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Apple-News-Rivale? "Bild" und "Welt" jetzt im Readly-Abo

22.03.2019 | 12:23 Uhr | Stephan Wiesend

Angriff auf Apple News? Mit "Bild" und "Welt" sind in der Medien-Flatrate von Readly erstmals Tageszeitungen enthalten – für 10 Euro pro Monat.

Für viele Tageszeitungen sind Abos der Print-Ausgabe auch heute noch die wichtigste Einnahmequelle, dank stark erhöhter Verkaufspreise. Auch die günstige Tageszeitung "Welt" kostet ja in Papierform 30 Euro im Monat. Zeitschriften-Flatrates für 10 Euro, wie sie Apple mit Apple News offensichtlich plant, sind da für viele Verlage ein Wagnis und eine Provision von 50 Prozent (je nach Nutzungszeit) ein Affront. "New York Times" und "Washington Post" haben Apples Angebot bereits abgelehnt .

Kurz vor der am Montag erwarteten Vorstellung von Apples Medien-Angebot hat jetzt der Springer-Verlag eine Kooperation mit dem Mediendienst Readly gestartet. Der per iOS, Android und per Browser nutzbare Dienst könnte sich als größter Konkurrent zu Apples Zeitschriftendienst etablieren, er bietet gegen eine Abo-Gebühr von 10 bis 12 Euro (Bezahlung per App Store) Zugriff auf tausende deutschsprachige und ausländische Zeitschriften – dazu gehören nebenbei Schwesterpublikationen der "Macwelt" wie "Macworld" und "PC Welt".

Erstmals sind seit Donnerstag neben Zeitschriften auch Zeitungen enthalten: Die Springer-Zeitungen "Bild", "Bild am Sonntag", "Welt", "Welt am Sonntag" und B.Z. Laut Springerverlag handelt es sich um eine für sechs Monate geplante Testphase. Man wolle einen neuen digitalen Vertriebsweg prüfen, unter Umständen werden weitere Zeitungen ergänzt. Laut Readly gäbe es im Heimatmarkt Schweden bereits seit drei Jahren Tageszeitungen bei Readly, wie DNV Online berichtet . Besonders erfolgreich wären hier lokale Zeitungen.

Interessant: Erfahrungen hätten etwa gezeigt, dass eine Aufteilung in separate Apps für Zeitungen und Zeitschriften bei Nutzern nur für Verwirrung gesorgt habe. "Süddeutsche Zeitung" und FAZ halten vom dem Konzept von Readly dagegen wenig, die Einnahmen wären viel zu gering.

Technische Problem gibt es nach unseren ersten Eindruck nicht: Das Format ist zwar weniger günstig als bei Magazinen, die Tageszeitungen kann man aber auf einem iPad gut lesen. Im Prinzip erhält man ja die Tageszeitung als durchsuchbare PDF-Version. Ganz ausgereift ist das Konzept aber noch nicht: Man kann zwar problemlos in einen Artikel hineinzoomen, die sonst übliche Lese-Ansicht als Fließtext wäre für längere Artikel sinnvoll.

Auf einem iPad kann man eine Tageszeitung ganz gut lesen.
Vergrößern Auf einem iPad kann man eine Tageszeitung ganz gut lesen.

Unsere Meinung

Tageszeitungen haben aktuell große Probleme. Anzeigeneinnahmen und Kiosk-Verkauf sind stark eingebrochen, die Abos für die gedruckte Zeitung sind trotz teurer Digital-Projekte immer noch wichtige Einnahmequelle. Ob eine günstige Zeitungs-Flatrate aber die Lösung ist? Aktuell lässt sich das noch schwer absehen. Ein Verlag kann dadurch zwar schnell seine digitalen Umsätze steigern, nicht wenige Abonnenten könnten aber über kurz oder lang zum günstigeren Readly-Abo wechseln. Nach unserer Einschätzung ist das Konzept von Readly  für Boulevard-Zeitungen, die ja gewohnt sind, sich auf einem Marktplatz "zu verkaufen" weit interessanter als für die überregionale Abo-Zeitungen wie FAZ oder SZ. Wir sind gespannt, wie Apple diese Probleme mit seinem kommenden Angebot lösen will.

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