden vielfach v├Âllig veraltete Technik verwendet werde, mit veralteten Programmiersprachen und uralter Hardware, die nicht mehr von den Herstellern unterst├╝tzt werde.

Die Wartung der veralteten Technik w├╝rde hohen Kosten verursachen. Milliarden US-Dollar w├Ąren f├╝r fehlerhafte oder nicht wie erwartet funktionierende IT verschwendet worden, kritisiert der Bericht sinngem├Ą├č. Von den 80 Milliarden Dollar pro Jahr, die die US-Regierung f├╝r IT ausgibt, seien 75 Prozent daf├╝r gedacht bereits vorhandene Systeme am Laufen zu halten. Dieser Anteil stiege immer weiter. F├╝r 2017 sollen bereits 77 Prozent f├╝r den Unterhalt vorhandener Systeme verwendet werden. Somit blieben dem Bericht zufolge immer weniger Finanzmittel f├╝r die Entwicklung neuer, effektiverer Software ├╝brig.

Programmierer beherrschen diese Sprachen nicht mehr

Das Hauptproblem besteht aber darin, dass es immer schwieriger werde, f├╝r diese alten Systeme und Sprachen wie Fortran, Cobol oder das Assembler f├╝r solch alte Systeme noch Programmierer zu finden. Diese Programmierergeneration geht in Rente beziehungsweise stirbt aus. Nachwuchs gibt es keinen, heute lernt niemand mehr Cobol oder Fortran.

Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass viele Rechner des US-Milit├Ąrs zu alt f├╝r Windows 10 sind und auf diesen Maschinen oft noch Windows XP l├Ąuft. Vier Atom-U-Boote der britischen Marine wiederum sind mit Windows XP unterwegs. Und ein┬á Flughafen in Paris arbeitet sogar noch mit Windows 3.1. ┬á Kurioserweise konnte ┬á Windows 3.1 k├╝rzlich sogar an Verbreitung gewinnen. ┬á
 
 
 
 
 
 

Macwelt Marktplatz

2198939