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AR-Brille: Wie Apple den Homepod-Flop vermeiden kann

03.02.2022 | 11:09 Uhr |

Apple bereitet seine eigene AR-Brille vor. Doch wird sie ein Erfolg wie die Apple Watch? Oder ein Flop wie der große Homepod?

Am vergangenen Wochenende saß ich mit drei Freunden an einem Tisch und verbrachte eine Stunde damit, Witze zu reißen, ein bisschen zu plaudern und ein bisschen Poker zu spielen. Ich selbst bin in der Bay Area, doch die anderen waren in San Diego, North Carolina und Kanada. Wir haben VR-Poker gespielt, was (wie ich erfahren habe) bedeutet, dass wir im Metaversum unterwegs waren.

Apple spricht zwar nicht von Metaversum, allerdings hat das Unternehmen Berichten zufolge viel Geld in Forschung und Entwicklung investiert, um eine neue Produktlinie auf den Markt zu bringen, die sich mit einem "Interessensgebiet" überschneidet, von dem Tim Cook schon seit 2017 spricht.  Das Unternehmen hat sich mindestens seit 2015 auf diesen Moment vorbereitet, und in diesem Jahr könnten wir endlich das erste VR-Produkt von Apple sehen. Aber wird es die nächste Apple Watch sein – oder der nächste Homepod?

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Es ist kein Wunder, dass Tim Cook bereits 2017 begann, AR und VR zu propagieren, als er sagte: "Ich glaube, dass AR groß und tiefgreifend ist, dies ist eine dieser großen Technologien, auf die wir zurückblicken und uns darüber wundern werden, wie alles angefangen hat". Das war das Jahr, in dem Apple ARKit vorstellte , eine neue Technologie (die Apple immer weiter ausgebaut hat), die dem iPhone und dem iPad Augmented-Reality-Funktionen hinzufügte und diese Konzepte allen vorstellte, die Apps für den App Store entwickeln.

Schon damals gab es Gerüchte, dass Apple in Zukunft große Pläne für AR und VR hat. Aber das braucht seine Zeit, und es wird wahrscheinlich mehr als fünf Jahre nach der Einführung der ersten Version von ARKit dauern, bis Apple ein spezielles Gerät für AR oder VR ausliefert. Aber sehen Sie es doch einmal so: Apples Tools für Entwickler zur Bereitstellung von AR- und VR-Erlebnissen sind fünf Jahre nach der Auslieferung verfeinert, und App-Entwickler hatten viel Zeit zum Experimentieren.

Apples potenzielle Konkurrenten im AR/VR-Bereich, insbesondere Meta, sind schon seit einiger Zeit auf diesem Gebiet tätig. Wie kann Apple in einen neuen Markt eintreten und sofort konkurrieren? Indem es sich die Masse der Entwickler zunutze macht, die bereits wissen, wie man iPhone-Apps erstellt. ARKit und andere grundlegende Apple-Technologien wie Metal haben dazu beigetragen, coole iPhone-Spiele-Demos zu entwickeln. Apple kann sie demnächst bitten, damit eine neue AR/VR-Version in den App Store zu bringen.

ARkit
Vergrößern ARkit
© Apple

Manchmal lassen sich Apples langfristige Strategien nicht unbedingt am besten anhand eines Entwicklungsplanes erkennen, sondern indem man sich die scheinbar zusammenhanglosen Einführungen von Funktionen ansieht und feststellt, dass sie auf etwas Größeres hindeuten könnten.

Es ist keine Überraschung, dass ARKit den Weg zu einem zukünftigen Apple-Headset weist. Aber was ist mit Memoji? Sicher, die animierten, anpassbaren und personalisierten Emojis von Apple waren für iMessage-Sticker prädestiniert. Aber Apple verwandelt sie langsam in Ihren offiziellen Avatar für Apple-Dienste. Sie können den Nutzer in iMessage, eigenem iCloud-Konto und sogar auf dem Anmeldebildschirm des Macs repräsentieren. Sie können animierte Aktionen ausführen, Sie können sie ankleiden, frisieren, schminken und ausstatten, wie Sie mögen. 

Während unseres VR-Pokerspiels musste mein Freund beschämt feststellen, dass er seinen Avatar für ein Poker-Event nicht richtig angezogen hatte. Währenddessen trug mein Avatar ein schwarzes, langärmeliges Hemd – und ich zufälligerweise auch. Ich will damit sagen, dass man durch einen Avatar repräsentiert werden muss, um mit anderen Menschen in VR zu interagieren. Apple hat Jahre damit verbracht, dieses System zu entwickeln – und uns beizubringen, wie man es benutzt.

Es gibt noch mehr, von LiDAR-Scannern über Neural-Engine-Innovationen bis hin zu der einfachen Tatsache, dass die Optimierung für große Leistung bei geringem Energiebedarf nicht nur bei Smartphones, sondern auch bei Hardware für den Kopf oder für die Augen funktioniert. Apple hat schon lange darauf hingearbeitet.

