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5-Watt-Ladegerät, kein Audio-Adapter, eSIM erst später: Unschöne Details der Keynote

14.09.2018 | 11:48 Uhr |

iPhone XS, iPhone XS Max, iPhone XR, Apple Watch Series 4: Die Stars der Keynote vom Mittwoch kennt man nun schon ganz gut. Interessant sind aber einige Details, die Apple eher so nebenbei erwähnte - oder gar nicht. Das hat Gründe.

Apples Special Event vom 12. September enthüllte die Apple Watch Series 4, iPhone XS (Max) und iPhone XR. Zusammen lieferten die Geräte viele interessante, neue Funktionen, auf die sich die Präsentation fokussierte: Das größere Apple Watch Display und seine Fähigkeit, ein EKG aufzunehmen, oder der schnelle neue A12-Prozessor und die verbesserte Kamera in den iPhones.

Aber es gibt immer wieder andere Details, die bei diesen Ereignissen entdeckt werden müssen. Sie hat Apple entweder en passant erwähnt und Sie werden das womöglich übersehen haben – oder die Informationen sind nur über die Datenblätter oder Pressemitteilungen zugänglich. Manchmal sind diese Details genauso interessant wie die Ankündigungen der Hauptaspekte.

Hier sind ein paar dieser kleinen Details, die wir seit Mittwoch entdeckt haben:

Keine Apple Watch Edition mehr

Erinnern Sie sich an die vollkeramische Apple Watch "Edition", die ab 1.350 Euro kostete? Apple hat diese offensichtlich aus dem Angebot gestrichen. Apple verkauft immer noch die Series 3, aber nicht mehr das Edition-Modell. Jetzt haben alle Apple-Uhren der Series 4 Keramikrückseiten, und die Seiten und Fronten der Gehäuse sind entweder aus Aluminium oder Edelstahl.

Teure Uhren gibt es bei Apple nach wie vor. Leider (noch) keine schnellen Autos …
Vergrößern Teure Uhren gibt es bei Apple nach wie vor. Leider (noch) keine schnellen Autos …

Keine Sorge: Wenn Sie wirklich eine besonders teure Apple Watch kaufen wollen, anstatt Ihre Miete diesen Monat zu bezahlen, können Sie ein Hermès-Modell erhalten – allesamt aus Edelstahl und mit GPS- und Mobilfunkverbindung, sowie einem schicken Lederarmband und einem individuellen Zifferblatt. Die Preise beginnen bei 1.299 Euro. Man  bezahlt im Grunde genommen etwa 600 Euro Aufpreis für ein zugegebenermaßen schönes Lederarmband und Uhrenzifferblatt.

Verbessertes drahtloses Laden des iPhone

Das iPhone 8, 8 Plus und X waren die ersten iPhones mit drahtloser Ladeoption. Sie unterstützten zunächst eine Leistung von nur 5 Watt, aber diese wurde mit einem Software-Update auf 7,5 Watt gesteigert.

Ihre Nachfolger könnten schneller zu neuer Energie kommen. Auf der letzten Folie mit den Spezifikationen während der Präsentation sehen wir die Worte "Verbesserte drahtlose Ladung". Verbessert wie? Ist es schneller? Bleibt es beim Laden kühler? Ist es zuverlässiger bei einem größeren Anschlussbereich?

Wie jetzt? Heißt besser einfach nur schneller, weil unter höherer Leistungsaufnahme?
Vergrößern Wie jetzt? Heißt besser einfach nur schneller, weil unter höherer Leistungsaufnahme?

Apple meint wahrscheinlich, dass das Laden schneller wird, obwohl wir noch nicht wissen, wie viel schneller. 10 Watt scheint der aktuelle "Fast Wireless Ladestandard" zu sein, obwohl die Qi-Spezifikation ein Potenzial von bis zu 15 Watt zulässt.

Da die Ladematte AirPower ein Jahr nach seiner ersten Ankündigung noch immer nicht herauskommt, wollte Apple wahrscheinlich einfach keine Aufmerksamkeit auf das drahtlose Laden lenken.

