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Apple: Gendersensible Sprache, aber Frauen werden schlechter bezahlt?

04.09.2021 | 10:00 Uhr | Stephan Wiesend

Einige Apple-Angestellten erheben den Vorwurf, dass Frauen von Apple schlechter bezahlt würden als ihre männlichen Kollegen und Minderheiten unterdrückt würden.

Apple investiert viel Mühe und Geld in Initiativen für Umweltschutz und Inklusion, so gibt es eigene Förderprogramme für weibliche Programmierer. Erst kürzlich etwa hat Apple weitere 30 Millionen für inklusive Projekte wie die Racial Equity und Justice Initiative freigeben . Auch gendersensible Sprache nutzt Apple Deutschland schon länger, ebenso Siri. Geht es aber um das Thema Gender Pay Gap bei Apple selbst, gibt es hier offenbar noch offene Fragen. Nach Aussage von Apple herrscht bei der Bezahlung von Männern und Frauen völlige Gleichbehandlung, auch auf Inklusion werden geachtet.

Wie einige Apple-Angestellte gegenüber The Verge berichteten , ist im Unternehmen offenbar nicht erwünscht, dass die Mitarbeiter das selbst überprüfen. So starteten einige Angestellte schon im Frühling Gehälter-Umfragen im firmeneigenen Kommunikationskanälen. Angestellte konnten hier ihre Gehälter und weitere Daten wie die Zugehörigkeit zu Minderheiten angeben. Dies wurde allerdings von Apples Personalabteilung schnell untersagt. Begründet wurde dies mit dem Schutz von Personendaten, was offenbar für einiges Misstrauen sorgte, die schnell auch in den Medien und auf Twitter die Runde machte. Allein im Verbot solcher Informationskanäle sehen Anwälte schließlich bereits einen Verstoß gegen Arbeitsrechte.

Interner Slack-Kanal muss schließen

Erst Anfang der Woche wurde ein interner Slack-Kanal von Apple, in dem Mitarbeiter das Thema Gehälter diskutieren wollten, von der Personalabteilung verboten – mit der Begründung „Slack channels are provided to conduct Apple business and must advance the work, deliverables, or mission of Apple departments and teams“, wie The Verge berichtet. Die Begründung erscheint laut Artikel wenig glaubwürdig, so gebe es in Apples Chat-System viele eindeutig arbeitsfremde Kanäle wie #fun-dogs, oder #gaming, die nie beanstandet wurden. Offenbar wolle Apple Diskussionen unterdrücken, wolle aber arbeitsrechtlichen Ärger vermeiden – deshalb die etwas unklare Begründung. Als eine Folge hat sich die Diskussion offenbar auf externe Medien wie Twitter verschoben, auch der Spiegel berichtete bereits in dem Artikel „ Aufruhr im Silicon Valley “, ebenso die FAZ. Die Entwicklerin Cher Scarlett hat mittlerweile über den Dienst Typeform eine externe Umfrage gestartet, an der bisher etwa 2500 Apple-Angestellte teilgenommen haben – und hat auch einige Daten bereits auf Twitter veröffentlicht. Auch die Seite Apple.too und der Hashtag #appletoo wurden eingerichtet.

Ist da was dran?

Von außen lässt sich die Arbeitskultur eines Unternehmens kaum fair beurteilen, gerade bei einem Unternehmen mit knapp 140 000 Angestellten. Um seine faire Bezahlung zu unterlegen, verweist Apple auf Statistiken: Auf seiner „Inclusion & Diversity“-Seite etwa auf eine externe Prüfung seines „racial und gender pay gaps“, die „Racial and Gender Pay Scorecard“ von Arjuna Capital. 51 große US-Unternehmen wurden hier erst vor wenigen Monaten überprüft , nur fünf erreichten die Top-Note „A“, etwa Pfizer und Mastercard. Apple erhielt immerhin die Note „B“ der Gehaltsunterschied soll sowohl bei Herkunft als auch Geschlecht bei Null liegen. Was allerdings auffällt: US-Firmen melden im Unterschied zu Großbritannien dabei nur den „adjusted“ pay gap. Die Gehälter werden dabei nach Position, Dauer der Firmenzugehörigkeit und Region angepasst. Nur in UK wird auch der „unadjusted pay gap“ angegeben, bei dem die Gehälter von Männern und Frauen direkt verglichen werden. Da fast alle US-Firmen auch in Großbritannien Niederlassungen haben, sind die englischen Daten im Bericht ebenfalls aufgelistet – und recht aufschlussreich. Allgemein schneiden Tech-Firmen nämlich vor allem beim „unadjusted“ Paygap deutlich schlechter ab, weit schlechter als der Finanzbereich. Dazu gehören neben Apple und Facebook etwa auch Oracle und Google. Offenbar gilt hier weiterhin, dass in diesen Firmen die besser bezahlen, Ingenieure und Programmierer vermehrt Männer sind und Frauen möglicherweise eher schlechter bezahlte Stellen haben – wie Personalwesen, Retail und Marketing.

Fazit:

Nach unserer Einschätzung zahlt bei Apple zwar gleiche Gehälter, ein Problem scheint aber im so genannten „unadjusted Paygap“ zu liegen. Bei gleicher Position und Niederlassung verdienen Apples Angestellte wohl gleich, das erscheint glaubwürdig. Trotzdem verdienen Frauen bei Apple deutlich weniger, weil Männer die besser bezahlten Positionen besetzen. Vor allem bei IT-Firmen ein altbekanntes Thema, über das schon viel diskutiert wurde.

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