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Advent 2019 – Türchen 15: Karten

15.12.2019 | 00:01 Uhr | Peter Müller

Apples Karten sind mittlerweile aus dem Gröbsten raus, doch am Anfang hatten sie recht für Verwirrung gesorgt.

Alles ganz neu – das gilt auch für die Software, in der es in der heutigen Kalendergeschichte dreht. Auch hier spielt iOS eine Rolle, nur eine andere als bei den letzten drei Folgen. Denn auch wenn Karten heute auf Mac, iPhone und iPad laufen, hat es die Anwendung nicht zuerst auf dem Mac gegeben, sondern exklusiv auf dem iPhone – und natürlich dem iPad und dem iPod Touch, wenn auch mit weniger Nutzern.

Aber wenn man ein Mobiltelefon mit großem Touchbildschirm und als bahnbrechendes Internetgerät konzipiert, fallen einem nach den üblichen Telefonanwendungen sofort ein paar Apps ein, die da unbedingt drauf müssen. Eine Kartenanwendung lag da für ein Gerät, das praktisch immer online sein konnte und stets wusste, wo es war, mehr als nahe.

Antwort auf die Frage von gestern:

Wir hatten sie in einer früheren Folge des Adventskalenders bereits erwähnt, mitlesen lohnt also immer. Im Jahr 2002 kaufte Apple den Hersteller von Emagic Logic, aber auch die beiden anderen Antwortoptionen waren hiesige Gründungen. Metaio aus München hatte sich auf AR spezialisiert und das Brandenburger Unternehmen Sensor Motoric Instruments (SMI) ebenso, speziell auf Eye-Tracking-Technologie.

Das erste iPhone konnte zwar noch kein GPS, weil Apple fürchtete, der Chip würde zu viel Strom verbrauchen. Mittels Triangulation von Mobilfunkmasten und WLANs konnte aber schon das Gerät von 2007 einigermaßen präzise seinen Ort bestimmen. Und auf dem Markt gab es bereits eine gut funktionierende Anwendung: Google Maps.

Seinerzeit war Google-Chef Eric Schmidt im Aufsichtsrat Apples, Google war auch das einzige Unternehmen, das neben Apple schon auf das erste iPhone native Apps bringen durfte: Neben Maps war das noch Youtube.

Leider gefiel Eric Schmidt das iPhone zu gut, nach der Übernahme des Herstellers Android setzte das Suchmaschinenunternehmen seine eigenen Mobilfunkpläne um – eine sklavische Kopie des iPhones sei das, schimpfte Jobs. Eric Schmidt verließ Apples Aufsichtsrat, Interessenkonflikte können kaum offensichtlicher zutage treten.

Was tun? Sich so weit wie möglich unabhängig von Google machen, natürlich. In iOS 6 – Jobs war mittlerweile verstorben, aber die Maßnahme war noch in seinem Sinn – fehlte die YouTube-App und auch die Kartenanwendung. Beides konnte man noch im Browser nutzen, allzu lange hat es auch nicht gedauert, bis Google unabhängige Lösungen in den App Store bringen konnte.

Für YouTube hat Apple keine Alternative und keinen Bedarf, wohl aber für Maps. Was Apple da aber im Jahr 2012 mit iOS 6 vorstellte, sah zwar schick aus, war aber – gelinde gesagt – eine Katastrophe. Dabei sind nicht einmal die offensichtlichen Fehler wie seltsam gerenderte Gebäude in den Straßenansichten das Problem, sondern funktionale Fehler. Abenteuerliche Routen, seltsame Ortsfindungen, ÖPNV-Infos nur für Berlin und gar keine für Radfahrer – das auch noch 2019. So hatten wir vor einiger Zeit bei einer Recherche in Apple Maps (seit 2013 mit Mavericks auch auf dem Mac) kurz gestutzt, als wir die Abbey Road im Londoner Osten fanden. Lange noch führte uns die Route in Maps zu unserem liebsten Urlaubsort in Dalmatien nicht an den lauschigen Küstenort, sondern auf einen gut 1500 Meter hohen Gipfel im bergigen Hinterland.

Aber da kennen wir uns ja aus! Schlimm sind die Fehler auf unbekanntem Terrain, etwa einem – zugegeben recht unübersichtlichen – Campus in der Nähe Münchens: Ziel angeblich erreicht, obwohl wir etliche hundert Meter davon entfernt waren.

Keine Frage, Apple hatte vor sieben Jahren einen Rückstand von damals sieben Jahren auf Googles Services und die Karten-Anwendung hat seither gewaltige Fortschritte gemacht. So schickt auch Apple längst Kamerafahrzeuge zur Vermessung der Welt herum und anders als bei Google oder anderen Kartenanbietern können wir vertrauen, dass unsere Aufenthaltsorte und Routen nicht für ein persönliches Profil gespeichert werden. Dennoch scheint der Rückstand heute immer noch der gleiche sein. Was nützen Apples hohe Datensicherheitsstandards, wenn wir doch wieder zu Google Maps oder spezialisierten Wander- und Biking-Apps greifen müssen?


Die heutige Frage: Apple hat 2012 in Form des CEO Tim Cook selbst eingeräumt, dass Maps noch ein ziemlicher Fehlschlag war und Besserung gelobt. Der eigentlich Verantwortliche hatte dazu nichts gesagt und keinerlei Verantwortung für das Desaster übernommen. Das hat ihn wohl den Job gekostet. Von welchem ehemaligen Apple-Manager reden wir hier?

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