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Adobe warnt Aktionäre

29.04.2010 | 15:31 Uhr |

Adobe warnt Aktionäre

Da der Hickhack um Flash und Apples Mobilgeräten auch den Aktionären nicht verborgen blieb, benannte Adobe in seinem letzten Quartalsbericht an die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission Apples negative Einstellung zu Flash als Risiko für Adobes Geschäft. "(Apples iPhone und iPad) machen das Abschneiden unserer Produkte schwieriger; unsere Kunden werden überredet, alternative Technologien zu nutzen; unser Geschäft wird beeinträchtigt." Mit "alternative Technologien" könnte Adobe dabei auch den kommenden Web-Standard HTML5 gemeint haben, denn in einem folgenden Abschnitt des Quartalsberichts geht Adobe weiter darauf ein. "HTML5 wird neue Funktionen haben, die mit einigen Funktionen von Flash Player wie der Fähigkeit, Videos nativ innerhalb des Browsers abzuspielen, konkurrieren."

Adobe sieht sich zurecht also unter Druck - nicht nur von Apple - und den Wert der Flash-Technologie gefährdet. In die Übernahme von Macromedia, dem Flash-Erfinder, hatte Adobe 2005 3,4 Milliarden Dollar aufgewendet, eine Investition, die sich noch nicht ausgezahlt hat. Apple spielt dabei eine wichtige Rolle, denn mit Flash-Technologie aus der Apple-(Mobil)Welt ausgeschlossen zu sein, betrifft auch die Anwender der Creative Suite. Während Apples Desktop-Betriebssystem bei fünf Prozent Marktanteil liegt und Windows dominiert, stehen die Anwender der Creative-Suite-Programme etwa fifty/fifty in beiden Betriebssystemlagern, und die sollen schließlich dafür sorgen, dass Inhalte per Flash in das Web, auf Mobilgeräte und Desktop-Rechner transportiert werden.

Bei Adobe liegen die Nerven blank

Adobes Chefpromoter für Flash findet auf seiner Website TheFlashBlog.com nur noch vulgäre Ausdrücke für Apples Verhalten.
Vergrößern Adobes Chefpromoter für Flash findet auf seiner Website TheFlashBlog.com nur noch vulgäre Ausdrücke für Apples Verhalten.

Sich nun seinerseits brüskiert von Apple zu verabschieden, ist jedoch kaum eine Option. Dies würde auch den kommerziellen Erfolg von eigenen Programmen wie Photoshop und Indesign gefährden. Doch nach Bekanntwerden der geänderten Lizenzbestimmungen für iPhone-Entwickler liegen die Nerven bei einigen Adobe-Managern nun blank. Shantanu Narayen, CEO von Adobe, hält sich in seiner Wortwahl noch zurück ("das schmerzt Kunden,..."), doch Lee Brimelow, Adobes Chefpromoter für Flash, Flex und Air bezichtigt Apple in seinem semiprivaten Blog, "tyrannische Kontrolle" über Entwickler ausüben zu wollen und sie als Schachfiguren in einem Kreuzzug gegen Adobe einzusetzen. Seinen Blog-Artikel beendet er mit "Go screw yourself Apple" (einen Vulgärausdruck, den wir nicht übersetzen).

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