Ein Modem für alle US-Modelle

Seit Jahren gibt es zwei Varianten von iPhones: eine, die CDMA-Wireless-Netzwerke unterstützt (mit einem Qualcomm-Modem) und eine, die dies nicht tut (mit einem Intel-Modem). Im Einklang mit  vorherigen Gerüchten, scheint es nun so zu sein, dass Apple auf ein einziges Modem umgestellt hat. Das Modem selbst stammt wahrscheinlich von Intel (wahrscheinlich das Modell XMM 7560).

Bänder über Bänder - und kein Qualcomm-Modem mehr
Vergrößern Bänder über Bänder - und kein Qualcomm-Modem mehr

Auf Apples offizieller Specs-Seite sind noch zwei Varianten aufgelistet: Modell A1920 und Modell A1921. Das sind die iPhone XS und XS Max, und sie unterstützen alle die gleichen Modi und Bänder. Merkwürdigerweise unterstützt das iPhone XR alle gleichen Technologien und Bänder wie das iPhone XS mit einer Ausnahme: TD-LTE-Band 46. Seltsam!

Auf jeden Fall haben die Telefone alle eine weitaus bessere Mobilfunkfähigkeit als frühere iPhones. Oh, Sie werden feststellen, dass Band 71 enthalten ist: Das ist das neue 600-MHz-LTE-Band mit erweiterter Reichweite, das T-Mobile im vergangenen Jahr erworben hat und das sich schnell entwickelte. Dies ist das erste iPhone, das es unterstützt.

eSIM ist nicht von Anfang an verfügbar.

Apples Einsatz der internen softwarebasierten eSIM-Technologie zur Bereitstellung von Dual-SIM-Support ist eine ordentliche Ergänzung, wird aber nicht sofort verfügbar sein, wenn die neuen Telefone am 21. September in den Handel kommen.

Eine Fußnote auf der Apple Tech Specs Seite lautet: "eSIM wird noch in diesem Jahr durch ein Software-Update verfügbar sein." Wir haben jedoch noch keine Einschätzung, wann genau das der Fall sein wird.

NFC-Tags im Hintergrund auslesen

Auf dem iPhone 8 und X können Sie NFC-Tags lesen, indem Sie eine unterstützende App öffnen und Ihr Telefon dann an den Tag halten. Bestimmte "aktive" Tags, die aus eigener Kraft gesendet werden (wie die auf einigen Nahverkehrszahlungssystemen), können auch das iPhone ansprechen. Aber die neuen iPhone XS und XR unterstützen das Lesen von Hintergrund-Tags, so dass sie passive NFC-Tags lesen können, während das Telefon gesperrt ist.

Die Tags werden nicht automatisch ihren Zweck erfüllen (wie z.B. eine Telefonnummer anrufen oder zu einer URL führen). Vielmehr erhalten Sie ein Benachrichtigungs-Popup und müssen darauf tippen, um zu sehen, wofür das Tag da ist. Wenn Sie also Ihr gesperrtes iPhone XR an einen NFC-Tag halten, der eine Telefonnummer enthält, erhalten Sie eine Benachrichtigung und müssen darauf tippen und Ihr Handy entsperren, erst dann wird die Nummer an die Telefon-App weitergeleitet.

AppleCare+ mit Diebstahl und Verlust

Apple bietet jetzt eine neue höhere Stufe der Versicherung AppleCare+, zunächst aber nur in den USA. Die ursprüngliche AppleCare+ ist noch vorhanden, aber Sie können sich auch für eine teurere "AppleCare+ mit Diebstahl und Verlust" entscheiden. Das kostet 80 bis 100 US-Dollar mehr als der Standardplan, je nach Handy-Modell.

Bisher nur in den USA: iPhone bei Apple gegen Diebstahl versichern.
Vergrößern Bisher nur in den USA: iPhone bei Apple gegen Diebstahl versichern.

