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"Apple Junkies" – das Buch zum Fan der Kultmarke

27.06.2021 | 09:44 Uhr | Stephan Wiesend

In seinem Buch „Apple Junkies“ lässt Christian Caracas einen Apple Fan ausführlich zu Wort kommen – ohne dabei an konstruktiver Kritik an Apple zu sparen.

Mit Apple-Fans, auch Apple-Junkies genannt, hat man es manchmal nicht leicht. Fast schon missionarisch ist manchmal ihre Haltung zu Apple-Produkten, Kritik an Steve Jobs gilt das schnell als Sakrileg. Angenehm überrascht ist man da vom Buch „Apple Junkies“ von Christian Caracas, das sich dem Innenleben des Apple-Fans sehr abwechslungsreich widmet – in Form einer autobiographischen Erzählung vom C64-Nutzer zum iPad Pro- und Apple-Watch-Fan.

An Büchern zum Thema Apple herrscht kein Mangel. Eine ganze Reihe davon behandelt den charismatische Steve Jobs eine weitere Gruppe das Design und viele weitere Serien versuchen den wirtschaftlichen Erfolg des Billionen-Dollar-Unternehmens zu erklären. Die Gründe, warum so viele Anwender zu echten Fans wurden, kommt aber auch nach unserer Meinung oft viel zu kurz und ist keineswegs mit simplen Begriffen wie „geschlossenes System“ und „Markenpflege“ zu erklären. Das Buch "Apple Junkies – Was die anderen nicht verstehen" ist hier eine interessante Ergänzung.

Überzeugte Kunden über Jahrzehnte

Es gibt auch andere Kultmarken wie Ikea, Nike oder McDonalds, wenige sind aber wohl Jahrzehnte so von ihrer Marke überzeugt wie viele Apple-Kunden. Beim Versuch zu erklären, wie man zum Apple Junkie wird, ist Caracas kein „Gläubiger“, sondern überzeugter Anhänger, der Apple aus wohldurchdachten Gründen schätzt – und lässt auch einige Apple Kritiker und Fans aus dem Freundeskreis ausführlich zu Wort kommen. Was uns aber beim Lesen klar wurde: Überraschend viele seiner ersten Erfahrungen mit Apple sind eigentlich historisch geworden und für jüngere Leser wohl kaum noch nachvollziehbar. So war man schließlich viele Jahrzehnte vor dem iPhone deshalb Apple-Fan, weil Apple-Notebooks die besten Notebooks der Welt waren und es als Alternative fast nur hässliche und laute Gericom-Notebooks gab – von denen der Buchautor sogar selbst eines besaß.

Was brachte aber den jungen Jurastudenten zu einem eigentlich unangemessenen Macbook Pro zu wechseln, zeitweilig in der Redaktion der Macwelt zu arbeiten und später zu Macbook Air, iPhone und iPad Pro zu greifen? Und auch in einer späteren Phase der Apple-Begeisterung eine Apple Watch zu wählen, statt der eigentlich geplanten Rolex? Die ausführlich dargelegten Gründe wie Design, Essenz, Wertbeständigkeit sind nicht neu. Hier erweist sich der Autor aber als der Akademiker, der er ist und Apples Konzepte mit wissenschaftlichem Blick durchleuchtet – und manchmal fast zu ausführlich darlegt, warum es Apple mit der Touchscreen-Tastatur des iPhone etwa gelang, ein zentrales Problem zu lösen – und nicht nur die Ableitung eines Problems.

Platz ist aber auch für fundierte Kritik: So ist nach unserer Meinung die kritische Bestandsaufnahme von Apple im Jahre 2021 sehr gelungen – als ein ungemein erfolgreiches aber weniger kreativ gewordenen Unternehmens mit einem Top-CEO, das auf „sicher“ spielt.  Und so fragt sich wohl nicht nur der Autor, ob es nicht vielleicht besser wäre, wenn man allen mit der Produktentwicklung betrauten Apple-Angehörigen eine Beteiligung an Apples Aktien verbieten würde – eine realitätsferne Idee, wie Caracas zugibt, die aber vielleicht mehr Innovation garantieren würde.

Das Buch mit einem Vorwort vom stellv. Macwelt-Chefredakteur Peter Müller gibt es in verschiedenen Ausgaben von Tredition, so als gebundenes Buch/Hardcover mit 232 Seiten für 19,99 Euro (ISBN 978-3347215832), als Kindle für knapp zehn Euro und als Taschenbuch zum Preis von 14,99 Euro.

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