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Apple Card: Wer sie wirklich braucht

21.08.2019 | 11:13 Uhr | Peter Müller

Es wird noch eine Weile dauern, bis die Apple Card nach Deutschland kommt. Das Angebot ist auch nicht für alle attraktiv.

Die Apple Card ist mittlerweile in den USA für das allgemeine Publikum freigegeben , in den letzten beiden Wochen konnte man nur auf Einladung sich für den Service registrieren. Wann das Angebot nach Deutschland kommt, ist völlig offen. Die ausgebende Bank Goldman Sachs ist erst seit kurzem im Endkundengeschäft mit seiner neu gegründeten Tochter Marcus aktiv und muss international erst einmal expandieren – das Interesse ist aber da .  Zudem sind hierzulande Kreditkarten eher mit einem anderen Geschäftsmodell gebräuchlich: Das ausgebende Institut verlangt eine Jahresgebühr, die damit bezahlten Beträge werden in der Regel zum Monatsende vollständig ausgeglichen – Zinsen für ausgegebene Kredite fallen somit nicht an. Die in diesem Sommer zu Apple Pay hinzugefügte Amex Blue, die Apple Pay auch mit Banken nutzbar macht , die Apples Bezahldienst noch nicht unterstützen (Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken), ist ebenso grundsätzlich kostenlos. Will man aber am Belohnungsprogramm teilnehmen, das auf jeden Einkauf einen gewissen Betrag rückerstattet, zahlt man 30 Euro im Jahr dafür.

Für wen sich die Apple Card lohnen könnte

Natürlich, da draußen gibt es Leute, die alles kaufen, auf dem ein Apple-Logo prangt. In gewisser Weise gehören wir von der Macwelt auch zu denen, wir müssen ja alles ausprobieren, damit wir sagen können, ob es was taugt und wenn ja, wie sehr. In Sachen Apple Card müssen wir jedoch erst einmal außen vor bleiben (siehe oben) – und sind daher heilfroh, dass unsere Kollegen in der USA den Service schon einmal ausprobieren und ihre Erkenntnisse mit uns teilen. Die Macworld sieht die Apple Card bisher ja eher kritisch – sie sei nichts Besonderes, trotz der guten Software, die mit ihr verknüpft ist. Trotzdem noch Interesse, die Amex oder Visa zu kündigen oder sich für eine weitere Karte zu registrieren? Dann sollte man sich die fünf Fragen stellen und ehrlich beantworten, die Jason Cross als Grundlage für die Entscheidung herausgearbeitet hat .

Ist man etwa in der Lage, die mit Apple Card bezahlten Einkäufe jeden Monat auch auszugleichen? Wenn nicht, sollte man die Kreditzinsen zwischen 13 und 24 Prozent in Betracht ziehen – auf den ersten Blick recht hoch, aber im Rahmen dessen, was auch andere Anbieter derartiger Karten verlangen. Will man wirklich eine neue Kreditlinie aufziehen oder kann man gegebenenfalls eine ersetzen? Verwaltet man seine Finanzen bereits mit Apps wie Mint oder YNAB? Dann kann man die vergessen, denn eine Exportmöglichkeit dafür bietet die Apple Card derzeit nicht. Reisen Sie viel? Dann sollten Sie eher zu einer Karte greifen, die sie mit entsprechenden Rewards belohnt. Und, ganz wichtig: Bezahlen Sie überhaupt öfter mit Apple Pay? Denn nur damit bekommen Sie anständige 2 Prozent Reward bei jedem Kauf gut geschrieben (im Apple Store gar drei Prozent), mit Titankarte bekommt man nur ein Prozent.

Interessante Nebenbedingung

Wie viele andere US-Unternehmen auch für ihre Services schreiben Goldman Sachs und Apple in die Nutzungsbedingungen der Apple Card eine Klausel, die im Streitfall den Gerichtsweg ausschließt, berichtet Macworld weiter . Stattdessen werde eine Schlichtung eingeleitet, das Schlichtergremium bestimmen in der Regel die Unternehmen. Vorteil für diese: Man spart sich den oft langen Rechtsweg. Verbraucherschützer sehen damit freilich die Rechte der Nutzer eingeschränkt. Doch lässt Apple die Möglichkeit offen, der Schlichtungsklausel zu widersprechen und sich damit Klagen nicht zu verbauen. Das geht relativ unkompliziert aus der Wallet App heraus, mittels iMessages Business Chat mit dem Kundendienst. Dabei landet man zunächst bei Apple, informiert man den Serivcemitarbeiter über sein Anliegen, wird man zu Goldman Sachs vermittelt, die sich diesem annehmen und die Klausel individuell streichen. In Deutschland gibt es derartige Klauseln nicht, das Geschäftsmodell der Apple Card lässt sich auch nicht 1:1 übertragen.

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