Die Bedingungen sind die gleichen wie im aktuellen "AppleCare+"-Plan, mit einem Selbstbehalt von 29 US-Dollar für einen beschädigten Bildschirm und 99 US-Dollar für andere Unfallschäden. Aber wenn das Handy verloren geht oder gestohlen wird, kann man es ersetzen lassen. Die Selbstbehalte auf diese Änderung hängen von Ihrem iPhone-Modell ab: 199 US-Dollar für iPhone 6 bis iPhone 8, 229 US-Dollar für eines der Plus-Größe Modelle oder das iPhone XR und 299 US-Dollar für das iPhone X, iPhone XS oder iPhone XS Max.

Immer noch das erbärmliche 5-Watt-Netzteil.

Apple liefert seit langem iPhones mit einem kleinen quadratischen 5-Watt-Netzteil aus. Obwohl die neuesten Handys USB-C-Schnellladung unterstützen und viel schneller aufladen, entweder mit einem USB-C-Netzteil oder dem 12-Watt-iPad-Netzteil, und obwohl andere Premium-Handyhersteller alle Schnellladegeräte in der Box zu haben scheinen, bleibt Apple immer noch beim 5-Watt-Ladegerät.

Fast schon unverschämt: Ladegerät mit 5 Watt. So was von 2008!
Vergrößern Fast schon unverschämt: Ladegerät mit 5 Watt. So was von 2008!

Wir haben es getestet: Die Rate ist mit anderen Ladegeräten weit besser. Ein 5-Watt-Ladegerät in die Box eines 1.000-Euro-Handy zu stecken, ist lächerlich. Apple sollte das besser machen.

Es gibt vermutlich keinen Kopfhöreradapter in der Box.

Während wir uns über Apples billiges Zubehör für seine unglaublich teuren Telefone beschweren, erlauben wir uns, auch noch darauf hinzuweisen, dass im Abschnitt "In the Box" der Apple-Website ein bestimmter Artikel fehlt, der die letzten beiden Jahre in den iPhone-Schachteln enthalten war: Der Lightning-zu-Audio-Adapter!

Da fehlt doch was? Immerhin gibt es immer mehr Lightning-Kopfhörer.
Vergrößern Da fehlt doch was? Immerhin gibt es immer mehr Lightning-Kopfhörer.

Sowohl auf der Seite mit den Spezifikationen für iPhone XS als auch für iPhone XR listet der Abschnitt "In the Box" alles auf, was Sie erwarten würden, außer dem Kopfhöreradapter. Man bekommt immer noch Lightning-Ohrstöpsel, aber wenn man seine eigenen Kopfhörer mit Klinkenstecker nutzen willst, muss man 9 Euro mehr für den Lightning-Audio-Adapter ausgeben.

Es kommt aber noch schlimmer! Der Adapter war früher auf den Produktseiten des iPhone 8 und iPhone 7 gelistet, ist aber auch von diesen Seiten verschwunden! Es scheint, dass keine neuen iPhones mehr mit dem Kopfhöreradapter ausgeliefert werden. Entweder das, oder Apple hat auffallend jede Erwähnung gelöscht, obwohl der Stecker immer noch in der Box was – das wäre ein beispielloser, neuer Vorgang.

Die Apple Watch S4 ist dünner, aber nicht wirklich dünner.

Unmittelbar nachdem Apples COO Jeff Williams das Auditorium im Steve-Jobs-Theater begeistert hatte, indem er zeigte, dass das Display der neuen Apple Watch mehr als 30 Prozent größer war, behauptete er: "Die Series 4 ist dünner, also ist tatsächlich das Gesamtvolumen geringer als bei der Series 3". In Höhe (44 zu 42,5 mm) und Breite (38 zu 36,4 mm) ist die Series 4 gegenüber dem Vorjahresmodell ein wenig gewachsen.

Das mit dem geringeren Volumen stimmt zwar, ist aber auch ein wenig irreführend. Series 3 wie auch die Series 2 vor ihr sind etwas dicker als die ursprüngliche Apple Watch. Es ging von 10,5 mm Dicke auf eine von 11,4 mm. Die Series 4  ist dann wieder auf 10,7 mm heruntergegangen, also fast (aber nicht ganz) bis zur Dicke der ersten Apple Watch.

