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Apple News+: Qualitätsjournalismus noch nicht für Deutschland

25.03.2019 | 20:03 Uhr | Halyna Kubiv

Apples neuer Nachrichten-Dienst Apple News+ vereint Zeitungen und Magazine in einer App. Noch wichtiger: Es ist nur eine Abo-Zahlung wichtig.

Apples News-App gibt es mittlerweile seit drei Jahren: In den USA in einer Extra-App, in Deutschland zumindest in einem Widget. Gleich zu Beginn der Keynote " It's show time "  lässt Tim Cook mit einer Ansage aufhorchen: Mittlerweile ist Apple News zur größten News-App weltweit geworden, diese Daten hat Comscore in den USA und Großbritannien erhoben. Pro Monat lesen die Nutzer rund fünf Milliarden Artikel. Mit einer solchen Marktmacht konnte Apple zumindest in den USA die meisten großen Verlage überzeugen, bei seinem Abodienst mitzumachen. Für den Nutzer ist das Angebot perfekt: Für zehn US-Dollar pro Monat erhält man einen uneingeschränkten Zugriff auf alle verfügbaren Zeitungen und Zeitschriften, man muss nicht zig Abos und Passwörter zu jedem Portal des Vertrauens verwalten. Dazu kommt der Dienst für Familien noch billiger, die zehn Dollar sind die Zeitung für bis zu sechs Personen.

Mit dabei sind fast alle großen Magazine, was in den USA Rang und Namen hat: Elle, GQ, National Geographics, New York Magazine, People, Rolling Stone, Sports Illustrated, Time, Vanity Fair, Vogue, Wired. Von den großen Zeitungen sind Wall Street Journal, Los Angeles Times und TechCrunch mit dabei.

Zu den Hintergründen hat Apple eigentlich wenig verraten: Die auf der Bühne gezeigten Artikel sind alle interaktiv und wohl in zwei unterschiedlichen Ansichten möglich: einmal für das iPad und einmal für das iPhone. Apple wird den Verlegern wohl eine neue Layout-Schnittstelle empfehlen oder gar zur Verfügung stellen, denn die gezeigten Anpassungen wie Live Cover mit bewegten Bildern sind nur mit dem neuen Apple-News-Format möglich.

Leseverhalten bleibt privat

Ähnlich wie bei Apple Music werden die Empfehlungen nicht nur Algorithmen überlassen, sondern werden von einer extra dafür geschaffenen Redaktion kuratiert. Apple betont dies gleich am Anfang durch eine Rezension von "Slate": Apple News setze demnach nicht auf Übertreibung und Clickbaiting, sondern auf tiefer gehenden Geschichten. Dazu wird die Auswahl vorsortiert, die Empfehlungen kommen nur von vertrauenswürdigen Quellen. Aber auch eine automatische Empfehlung, basiert auf eigenen Vorlieben des Lesers, wird es auch geben. Apple erklärt auf der Bühne gleich das Prinzip: Die letzten fünf gelesenen Artikel werden auf das iPhone oder iPad heruntergeladen und durch die MLCore, Apples Schnittstelle für maschinelles Lernen, verarbeitet. Auf Grund von destillierten Themen schickt die App eine Anfrage an die Datenbank und holt daraus die relevanten Beiträge, weder Apple noch die Verleger können auf die Interessen des jeweiligen Nutzers schließen, sondern liefern nur die angefragten Inhalte. Somit wird auch Ad Tracking unmöglich.

Es ist übrigens schon der zweite Versuch Apples, im Bereich Media etwas zu bewegen. Bereits 2011 startete mit iOS 5 der so genannte Zeitungskiosk, eine gesonderte Abteilung in iTunes mit Magazinen und Zeitungen. Apple hat aber seinen digitalen Kiosk längst eingestellt. Wie nachhaltig Apple News+ sein wird, wird sich wohl in einem bis zwei Jahre zeigen. Sobald größere Magazine aus dem Angebot verschwinden, wird das bedeuten, dass die Verleger an dem digitalen Angebot nicht genug verdienen. Und eine gute Auswahl an Inhalten ist für solche Flatrate-Angebote ausschlaggebend. In Deutschland muss man jedoch nach wie vor zu den Alternativen wie Blendle oder Readly greifen – oder weiterhin mehrere Abos verwalten.

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