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Advent 2019 – Türchen 9: Toast

09.12.2019 | 00:01 Uhr | Peter Müller

Es gibt auch legendäre Software, die die Nachteile der Hardware auszubügeln versucht. Dazu gehörten ehemals die Screensaver, aber auch Brennsoftware.

Manche Software wird durch die Weiterentwicklung der Hardware obsolet. Bildschirmschoner etwa: Sie ergaben in Zeiten des Röhrenmonitors Sinn. Wo eine Elektronenstrahl auf eine Schicht traf, die von der Energie der Teilchen angeregt Licht abgab, musste man darauf achten, dass diese Schicht nicht unter Dauerfeuer stand. Zwar tastete der Elektronenstrahl in einem CRT (Cathod Ray Tube) den Bildschirm 50 mal in der Sekunde ab, was zweimal 25 Halbbilder pro Sekunde ergab, aber wenn über Stunden und Stunden die gleichen Teile des Screens unter Beschuss standen, um das gleiche Bild abzugeben, bestand die Gefahr, dass davon eine Art Schatten blieb: Einbrennen nannte man das.

So war es klug, in den Arbeitspausen einen Bildschirmschoner zu aktivieren, der andere Bilder, meist recht dunkle, auf den Screen zauberte oder ihn ganz einfach in Ruhe ließ. Da gab es ganz wunderbare Geschichten, in der Ära des iMac G3 etwa ein Aquarium, passend zur Optik des Gehäuses und recht realistisch. Auf der anderen Seite der Systemgrenze erfreuten wir uns ebenso an einem maritimen Bildschirmschoner, nur konnte man unter Windows im Comic-Stil animierten Fische dabei zusehen, wie sie andere virtuelle Meeresbewohner verschlangen, die sich mit einer Art „Huch!“ aus der Szene verabschiedeten. Wer wollte da noch weiter arbeiten, man verlängerte lieber die Pause, um den Bildschirmschoner anzuglotzen.

Heute haben Bildschirmschoner einen anderen Zweck: Sie sichern unsere LED-Bildschirme in Arbeitspausen vor neugierigen Blicken, sofern wir in den Einstellungen festlegen, dass man aus dem Ruhezustand nur mittels Passworteingabe kommt. Apple hat zwar in Catalina wieder einen neuen Bildschirmschoner eingeführt, auf dem sich abstrakte Filamente wie Seegras in einer Strömung wiegen, und dem Bildschirmschoner, den Enthusiasten aus den über 300 künstlerisch abstrahierten Apple-Logos aus der Einladung zur Keynote „There’s more in the Making“ aus dem letzten Oktober gebastelt haben , könnten wir uns auch länger ansehen. Aber auch der ist nichts gegen die fliegenden Toaster.

Die waren das Markenzeichen eines Bildschirmschoners namens After Dark aus den frühen Zeiten des Mac. Die Software kostete Geld, kaum zu glauben, dass die Leute damals für Bildschirmschoner bezahlten. Aber es hat sich in dem Fall mehr als gelohnt, dutzende Screensaver konnte man auswählen, die fliegenden Toaster waren nur das Highlight.

Etwa zu der gleichen Zeit, in denen die Bildschirmschoner wegen verbesserter CRT-Techniken und vor allem wegen der aufkommenden LCDs allmählich obsolet wurden, hatte eine speziell auf dem Mac erfolgreiche Software ihre beste Zeit, die nur dem Namen nach an den populären Screensaver erinnerte: Toast.

Der Name hatte ja auch etwas Charmantes. Während alle Welt davon sprach, man würde CDs nun „brennen“, was zunächst nur mit teuren Maschinen möglich war, aber ab Mitte der Neunziger zum Mainstream wurde, versprach der Hersteller von Toast, Rohlinge nur zu toasten. Klar, zum Frühstück wollen wir ein goldbraunes Röstbrot unter schmelzender Butter und keine Holzkohle.

Aber anders als Toaster, die mal mehr und mal weniger leckere Ergebnisse liefern, verwendete Toast auch nur die Technik, die auch andere Programme nutzten. Ein Laser statt eines Elektronenstrahls übernimmt im Brenner die Arbeit und schlägt in eine Licht absorbierende Schicht Löcher hinein, die später ein anderer Laser als Informationen ausliest. Fehler machen aber auch Brenner, selbst solche von Toast gesteuerten, das Ergebnis ist dann ungenießbar, da hilft nicht einmal mehr Butter in rauen Mengen.

Warum Toast so erfolgreich sein konnte, lag nicht zuletzt an Apple selbst. Lange hatte der Mac-Hersteller den Trend zum CD-Brenner verpasst, nur externe Geräte, via SCSI angebunden, erledigten von Mitte der Neunziger bis Ende des Jahres 2000 den Job. Systemsoftware zum Brennen gab es daher keine, Toast war die praktisch einzige Möglichkeit, Daten und Musik „auf Silberscheibe zu bannen“, wie zu jenen Zeiten nicht nur wir physikalisch inkorrekt poetisierten.

Im Januar 2001 änderte sich die Lage, und zwar massiv. Apple übersprang beinahe eine Medien-Ära und baute in die Top-Modelle des Power Mac G4 und des Powerbook G4 (Titanium) gleich ein Super-Drive ein: Ein Gerät, das nicht nur CDs lesen und brennen sowie DVDs lesen konnte, sondern auch gleich DVDs brennen. Dazu gab es auch gleich jede Menge Software: iDVD für das DVD-Mastering und iTunes für das Brennen von Musik-CDs. Das „toasten“ einfacher Daten-CDs übernahm der Finder.

Toast hatte aber auch noch heute seine Berechtigung, kann das Programm doch die unterschiedlichsten Formate auf CD und DVD brennen, pardon, toasten.

Und natürlich gibt es Toast noch, die aktuelle Version ist sogar für Catalina optimiert. Aber heute ist es wieder wie früher: Zum Brennen braucht es ein externes Gerät, Apple baut längst keine optischen Laufwerke mehr in seine Rechner ein. Das Medium Bluray hat Apple dann auch ganz übersprungen, Daten sichert man heute auf USB-Stick, NAS oder in der Cloud, das Mixtape stellt man auch nicht mehr auf CD zusammen, sondern als Wiedergabeliste in Apple Music.

Der Höhepunkt der Toast-Ära war aber zweifelsohne der Power Mac G4 Cube, den Apple im Sommer 2001 brachte. Die erste Version konnte zwar noch gar keine CDs oder DVDs brennen, warf aber die optischen Datenträger wie ein Toaster nach oben aus – natürlich bekam der Cube in seiner ersten und auch praktisch letzten Revision noch einen Brenner – an sich hätten CD-Toaster ja von Anfang an so aussehen sollen.

Die Frage von heute: Wie heißt der Hersteller von Toast? Hey, nicht googlen!

1.) Rovio
2.) Roxio
3.) Rolio

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