Weitere Verbesserungen der Apple Watch Serie 4

Ein genauer Blick auf das Datenblatt der Series 4 zeigt einige weitere Verbesserungen. Das OLED-Display hat noch eine maximale Helligkeit von 1.000 nits, verwendet aber jetzt die LTPO-Technologie (Low-Temperature Polyrystalline Oxide). Im Wesentlichen reduziert dies den Stromverbrauch des Displays um 5 bis 15 Prozent. Die Series 4, die über einen neuen W3-Funkchip verfügt, unterstützt auch Bluetooth 5.0, während die Serie 3 mit dem W2-Chip nur Bluetooth 4.2 beherrscht.

Keine Sprint eSIM-Unterstützung

Apple unterstützt die Dual-SIM-Dual-Standby-Technologie in den iPhone XS und iPhone XR durch die Verwendung des üblichen Nano-SIM zusammen mit einem softwarebasierten eSIM. Es ist eines dieser Dinge, von denen einige Benutzer seit Jahren hoffen, dass Apple sie implementieren würde. Tatsächlich ist es ein echtes Verkaufsargument für einige Android-Nutzer.

Da fehlt doch was, Teil 2. Auch in Deutschland fehlen Provider für die eSIM.
Vergrößern Da fehlt doch was, Teil 2. Auch in Deutschland fehlen Provider für die eSIM.

Während seiner Präsentation stellte Apple die Carrier vor, die mit der eSIM-Technologie arbeiten werden (die eine spezielle Carrier-Unterstützung erfordert). US-Kunden haben dabei bestimmt bemerkt, dass ein wichtiger Provider fehlt.

Genau, Sprint steht nicht auf der Liste. Vielleicht wird es in den kommenden Monaten so kommen, wie Apple sagt, dass es mit den Carriern zusammenarbeitet, um diese Liste zu erweitern.

iPhone X Gehäuse sollten mit dem iPhone XS funktionieren.

Apple hat nicht so viele Worte darüber fallen lassen, aber die physischen Abmessungen der iPhone XS sind genau die gleichen wie beim iPhone X, und es scheint nicht, dass sich irgendwelche Tasten oder Logos bewegt haben.

Das bedeutet, dass alle vorhandenen iPhone-X-Fälle gut mit den iPhone XS funktionieren sollten, so dass es nicht notwendig ist, etwas zu kaufen, das besagt, dass es speziell für die XS entwickelt wurde, besonders wenn es mehr kostet. Natürlich haben das iPhone XS Max und das iPhone XR ganz unterschiedliche Größen, so dass sie beide neue Taschen benötigen.

Etwas kürzere Akkulaufzeit des iPhone XS?

Wenn man sich die alte iPhone-X-Spezifikationen-Seite ansiehst, wird man folgende Angaben zur Akkulaufzeit bemerken:

- Gesprächszeit (drahtlos): Bis zu 21 Stunden

- Internetnutzung: Bis zu 12 Stunden

- Videowiedergabe (drahtlos): Bis zu 13 Stunden

- Audiowiedergabe (drahtlos): Bis zu 60 Stunden

Auf der Seite mit den Spezifikationen für das iPhone XS steht nun, dass es "bis zu 30 Minuten länger hält als das iPhone X", aber dann sind die folgenden Spezifikationen auflistet:

- Gesprächszeit (drahtlos): Bis zu 20 Stunden

- Internetnutzung: Bis zu 12 Stunden

- Videowiedergabe (drahtlos): Bis zu 14 Stunden

- Audiowiedergabe (drahtlos): Bis zu 60 Stunden

Das ist eine Stunde mehr Videowiedergabezeit, aber eine Stunde weniger Gesprächszeit. Wir müssen nur warten, bis wir die Akkulaufzeit selbst testen, aber bis dahin nehmen Sie Apples Anspruch auf eine längere Akkulaufzeit im iPhone XS mit einer Prise Skepsis wahr. Das iPhone XS Max hält mit seinem viel größeren Akku bedeutend länger durch, laut der Angaben von Apple.

Kein 3D-Touch für das iPhone XR

Das stimmt leider und wir können es uns auch nicht erklären, was Apple damit bezweckt, außer ein Distinktionsmerkmal zu den noch teureren XS zu schaffen. Technisch gibt es dafür an sich keinen Grund.

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