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Advent 2019 – Türchen 8: Siri

08.12.2019 | 00:01 Uhr | Peter Müller

Siri ist auf den Apple-Geräten allgegenwärtig wie iCloud aber deutlich weniger beliebt.

„Let’s talk iPhone“ – lautete das Motto der Keynote, zu der Apple am 4. Oktober 2011 eingeladen hatte. Ist grammatisch nicht so ganz korrekt: Lass uns iPhone sprechen. Aber wie bei guten Witzen schwingt hier eben eine schöne Doppeldeutigkeit mit. Klar lud Apple dazu ein, über das iPhone zu sprechen: „Let’s talk about iPhone“. Aber man kann ja auch anstatt ein Wort im Gedanken hinzuzufügen, das auch mit zwei Satzzeichen erledigen: „Let’s talk, iPhone!“.

Schade eigentlich, dass Apple nicht so konsequent war, das Wakeword für seinen digitalen Sprachassistenten auch so zu gestalten: „Let’s talk, iPhone!“ anstatt „Hey, Siri!“ Dann müsste oder könnte man heute genauer definieren, wen man denn anspricht: Apple Watch, iPad, Mac, Airpods, Homepod oder Apple TV. Niemals mehr würde sich ein Gerät, das ja gar nicht gemeint war, auf die Phrase „Hey, Siri!“ hin angesprochen fühlen. Der Konkurrent Amazon ist hier auch nicht konsequent genug, natürlich kann man dem Echo Dot  in der Küche das Stichwort „Alexa“ zuweisen, das Echo Studio mit „Amazon“ ansprechen und mittels eines „Computer“ den Fire TV Cube steuern – aber Sprachassistenten sollten uns ja den Alltag erleichtern und nicht erschweren, indem wir erst einmal grübeln müssen, welcher nun auf was reagiert.

Frage von gestern:

Auflösung der Frage von gestern: Italien ist zwar das Land der Oper, der Browser Opera kommt aber aus Skandinavien. Genauer gesagt aus Norwegen.

Selbst wenn ein an den Homepod gerichtetes „Hey Siri“ auch das iPhone in der Nähe zum Aufleuchten bringt, sind die Geräte doch immer sehr schnell in der Lage zu erkennen, wer denn nun gefragt ist und die Reaktion zeigen soll. Von wegen also, Siri wäre doof! Oder zumindest nicht so schlau wie Alexa oder der Google Assistant.

Nun haben wir hier in Deutschland natürlich den Nachteil der Sprache. So können wir nicht letztendlich beurteilen, welcher Assistent denn nun der Beste ist, weil sie alle durch die Lokalisierung ausgebremst sind. Wir hatten das etwa im Herbst bei unseren Tests von Echo Studio und Fire TV Cube erlebt: So richtig gut haben uns die Amazon-Geräte nicht verstanden.

Immerhin ist bei ihnen und der dahinter liegenden Intelligenz die Lernkurve sehr steil. Hatte Alexa noch Anfang November davon gesprochen: „Ich gebe deine Musik zufällig wieder“, war sie gegen Mitte des Monats in grammatischer Hinsicht schon auf dem besseren Weg: „Ich gebe deine Musik in zufälliger Reihenfolge wieder“.

Natürlich lernt auch Siri dazu und hat das in den letzten acht Jahren eindrucksvoll bewiesen – allein durch ihre Präsenz auf so unterschiedlichen Geräten wie einem iMac Pro und den Airpods. Apples Problem ist laut KI-Experten aber die Stärke der Produkte: Der strenge Datenschutz. Denn während Google und Amazon keinerlei Hemmungen zeigen, möglichst viele Daten von ihren Nutzern einzusammeln, sieht Apple nicht den Kunden als Produkt an. Je mehr Daten aber vorliegen, umso besser und schneller lässt sich ein Service verbessern und individualisieren. So wertet Apple schon das meiste direkt auf den Geräten aus und was es auf seine Server übertragen muss – etwa für Echtzeitverkehrsinformationen – wird randomisiert und anonymisiert, verspricht der Anbieter glaubwürdig.

Im Sommer gab es einen kleinen Skandal, oder eher einen Sturm im Wasserglas. Denn auch Apple musste einräumen, dass Gesprächsfetzen aus Siri-Konversationen bei echten Menschen zur Überprüfung landeten . Zur Überprüfung von Siri wohl gemerkt: War die Assistentin tatsächlich gemeint? Hat sie richtig verstanden und vor allem eine sinnvolle Antwort gegeben oder Aktion ausgeführt? Mittlerweile kann man Apple untersagen, diese Daten auszuwerten, aber die Gefahr von den Prüfern anhand von Gesprächsfetzen identifiziert zu werden, war gering bis nicht vorhanden.

Trotzdem haben wir uns angewöhnt, wenn Alexa, Siri oder Google sich einfach so melden, den Geräten zu sagen, sie sollten jetzt bitte mal still sein. Vielleicht hört das ja irgendwer da draußen.

Siri hat noch einen langen Weg zu gehen, um uns wirklich so etwas wie Intelligenz vorzutäuschen, der Film mit der Stimme von Scarlett Johannsen als „She“ wird noch lange Fiktion bleiben.

Die heutige Frage: Wer spielte den Smartphone-Nutzer, der sich in die künstliche Intelligenz verliebte?

1.) Joaquin Phoenix

2.) Heath Ledger

3.) Jack Nicholson

Heute gibt es zu gewinnen:

Macwelt Marktplatz

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