2468189

Advent 2019 – Türchen 1: iTunes

01.12.2019 | 00:01 Uhr | Peter Müller

iTunes: Von der Jukebox zur überladenen Mediensoftware und zum unvermeidlichen Auseinanderbrechen.

Software kann ein Verfallsdatum haben. Aber noch mehr als Hardware, die irgendwann nicht mehr produziert wird, bald darauf aus dem Handel kommt und irgendwann ausrangiert auf dem Wertstoffhof landet, ist das Ende von Programmen schwerer definierbar. Zumindest schwerer als der Anfang.

So ist es in Sachen iTunes eindeutig der 9. Januar 2001, den das Programm als Geburtsstunde feiern durfte. Aber wann ist das Ende gesetzt? Mit dem 3. Juni 2019, als Apple auf der WWDC mit macOS 10.15 Catalina sein erstes Betriebssystem der iÄra zeigte, das ohne iTunes auskommt, dafür mit jeder Menge an Nachfolgelösungen? Mit dem 7. Oktober 2019, als Apple die finale Version von Catalina veröffentlichte? Oder überhaupt nicht? Schließlich läuft iTunes unter Windows weiterhin und wann der letzte Mac auf Catalina oder einen der vielen Nachfolger aktualisiert sein wird, ist völlig offen.

Nicht tot, sondern erneuert

Es war ja nicht so, dass man das Ende von iTunes nicht hat kommen sehen. Und womöglich ist iTunes gar nicht tot, sondern einfach wieder zu seinen Ursprüngen zurück gekommen. Denn im Januar 2001 war iTunes nichts weiter als eine Software für die Verwaltung und den Import von Musik auf den Computer. „Rip. Mix. Burn.“ lautete Apples Ansatz für die von Cassady & Green übernommene Software SoundJam. In Zeiten, in denen die Leute ihre Musik immer mehr vom Computer hören wollten und nicht mehr allein von der Stereoanlage, war nicht nur ein Abspielprogramm gesucht, sondern auch eines, das dutzende oder hunderte CDs importieren verwalten konnte, mit denen man eigene Kompilationen zusammenstellen und auf CD brannte. Denn im Januar 2001 lernten überhaupt erst die Macs das Brennen, iTunes war eine der Möglichkeiten, einen Rohling zu beschreiben.

Welches Potenzial aber darin steckte, mehrere 1000 Songs auf die Festplatte zu kopieren, zeigte dann im Oktober 2001 der iPod, auf den man immerhin 1000 Songs in die Hosentasche stecken konnte – wenn man ihn denn mit iTunes synchronisierte. Der iPod der zweiten Generation mit USB statt Firewire war dann auch der Grund dafür, dass Apple iTunes für Windows veröffentlichte, wo es heute noch seinen Dienst verrichtet.

Musik in Verkauf - und dann Filme und Apps

Im Jahr 2003 integrierte Apple den iTunes Music Store in die Software, als legale Antwort auf die illegalen Tauschbörsen. Web-Radiostationen waren schon länger integriert, aber Mitte der Nullerjahre kamen noch Podcasts hinzu und auch einfache Spiele für den iPod. Als dieser dann Videos abzuspielen lernte, konnte man sich bei Apple via iTunes Store – das Music war mittlerweile gestrichen – auch Filme kaufen oder leihen. Da der iPod ohnehin schon Daten mit dem Rechner abglich, war es auch logisch, dass das iPhone das ebenso erledigen sollte. Neben Musik, Filmen und Podcasts nun auch Adressen und Fotos, ab Juli 2008 dann sogar Apps, die man über den in iTunes integrierten App Store erwarb. Natürlich kümmerte sich iTunes auch um die Backups des iPhones und später des iPads, bevor iOS 5 erschienen war, musste man die Mobilgeräte überhaupt erst über iTunes in Betrieb nehmen. Ach ja: Klingeltöne verkaufte Apple auch noch eine ganze Weile lang.

Musik sollte man irgendwann im Stream beziehen, also kam Apple Music im Jahr 2015 noch dazu. Mit einem Wort: iTunes war verdammt unübersichtlich geworden, der Wunsch nach Aufsplitterung wurde immer stärker.

Die Lösung kommt vom Problemverursacher

Ausgerechnet das iPhone, das wesentlich zur Unordnung beigetragen hatte, zeigte doch schon länger die Lösung auf. Hier eine App für Musik, da eine für Apps, dort der Store für Filme, eine noch recht junge TV-App und eine eigene für Podcasts.

Noch in der iTunes-Ära zog Apple die Notbremse, in Version 12.7 fiel die App-Verwaltung weg. Weiterhin kann man Backups von iPhone oder iPad über iTunes speichern, aber nicht mehr die App-Symbole auf den vielen Home-Bildschirmen bequem am Computer organisieren. Das war aber nur der erste Schritt. Wer Catalina installiert hat, der bekommt nun Musik, TV und Podcasts in unterschiedlichen Apps, Backups der Mobilgeräte verwaltet der Finder. Musik ist auch sehr stark auf Apple Music konzentriert, klar kann man weiter auch noch Downloads kaufen, aber den iTunes Store sieht man erst in der neuen Musik-App, wenn man ihn via der Einstellungen einblenden lässt. Abonnenten von Apple Music brauchen den Store aber nicht mehr.

So schließt sich gewissermaßen ein Kreis, iTunes heißt jetzt Musik und ist auf seinen Kern reduziert. Wer Unordnung will, soll sich halt Windows installieren, das gilt aber auch für andere Aspekte.

Wir beginnen unser Quiz wie jedes Jahr mit einer einfachen Frage, deren Antwort gewissermaßen in der Luft liegt – schwer wird es wie jedes Jahr an anderen Tagen wieder werden.

Aber hätte iTunes ja beinahe nicht iTunes geheißen, die Entscheidung muss erst recht kurzfristig gefallen sein. Am 9. Januar 2001 war Steve Jobs bei der Präsentation noch einmal ein anderer Name herausgerutscht, nämlich?

1.) iJam

2.) iSound

3.) iMusic

Zu gewinnen gibt es heute:

Actioncam Insta360 Go

Aus dem Macwelt-Test der gerade einmal 18 Gramm leichten Mini-Actioncam: Insta360 hat uns in der Vergangenheit mit ihren Action-Cams oft überzeugen können. Die Go macht auch einiges anders und setzt sich von anderen Action-Cams vor allem durch ihre Kompaktheit ab. Klasse sind die ganzen Halterungen, die mitgeliefert werden. Dadurch lässt sich die Go immer und überall nutzen, auch für ungewöhnliche Perspektiven, die mit größeren Kameras schwieriger umzusetzen wären.

Insta360 Go
Vergrößern Insta360 Go
© Insta360

Macwelt Marktplatz

2468189