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Alarmismus: Technologiekritiker warnen vor Airpods und anderen drahtlosen Geräten

13.03.2019 | 10:51 Uhr | Thomas Hartmann,

Eine Petition warnt vor den Gesundheitsgefahren von AirPods und anderen Bluetooth-Geräten. Der Initiator ist aber von zweifelhafter Reputation.

Vor Gesundheitsgefahren, die von Handys und Bluetooth-Geräten wie den Airpods ausgehen warnt eine Petition , die 250 Personen unterzeichnet haben. Initiiert hat diese der "Gesundheitsprofessor" Joel Moskowitz von der University of California, Berkeley. So meint dieser, dass beispielsweise bei Apples Airpods die Strahlung per Bluetooth, also mit elektromagnetischen Feldern quer durchs Gehirn von einem Ort zum anderen gehen müsse. Hierzu gebe es bislang zu wenig Forschung, welche möglichen Gefahren dies bewirke. Moskowitz ist aber trotz seines Backgrounds in Mathematik und Sozialwissenschaften und seiner Position als  Director of the Center for Family and Community Health der Universität von zweifelhaftem Ruf. Das American Council on Science and Health stuft ihn als "Truther" ein , also als Verbreiter von Verschwörungstheorien. Sieht man sich die Unterstützer des Schreibens an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an, trifft man auf weitere einschlägige Namen, etwa auf Dr. Cornelia Waldmann-Selsam des Bamberger "Competence Initiative for the Protection of Humanity, Environment and Democracy e.V". Bei den deutschen Unterzeichnern findet sich gegen der Behauptung der Autoren kein aktueller Professor der deutschen Universität. Die aufgeführten Personen sind teils emeritiert, teils arbeiten sie bei privaten Stiftungen und Firmen.

Die krude und wissenschaftlich eher nicht haltbare Argumentation der teils emeritierten Wissenschaftler: Gesundheitsgefahren nehmen zu, da sich drahtlose, insbesondere mit Bluetooth funkende Geräte sich schnell ausbreiten, zusammen machen die Bluetooth-Kopfhörer von Apple und Beats schon etwa 40 Prozent des Marktes aus. Wie das britische Boulevardblatt Daily Mail zitiert, würden die Geräte "mehr als nur Musikbeats in die Köpfe der Nutzer jagen". Mit den niederfrequenten Mikrowellen, die diese aussenden, könne man Folgen wie bestimmte Krebsarten nicht ausschließen – darum dreht sich seit Jahrzehnten die Forschung bisher ohne Beweise für eine tatsächliche Schädlichkeit

Mehr oder minder widerlegt dürfte aber sein, dass Mobilfunk und Bluetooth Gewebe ungesund aufwärmen – diesen Effekt nutzt man ja im Mikrowellenherd, nur eben bei tausendfacher und höherer Leistung. Sorgen mache die Strahlung auch anderweitig: So könnte gerade die niedrige Intensität von Bluetooth-Strahlung als Kurzwellenfunk die Blut-Hirn-Schranke aufweichen, die dazu dient, größere Moleküle außerhalb des Gehirns zu halten. Die innerhalb des Gewebes induzierten Mikroströme könnten so eventuell zu gefährlichen neurologischen Störungen und Krankheiten führen – Krebs sei also gar nicht das Hauptthema. Aus Gründen der Vorsicht sollte man lieber nicht mit seinem eigenen Hirn experimentieren, indem man diese Art von drahtlosen Kopfhörern oder Ohrhörern benutze, meint Moskowitz. Auch beim Einsatz von WLAN rät der Professor zur Zurückhaltung.

Die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Verwendung von elektromagnetischen Strahlungen (EMF) bei unterschiedlichen Geräten werden als unzureichend kritisiert, da karzinogene Effekte bereits auf niedrigeren Levels erforscht seien. Dazu gehören auch Hirnkrebsarten, heißt es in der windigen Petition weiter. Auch Sendeantennen, intelligente Messgeräte, Vorrichtungen zur Überwachung von Babys und anderes mehr würden sehr niedrige elektromagnetische Strahlung mit den entsprechenden Gefahren verursachen – Babyphones waren aber schon weit vor dem Smartphonezeitalter üblich, über davon ausgehende Gesundheitsschäden ist nichts bekannt, trotz der unfreiwilligen Langzeitversuche.

Unsere Meinung

Immer wieder gibt es derartige Warnungen, andererseits auch durch seriöse Quellen den Hinweis, dass diese Behauptungen auf Gesundheitsgefahren bei regulärem Gebrauch auch bei beispielsweise Mobilgeräten wie Handys nicht zu erwarten seien. Die Petition erscheint uns daher vor allem alarmistisch und nicht fundiert, bei Bluetooth und WiFi sind recht geringe Feldstärken im Spiel. Bedenken bestehen auch zum kommenden Mobilfunkstandard 5G, das in einem ähnlichen Spektrum arbeitet, aber mit deutlich höheren Feldstärken hantiert. Nur ist die Energie der 3,8-GHz-Wellen von 5G auch bei weitem nicht so hoch wie die der Mikrowellen im gleichnamigen Herd. Die Gesundheitsgefahren sollten eher gering sein.

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