Das Homepod-Problem

Wenn man den Berichten von Mark Gurman von Bloomberg glaubt – und Gurmans Quellen sind im Allgemeinen recht gut – wird Apples erstes VR-Produkt... etwas teuer sein . Das Oculus Quest 2 beginnt bei 300 Dollar, Apples Headset soll Gerüchten zufolge im Bereich von 2.000 US-Dollar liegen. Selbst für Apple ist das ein hoher Aufpreis! Es stimmt zwar, dass bei der Quest eine ältere Technologie verbaut ist und dass Meta Gerüchten zufolge an einem viel besseren Headset arbeitet. Aber trotzdem. 2.000 US-Dollar?

Ich bin immer noch nicht ganz davon überzeugt, dass das erste VR-Produkt von Apple wirklich für die breite Masse gedacht ist. Eine Möglichkeit, dies zu gewährleisten, wäre ein Preis, der für alle außer den hart gesottenen Fans unerschwinglich ist und es Apple ermöglicht, es eher wie ein Entwickler-Kit und ein Experiment zu behandeln als ein echtes Verbraucherprodukt. Das ist kein sehr Apple-typischer Schritt, aber es ist möglich.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass tatsächlich eine Apple-Brille in Entwicklung ist. Mit zwei 8K-OLED-Bildschirmen und einer Rechenleistung, die dem M1 Max-Prozessor des Macbooks Pro entspricht, könnte das Apple-Headset ein unvergleichliches Gefühl von Realität in einer virtuellen Welt vermitteln.

Aber was, wenn den Kunden die Qualität nicht wichtig genug ist, um über den Preis hinwegzusehen? Das war das Problem mit dem ursprünglichen Homepod. Apple kam zu spät auf den Markt für intelligente Lautsprecher und beschloss daher, die Konkurrenz mit hoher Qualität zu einem hohen Preis auszustechen. Die Konkurrenz hat schließlich reagiert – Amazon und Google verkaufen jetzt hochwertige, hochpreisige Versionen ihrer intelligenten Lautsprecher –, aber Apple hat den Kern des Marktes völlig verfehlt, der ganz froh war, 99 Euro für einen minderwertigen Lautsprecher auszugeben, anstatt 329 Euro für einen besseren. Daran konnte nicht einmal die Macht der Marke Apple etwas ändern.

Wenn Apple ein hochwertiges, hochmodernes VR-Gerät auf den Markt bringt und es als für Entwickler und "Neugierige" verkauft, bevor 2023 eine erschwinglichere Version auf den Markt kommt, können wir alle aufatmen. Wenn das Unternehmen angesichts der billigeren Konkurrenz ein kompromissloses Headset für 2.000 USD auf den Markt bringt, riskiert es, sich selbst ein Loch zu schaufeln, aus dem man nur mit viel Mühe wieder herauskommt.

Was wird diese Brille können?

Das führt uns unweigerlich zur letzten Frage: Was wird die Apple Brille (oder wie auch immer das Produkt heißen mag) tatsächlich können?

Spiele sind offensichtlich und notwendig. Apple wird iOS-Entwickler dazu ermutigen, neue Versionen ihrer Spiele sowie völlig neue Spiele zu entwickeln, die VR unterstützen. Ich kann mir vorstellen, dass Apple das Headset auch mit hochwertigen Kameras ausstatten wird, die einen "durchsichtigen" AR-Modus ermöglichen, der dem ähnelt, was man derzeit hinter einem iPhone-Bildschirm erleben kann, der aber weitaus immersiver ist.

3D-Fernseher mögen zwar ein Flop gewesen sein, aber Hollywood macht immer noch 3D-Filme, und ich erwarte, dass Apple das Ansehen von Filmen und den Besuch von Konzerten über VR unterstützen wird. Ich habe mir ein paar Filme in VR auf meinem Oculus Quest 2 angesehen, und obwohl die Qualität nicht besonders gut ist – die Displays der Quest sind ziemlich niedrig aufgelöst –, ist es doch ein überraschend gutes Erlebnis. Mit Shareplay, Unterstützung für die TV-App und 3D-Veröffentlichungen von neuen Apple TV+ Sendungen und Filmen eröffnet sich eine neue Möglichkeit, Unterhaltung mit Freunden zu erleben.

Und dann ist da noch Facetime. Ja, niemand will einen mit einem Headset sehen, aber Apple kann die Memoji und einige Gesichtserkennungssensoren nutzen, um einen virtuellen Raum für Gruppenanrufe zu schaffen, bei dem einige Personen über VR und andere über die normale Kamera teilnehmen.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Ich würde jeden, der diesen Artikel liest, auffordern, auf jede neue Software- und Hardwarefunktion zu achten, die Apple im Jahr 2022 einführt, und sich zu fragen: "Was sind die AR/VR-Implikationen dieser Funktion?"

Apple bereitet sich schon seit Jahren darauf vor. Und obwohl das erste VR-Gerät von Apple im Vergleich zum zweiten, dritten und vierten Gerät teuer und leistungsschwach erscheinen wird, wird es doch der Höhepunkt von mindestens fünf Jahren Entwicklung sein. Ich muss zugeben, ich bin gespannt auf Apples Vision für virtuelle Welten – und ich hoffe, dass irgendwo darin Platz für ein freundliches Pokerspiel unter Memojis ist

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unserer Schwesterpublikation " Macworld ".

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