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Advent 2019 – Türchen 16: Keynote

16.12.2019 | 00:01 Uhr | Peter Müller

Keynote ist als eine Antwort auf Microsofts Powerpoint entstanden und wurde zunächst nur intern genutzt.

Apple-Keynotes – besonders jene von Steve Jobs – haben etwas von einem Gottesdienst, hatte das Magazin der Süddeutschen Zeitung vor einigen Jahren mal erklärt. In der Geschichte mit dem Titel „Enthüllungsjournalismus“   zieht Andreas Bernard Vergleiche mit religiösen Ritualen, die Präsentation gleiche einem Hochamt, die ganze Welt erstarre in Ehrfurcht. Die ganze Geschichte läuft auf den einen Höhepunkt zu, das „One More Thing“, das der Meister der Zeremonie kurz vor deren Ende nur scheinbar beiläufig enthüllt.

Mit dem Tod von Steve Jobs hat sich viel geändert, sein Nachfolger Tim Cook hat das „One More Thing“ weitgehend abgeschafft, die Zeremonie bleibt aber die gleiche: Apple lädt seine Gemeinde zu einer feierlichen Enthüllung von Produkten, die man auch weit nüchterner präsentieren könnte.

Aber warum sollte man das? Apple erfindet zwar nicht dreimal im Jahr das Rad neu, aber ein neues iPhone, den Mac Pro, Services als Neuland: Da darf man ruhig vor einer ausgesuchten Öffentlichkeit sprechen. Wir nehmen uns selbst ja nicht aus: Aber die in Apple-Keynotes versammelten Technikjournalisten haben viel mit Sportreportern gemeinsam, die sich über jedes Tor ihres Teams so freuen wie die Fans drum herum.

In der Zeit vor Jobs’ Rückkehr, beziehungsweise ganz zu Beginn seiner zweiten Zeit bei Apple, war auf der Macworld Expo im Januar 1997 in San Francisco das Gegenteil einer Kult-Keynote zu sehen: Der damalige Apple-CEO Gil Amelio, ein fachlich kompetenter aber eben dröger Computerwissenschaftler, redete gut zwei Stunden ziemlich wirr und zusammenhanglos von Apples aktuellem Zustand und den Strategien für die Zukunft – verstanden hat das Publikum nur Bahnhof. Einziger Höhepunkt: Der mitsamt NeXT zurück gekehrte Steve Jobs durfte mit dem anderen verbliebenen Gründer Steve Wozniak mal kurz auf die Bühne und nicht viel mehr als huldvoll in das Publikum winken. Laut der Isaacson-Biographie sei das der Punkt gewesen, an dem Steve Jobs beschloss, künftig die Keynote selbst zu halten und es besser zu machen als sein Vorgänger.

Und wie! Im August desselben Jahres, auf der Sommerausgabe der Macworld Expo in Boston unterlief ihm noch ein Fehler, als er Bill Gates per Videoleinwand mit auf die Bühne holte. Der seinerzeit bei vielen Apple-Fans und -Journalisten verhasste Microsoft-CEO wirkte dabei überlebensgroß neben einem scheinbar kleinen und schwachen Apple-iCEO.

Doch schon zur Macworld Expo 1998 hatte Jobs den Ton gefunden, der ihn als Präsentator zur Legende werden ließ: Jeans, schwarzer Rollkragenpulli, weiße Sneakers und die Hauptbotschaft hinter ein lapidares „One More Thing“ gepackt: Seinerzeit ging es darum, dass Apple wieder Gewinne mache.

Im Kapitel über MS Office am 2. Dezember hatten wir bereits erwähnt, dass in der Welt des Business Powerpoint zum Quasi-Standard bei Präsentationen geworden ist. Die meisten machen aber den Fehler, ihre Shows zu überfrachten, mit zu vielen Texten auf den Folien, mit ständig neuen Übergängen und Effekten.

Von Jobs-Keynotes lernt man die Reduktion auf das Wesentliche, wenige Begriffe nur ausgeschrieben, viele Bilder, dezente Hintergründe, Übergänge und Effekte. Und immer dem Prinzip folgen: Show, don’t tell. Was auf der Folie steht, nicht vorlesen.

Nicht, dass die Software, die Steve Jobs für seine Keynote benutzte, den Überfluss nicht auch hinbekäme und Powerpoint eben das reduzierte Gegenteil – man hat aber das Gefühl, dass Keynote-Nutzer schon vom einfachen Design des Programms angehalten werden, die Software sparsam einzusetzen.

Denn genau so heißt Apples auf Keynotes erprobte Antwort auf Powerpoint: Keynote. Die interne Entwicklung für die eigenen Präsentationen ließ Apple bald als Software für alle Mac- und später auch iPhone- und iPad-Nutzer herstellen. Keynote war die erste Software des späteren iWork-Pakets, in dem auch Pages und Numbers stecken und das mittlerweile einem jedem Apple-Gerät kostenlos beilegt. Präsentationsgenies sind wir deswegen aber immer noch nicht geworden.

Die Frage von heute: Auf welcher Keynote hatte Apple Keynote erstmals als Produkt gezeigt?

1.) WWDC 2000
2.) Apple Expo 2001
3.) Macworld Expo 2003

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