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Handy-Notrufe mit exakten Standortdaten: Erste Bilanz zu AML

10.02.2021 | 15:15 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland/O2 unterstützen das Notrufsystem AML. Der aktuelle Stand bei diesem Lebensretter.

Update 10.2.2021: Am 10. Oktober 2019 startete der Notruf AML (Advanced Mobile Location) in Deutschland. Zunächst konnten nur Android-Smartphone-Besitzer diese neue Notruftechnik nutzen, iPhones folgten erst Mitte Dezember 2019. Vodafone, das ebenso wie Deutsche Telekom und Telefónica Deutschland/O2 von Anfang an bei AML mit dabei war, zieht nun Bilanz.

Demnach können jetzt bei 95 Prozent der Bevölkerung über AML die Standortdaten bei einem Notruf abgerufen werden. Fast alle deutschen Leitstellen können bei einem Notruf an die 112 automatisch erkennen, an welcher Stelle der Notruf abgesetzt wird. Laut Vodafone werden mittlerweile bei rund 70 Prozent aller Notrufe in Deutschland dank AML die Standortdaten automatisch übermittelt. Die dazu erforderlichen Daten werden über zwei unabhängig laufende Server in Berlin und Freiburg gesendet. Eine Stunde nach dem Notrufeingang würden alle Daten wieder gelöscht.

AML sorgt dafür, dass Anrufer beim Notruf 112 ihren Standort nicht mehr zwingend nennen müssen, wenn diese den Notruf per Smartphone absetzen. Denn dank Notruf AML werden bei einem eingehenden Handy-Notruf die Standortdaten des Anrufers über das Mobilfunknetz automatisch an die entsprechende Rettungsleitstelle weitergegeben, innerhalb weniger Sekunden erfasst und auf einer Karte in der Leitstelle dargestellt, wie Vodafone das Konzept noch einmal zusammenfasst. So sollen die Retter den Standort des Anrufers auf wenige Meter hin tracken und diesen finden können, auch wenn der Anrufer selbst nicht weiß, wo er sich befindet. Notärzte und Rettungssanitäter sollen so den genauen Unglücksort schneller erreichen als zuvor. Update Ende

Beginn der ursprünglichen Meldung vom 17.2.2020: Vodafone hat einige Beispiele genannt, in denen dank Advanced Mobile Location (AML) die genauen Positionsdaten einer Person, die vom Smartphone aus den Notruf 112 gewählt hat, automatisch an die Rettungsleitstelle übertragen wurden.

So verletzte sich laut Vodafone im Kreis Heinsberg ein Teenager bei einem Mountainbike-Unfall im Wald. Dessen Begleitung konnte die Umgebung nicht detailliert beschreiben. Dank AML waren die Retter trotzdem schnell am Unglücksort. Ein Waldarbeiter, der sich in der Region Ost-Württemberg schwer mit einer Motorsäge verwundete, konnte umgehend gefunden werden, weil seine Standortdaten automatisch an die Leitstelle gesendet wurden, wie Vodafone berichtet. In einem anderen Fall retteten Rettungskräfte mit AML einen Mann, der bewusstlos wurde, während er den Notruf absetzte. Ein Kind in der Region Aalen wiederum wählte die „112“, weil es seine Mutter bewusstlos fand, jedoch nicht die genaue Adresse wusste. Dank AML konnte der Standort schnell ermittelt werden. Und auch einem Anrufer aus einem Pflegeheim in Berlin konnten Rettungskräfte schnell zur Hilfe kommen, obwohl er am Telefon eine falsche Adresse nannte.

Die Mobilfunknetze von Vodafone, Telefónica Deutschland und Deutscher Telekom unterstützen das Notrufsystem AML (Advanced Mobile Location) auf Android-Smartphones seit dem 10. Oktober 2019. Seit Mitte Dezember 2019 funktioniert AML in Deutschland auch auf iPhones, sofern iOS 13.3 installiert ist. Der große Vorteil von Advanced Mobile Location laut O2: „Bei AML übermittelt das Smartphone im Zuge der Kontaktaufnahme über die Notrufnummer 112 den genauen Standort des Anrufers automatisch und bis auf wenige Meter genau an die Rettungsleitstelle. AML-Daten basieren auf exakten GPS-Koordinaten und sind damit weitaus genauer als die bisherige grobe Ortung über Funkzellen. Die Rettungsdienste können damit die Position von Hilfesuchenden exakt bestimmen und damit noch schneller an den Einsatzort gelangen.“

Die Standortübermittlung via AML ist besonders in ländlichen Gegenden, im Wald oder an abgelegenen Orten von Vorteil, wo sich ein Anrufer oft schwer tut, die eigene Position exakt zu beschreiben. Außerdem hilft AML natürlich immer dann, wenn der Anrufer ortsfremd ist und überhaupt nicht weiß, wo er sich genau befindet.

Telefónica Deutschland beschreibt die Hintergründe so: „In Zusammenarbeit mit den Rettungsleitstellen und den deutschen Netzbetreibern wurde das System im September 2019 bundesweit gestartet. Auf Seiten der Behörden betreiben die Integrierte Leitstelle Freiburg-Breisgau Hochschwarzwald sowie die Berliner Feuerwehr den zentralen AML-Endpunkt. Der AML-Service wird nun sukzessive in allen rund 250 deutschen Rettungsleitstellen implementiert, die den Notruf 112 entgegennehmen.“

Das AML-System benötigt keine eigene App, sondern ist in die Betriebssysteme Google Android und Apple iOS direkt integriert. Kunden müssen also keine Anwendung installieren oder anderweitig aktiv werden. Sobald sie die Notrufnummer 112 wählen, wird der Standortdienst (GPS) im Smartphone automatisch aktiviert und die genaue Position kostenlos direkt an die zuständige Leitstelle übermittelt.

Technische Voraussetzung: Android Emergency Location Service (ELS), Googles Ausführung von AML, wird von allen Smartphones mit Android 4.0 und höher unterstützt, sofern die Google Play Services installiert sind. Bei iPhones ist iOS 13.3 Mindestvoraussetzung.
Datenschutz: Google habe AML so entwickelt, dass Standortdaten nur übermittelt werden, wenn der Smartphone-Nutzer die Notrufnummer 112 wählt. Die Daten werden nur eine Stunde lang im zentralen AML-Endpunkt gespeichert und danach gelöscht. Dann stehen sie nur noch der zuständigen Leitstelle zur Verfügung. 

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