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Apple: Berufung im Rechtsstreit gegen Corelliums iOS-Simulationen

18.08.2021 | 14:30 Uhr | Thomas Hartmann

Amanda Gorton, CEO von Corellium hält dagegen: Apple mache die vom Konzern selbst geforderte Sicherheitsforschung für iOS durch solche Rechtsstreits praktisch illegal.

Apple hat am Dienstag Berufung gegen ein Urheberrechtsverfahren eingelegt, das es gegen das Sicherheits-Startup Corellium bereits verloren hatte. Corellium hilft Forschern und Entwicklern, Programme wie Apples geplante neue Methode zur Erkennung von Bildern von sexuellem Kindesmissbrauch zu untersuchen, berichtet Reuters .

Apple war im vergangenen Jahr dabei gescheitert, Urheberrechtsansprüche gegen Corellium geltend zu machen. Corellium mit Sitz in Florida stellt ARM-Server zur Verfügung, um darauf virtuelle Smartphone-Betriebssysteme von Android oder eben auch iOS laufen zu lassen und auszutesten, insbesondere in Bezug auf Sicherheitslücken. Dabei lassen sich im Unterschied zu einem ”echten“ iPhone Spezialfunktionen wie die Anzeige von Systemaufrufen aktivieren oder die Möglichkeit, Snapshots zu erstellen, wie wir hier das Prinzip beschreiben . Demnach werden sowohl iOS 14 wie auch die neuesten iPhone-12-Modelle von der Plattform CORSEC unterstützt, und virtuelle Hardware lässt sich ebenfalls verwenden, ferner eigene Kernel und Ramdisks. Auch einzelne User und nicht mehr nur Unternehmen können inzwischen diese Dienstleistung nutzen , was freilich nicht ganz billig ist  – und Apple verständlicherweise nicht besonders gefällt. Doch das Aufspüren von Sicherheitslücken sollte dadurch deutlich leichter sein, auch etwa für Anbieter von Behördensoftware.

Insbesondere Sicherheitsexperten gehören zu den Hauptkunden von Corellium, und die von ihnen aufgedeckten Schwachstellen wurden Apple gemeldet, um Geldprämien zu kassieren, aber auch anderweitig genutzt, etwa vom FBI, um das iPhone eines Massenmörders zu knacken, der in San Bernardino, Kalifornien, mehrere Menschen getötet hat, berichtet Reuters den wohl bekanntesten Fall.

Überraschende Berufung

Nachdem Apple bereits einmal zurückgewiesen wurde, überrascht die Berufung nun umso mehr, da Apple erst kürzlich andere Klagen gegen Corellium im Zusammenhang mit dem Digitial Milennium Copyright Act ( DMCA ) beigelegt hatte, um einen Prozess zu vermeiden. Dabei geht es um ”die Produktion und Verbreitung von Technologien, Geräten oder Diensten, die Zugriffsbeschränkungen (wie Digitale Rechteverwaltung, DRM) auf kopiergeschützte Werke umgehen (also ’den Kopierschutz knacken’), auch wenn dabei das Copyright selbst gar nicht verletzt wird.”

Daher komme die Verwunderung von Experten, dass Apple den Kampf gegen einen großen Anbieter von Forschungstools wieder aufgenommen habe, nachdem es versprochen hatte, die Überprüfung seines umstrittenen Plans, Kundengeräte hinsichtlich von Kinderpornobilden (beziehungsweise deren Hashes) zu scannen , möglich zu machen – was via Corellium leichter realisierbar wäre.

Gegen Apples Aktion hat sich die Vorstandsvorsitzende von Corellium, Amanda Gorton, mit klaren Worten gewandt: ”Apple kann nicht so tun, als sei es gegenüber der Sicherheitsforschungsgemeinschaft rechenschaftspflichtig, während es gleichzeitig versucht, diese Forschung illegal zu machen.“ Genug sei genug, so die CEO kämpferisch.

Laut 9to5Mac , das nach eigener Aussage entsprechende Dokumente einsehen konnte, ging es bei der Einigung zwischen Apple und Corellium nur um die DMCA-Klage. 9to5Mac hat sich sowohl an Apple als auch an Corellium gewandt, um eine Klärung herbeizuführen, aber keines der beiden Unternehmen habe bislang auf die Anfrage reagiert.

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