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Apple News Plus: Neuanfang für Zeitungskiosk?

26.03.2019 | 14:37 Uhr | Halyna Kubiv

Apple hat mit der gestrigen Keynote einige Themen wieder hervorgeholt, die man schon vor knapp acht Jahren präsentiert hat.

Offenbar ist die Erinnerung für Apple doch noch ein wenig peinlich, deswegen hat man gestern auf der Bühne bei der Vorstellung von Apple News Plus mit keinem Wort den Vorgänger erwähnt, den Zeitungskiosk. Dabei hat Apple die neue Funktion in iOS 5 und weiter gar als einen Retter der Verlagsbranche angepriesen. Scott Forstall hatte den neuen Dienst auf der WWDC-Bühne noch nüchtern vorgestellt : Eine Sammelstelle für alle Magazine und Zeitungen, Abos sind möglich, automatische Downloads der neuen Ausgaben, eine Zeitlang waren gar dynamische Icons bei jeder neuen Ausgabe in der App möglich.

Doch Apple wollte aus einem iOS-5-Feature deutlich mehr machen: Ein Jahr später startete eine Werbekampagne, für die Apple noch hohe Auszeichnungen bekam: Die Printausgaben der bekannten Magazine hatten auf der zweiten Seite ein iPad Mini mit der eben gleichen Ausgabe abgebildet, nur in digitalen Form . Apple hat sein iPad zum Retter der Publishingindustrie stilisiert, ähnlich wie dies der Fall mit dem iTunes Store für die Welt der Musik war.

Doch im Unterschied zum iTunes Store, der die Musikindustrie in das digitale Zeitalter begleitete, wurde aus dem Zeitungskiosk nach dem anfänglichen Enthusiasmus nichts. iPad-only Magazine wie " The Daily " oder " The Magazine " wurden einige Zeit später wieder eingestellt. Das Redaktionsteam von "The Magazine" hatte gleich die Gründe aufgeführt – die Abonnentenzahlen ließen sich auf dem iPad nicht ausbauen, eher im Gegenteil, diese schwanden immer weiter mit der Zeit. Wenn kein Großverlag im Rücken war, konnte die Redaktion die Ausgaben nicht auf Dauer finanzieren.

Nun soll dies anscheinend mit Apple-Abo anders sein. Mit der Übernahme von Texture hat das Unternehmen das Know-How eines fließenden Layouts an der Hand, das sich vom schnöden PDF unterscheidet. Dazu betreiben nicht die Magazine oder Verlage eine eigene App, die von Null auf ihre Abonnenten gewinnen muss, sondern Apple selbst bringt die Titelseiten der Beteiligten vor die Augen mehrerer Millionen Nutzer, die Vermarktungsmöglichkeiten sind für einzelne Spieler hier besser.

Man muss jedoch abwarten, ob sich das neue Modell für Verlage als profitabel erweist: Im Zeitungskiosk hat man nur 30 Prozent des Umsatzes an Apple abgedrückt, den Rest konnte man behalten. Wie hoch die Umsätze mit einer Anteils-Flatrate werden, werden wohl die ersten Teilnehmer an Apple News Plus aus den USA und Kanada berichten.

Doch ein großer Haken hat Apple News Plus vom Zeitungskiosk geerbt, trotz des neuen Apple-News-Formats, das sich besonders für die Bildschirme von iPad und iPhone eignet, gibt es keine kurze und am besten noch automatisierbare Brücke zwischen einem PDF, was nach wie vor bei den Magazinen ein Standard ist, und einem wie auch immer gearteten digitalen Format, sei es Epub oder eben Apple-News-Format. Eine für den Druck gestaltete PDF-Seite eignet sich nicht ohne weiteres für die Übergabe in eine App, diese muss noch zusätzlich formatiert werden, damit die einzelnen Elemente beim Scrollen in der richtigen Reihenfolge erscheinen. Ausschlaggebend für den Erfolg von Apple News Plus wird sein, ob die Verleger gute Automatisierungstools finden, die die Konvertierung aus einem einfachen PDF in ein digitales Format leicht und schnell erledigen. Der Mehraufwand einer aufwendigen interaktiven Gestaltung extra fürs iPad oder iPhone hat sich in der Vergangenheit nicht mehr gelohnt, man sehe ein Beispiel von " Marie Claire ".

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