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Apple Glasses: Die smarte Brille, die niemand braucht

28.08.2020 | 13:40 Uhr |

Gerüchten zufolge arbeitet Apple bereits seit Längerem an der ersten eigenen AR-Brille. Nach der Apple Watch wäre die "iGlass" somit das zweite smarte Wearable aus dem Hause Apple. Aber handelt es sich dabei um ein Produkt mit einem echten Mehrwert? Wir glauben nicht. Ein Kommentar.

Stellen Sie sich vor: September 2022. Tim Cook steht auf der Bühne, die Menge applaudiert. Die Keynote zur Vorstellung des kommenden iPhone 14 ist eigentlich schon vorüber und man rechnet nur noch mit den Schlussworten des Apple-CEO. Doch die Keynote ist noch nicht vorbei, das Beste hat Cook sich für den Schluss aufgehoben. Mit gefalteten Händen steht er auf der Bühne, blickt in die Menge und verkündet, dass Apples Team die letzten Jahre sehr hart gearbeitet habe. An einem neuen, revolutionären Produkt, dass (wieder einmal) alles verändern wird. Und dann ist es so weit. Cook spricht die magischen Worte: Sie hätten da noch ein " one more thing ".

Wenn es jemals zu dem Tag kommen sollte, an dem Apple seine erste Augmented-Reality-Brille vorstellen wird, dann würde es sich wahrscheinlich so oder so ähnlich abspielen. Und der Tag soll laut dem bekannten Apple-Leaker Jon Prosser bereits in den nächsten zwei Jahren kommen. Die Leute wären im ersten Moment garantiert begeistert. Wenn es ein Unternehmen schaffen könnte, Menschen ohne Sehschwäche eine Brille (und zudem noch ohne UV-Schutz) zu verkaufen, dann ist es Apple.

Nach den ersten Hysterie-Momenten über ein neues One-More-Thing-Produkt und mit einem Blick auf das Preisschild würde sich aber bestimmt jeder Interessierte sicherlich schnell die Frage stellen: Brauche ich so was überhaupt? Ist es mir das wert?

Wenn man etwas von "Smarten Brillen" hört, denkt man automatisch an das von Hollywood geprägte Bild einer stylischen Brille, die jede Menge Informationen in Form von Hologrammen vor das Gesicht projizieren kann. Dass die Realität gänzlich anders aussieht, hat man bereits anhand der AR-Brille von Google gesehen. Die sieht weder stylisch aus, noch kann sie Informationen cool darstellen – insgesamt war das Projekt von Google nicht sonderlich erfolgreich. Zumindest noch nicht.

Wenn wir uns vorstellen, wie Apples AR-Brille aussehen müsste, um sich nahtlos in die restliche Produktpalette einzufügen, kommen wir auf zwei elementare Faktoren:

  1. Die Brille müsste so entworfen sein, dass Sie einer möglichst großen Anzahl an Nutzern passt – ohne großen Aufwand. Eine Brille ist schließlich nicht so leicht zu handhaben wie eine Uhr, die man mithilfe von Armbändern an jedes große oder schmale Handgelenk binden kann. Eine Brille muss perfekt auf der Nase sitzen und die teils recht langen Wartezeiten zum Einrichten der Brille beim Optiker sind nicht gerade ein Beweis dafür, dass Apple eine von Anfang an perfekt sitzende Brille entwerfen kann.

  2. Die Brille müsste außerdem einen Mehrwert schaffen. Ein komplett neues Nutzungserlebnis. Wie bei der Apple Watch. Diese zeigt mehr als nur die Uhrzeit an. Sie hilft uns sportlicher zu sein, spiegelt unseren Terminkalender, Nachrichten, das Wetter und noch vieles mehr vom iPhone auf das Handgelenk und achtet zudem auf unsere Gesundheit. 

Die große Frage lautet nun: Gelingt es Apple, all dies in einer Brille zu vereinen? Angenommen ja, wie würde die Benutzung aussehen? Dazu gibt es bereits einige interessante Konzepte , die in Anlehnung an iOS 14 zeigen, wie Apples smarte Brille funktionieren könnte. Zusammengefasst: Ausgewählte Features, wie eingehende Telefonate, Nachrichten und Termine, werden im Brillenglas grafisch angezeigt. Sie dürften natürlich nicht zu groß dargestellt werden. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf dem Fahhrad, ein Familienmitglied ruft an und sie könnten plötzlich nichts mehr sehen, weil die Brille zu viele Informationen anzeigt.

Darüber hinaus treten noch weitere Frage auf: Wie gesund ist eine solche Brille eigentlich für die Augen? Wie steuert man die Brille? Kann man die Brille auch mit Dioptrien erwerben? Ist eine solche Brille überhaupt in allen Ländern zulässig? Vor allem letztere Frage ist hier in Deutschland recht interessant. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Gesetzgeber eine solche Brille mit potenziellem Ablenkungsfaktor im Straßenverkehr erlaubt. Wenn die Benutzung eines Smartphones während der Fahrt illegal ist, wird es bei einer Brille wohl kaum anders sein.

Je länger ich über das Gerücht nachdenke, desto mehr Fragen tauchen auf. Eine smarte Brille von Apple wäre ohne Frage interessant, aber nach dem heutigen Stand der Technik sicherlich kein Gerät mit Mehrwert. Für Menschen mit starker Sehbehinderung wäre eine solche Brille wahrscheinlich tatsächlich nützlich. Stellen Sie sich vor, ein blinder Mensch läuft durch die Straßen einer Großstadt und bekommt über die in der Brille verbauten Lautsprecher zusätzliche Informationen zu Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln, Ampelphasen und so weiter mitgeteilt. Die traurige Realität: Auf eine solch kleine Zielgruppe wird sich wahrscheinlich auch nicht Apple konzentrieren. Oder ein bereits bestehendes Produkt wie die Airpods können diese Aufgabe ebenfalls übernehmen.

Bisher handelt es sich nur um Gerüchte. Apple selbst hat die Entwicklung einer solchen Brille nicht öffentlich kommentiert. Sollten die Gerüchte jedoch stimmen, glaube ich nicht, dass es sich dabei um eine Brille handelt, die man wirklich braucht, solange man das iPhone in der Hosentasche und die Apple Watch am Handgelenk trägt.

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