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40 Kisten aufwärts

31.10.2004 | 16:00 Uhr | Peter Müller, Thomas Hartmann,

40 Kisten aufwärts

Müller: Meiners, das Vergnügen war ganz auf unserer Seite. Endlich mal etwas körperliche Arbeit, wobei es den Kollegen Mehl schon etwas geschmerzt hat, Ihr Moped nicht in einem waghalsigen Stunt die drei Stockwerke in Ihren Palast hochfahren zu dürfen. Sie sollten mal etwas für Ihren Rücken tun, denn jetzt werden Sie erstmal sitzen. Nein, nicht im Knast, sondern im Büro neben dem meinem. Das läuft zwar ungefähr aufs Gleiche hinaus, aber abends bekommen Sie immerhin zwei Stunden Ausgang, nebenan haben wir gleich ein Fitnessstudio, in dem Sie Ihre Rückenmuskulatur wieder ein wenig stärken können. Also, jammern Sie nicht, schließlich hatten Sie ja gerade einmal 40 Kisten zu schleppen und nur eine war voller Bücher. Pah! Als mein Nachbar das letzte Mal umgezogen ist, von Ramersdorf wieder zurück nach Aubing, haben wir seine Einzimmerbibliothek in eine Zweizimmerbibliothek samt Keller- und Speicherlager verwandelt. Meiners, das waren locker 60 Bücherkisten! Und dann noch der andere Krimskrams! Mit einem viel zu kleinem Laster am Karfreitag viermal durch die gesamte Stadt geschaukelt! Meiners, meine Bandscheibe zwickt schon, wenn ich nur daran denke! So, jetzt aber ran an die Arbeit, wir wollen doch noch das Geld verdienen, das uns an der Börse durch die Lappen gegangen war. Das ist ja fast so tragisch wie der schwarze Freitag vor 75 Jahren, ich darf gar nicht daran denken. Ach ja, wenn Ihr Lasse, der alte Schwede, keine Iren mag, ich wüsste jemanden, der mit U2-Gutschein etwas anfangen kann. Mein iPod fasst auch nur 20 GB hätte aber noch Platz für 400 Songs frei...

Meiners: Müller, was ist denn jetzt eigentlich mit dem iPod Photo? Wie lange muss denn ich dafür arbeiten, bis ich mir den leisten kann? Und ist das jetzt State of the Art, sein Foto-Album mit sich herumzutragen. Guck mal hier, das ist mein Häuschen im Grünen, mein Smart auf dem Parkplatz, mein Pony im Stall - braucht man das jetzt? Meine Kristallkugel hat ja vergangenes Wochenende gnadenlos versagt, als sie einen Speicherkartenleser vorhergesagt hat. Gut, ich habe also noch viel von Ihnen zu lernen - und darum bin ich ja auch nach München umgezogen. Als Preuße muss ich Ihnen aber sagen, die Stadt verwirrt mich: keine Radfahrer auf den Straßen, sondern schleichend auf dem Radweg, in den Unmengen von Autos sitzen nie mehr als je eine Person - und dann dieses Wetter. Müller, stehen diese stechenden Kopfschmerzen etwa mit dem Föhn in einem Kausalzusammenhang? Bleibt das jetzt so? Muss ich mich jetzt krankmelden? Ich fühle mich auch so unkreativ und fast so alt, wie Sie es sind.

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