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Apple Pay schafft Bargeld ab – gut oder böse?

20.10.2016 | 13:38 Uhr |

Früher oder später kommt Apple Pay nach Deutschland, bis jetzt ist bleibt die Frage, ob der Dienst in einem Bargeld-Land angenommen wird.

Auf seiner Japan-Reise hat Apple-CEO Tim Cook durchblicken lassen, welche hohen Ziele Apple mit seinem Bezahl-Service Apple Pay verfolge – nichts weniger als die Abschaffung des Bargeldes. Gewiss hätte das Vorteile, man denke nur daran, um wie viel schneller man künftig im Supermarkt bezahlen könne, wenn man nicht ständig in einem schier kiloschweren Portemonnaie nach 17 Cent oder 1,68 Euro in kleinen Münzen kramen müsste? Nun sollte man sich eigentlich – vielleicht mit gemütlichem Kramen nach Centstücken – dagegen wehren, vom Leben ständig auf die Beschleunigungsspur gezwungen zu werden und auch dann in sich gekehrt lächeln, wenn sich vor einem beim Bezahlvorgang niemand vor einem von der Länge der Kassenschlange beeindrucken lässt. Die Abschaffung des Bargeldes hätte auch andere Vorteile.

Einige davon ließen sich aber genau so gut als Nachteile interpretieren. Die von Bargeld garantierte Anonymität der Zahlungsvorgänge etwa. Gewiss würden krumme Geschäfte ohne Bargeld erschwert und Steuerhinterziehung quasi unmöglich, aber schon jetzt geht nicht immer jeden etwas an, wofür und an wen man sein Geld ausgibt. Zudem kann man nicht wissen, ob ein heute vertrauenswürdiger demokratischer Rechtsstaat nicht schon in wenigen Jahren sich in etwas verwandelt hat, dem man lieber nicht mehr alle Finanzen offenbart. Womöglich sind diese Befürchtungen aber stark übertrieben, denn wie das Beispiel Bitcoin zeigt, finden sich auch im Digitalen anonyme Alternativen, die nicht nur von Paranoikern und Kriminellen benutzt werden, sondern von ganz normalen Bürgern.

Apple Pay in Deutschland – Die Hinweise verdichten sich

Insofern könnten die vor uns stehenden bargeldlosen Zeiten womöglich gar nicht einmal die Schlechtesten sein. Die Vorteile der Bequemlichkeit liegen auf der Hand: Nie mehr im Geldbeutel kramen müssen, nie mehr rechtzeitig an die Abhebung am Geldautomaten denken, volle Ausgabenkontrolle per App auch für alltägliche Transfers ("Ich hatte doch noch einen Fuchzger in der Börse? Wo ist der hin und was macht der Zwanzger da?"). Allein, die goldenen Zeiten, in denen wir nicht nur mit unserem guten Namen zahlen – eine Kreditkarte bleibt ja Voraussetzung – sondern mit einem Wink unseres Handgelenks oder einem Fingertipp auf den iPhone-Bildschirm sind noch etliche Dekaden von uns entfernt. Heute vor zwei Jahren hatte Apple in den USA Apple Pay eingeführt und versprochen, so schnell wie möglich neue Länder hinzuzufügen. Von den G7-Nationen fehlen aber noch heute Italien und Deutschland – das soll sich aber in Kürze ändern. Schon die Vorbehalte gegen Plastikgeld sind hierzulande immer noch groß bei Kunden und Händlern – versuchen Sie mal, Ihre Frühstückssemmel heute mit Ihrer Mastercard oder der Amex zu bezahlen. Zudem wirft eine hypothetisch bargeldlosen Welt weitere Fragen auf: Muss man etwa Kinder mit iPhone, Apple Watch oder wenigstens einer Kreditkarte schon in jungen Jahren ausstatten, damit sie überhaupt ein Taschengeld erhalten können, über das sie frei verfügen dürfen? Was ist Technik-Verweigerern? Das müssen nicht nur harte Ideologen sein, sondern können auch solche sein, die bei der Erfindung von Apple Pay schon einige Jahre auf den Buckel hatten und drei Währungsreformen erlebt hatten? Wie steckt die Oma dem Enkel heimlich einen Fünfer oder Zehner zu? Sprich: Was ist mit unseren Kindern und mit unseren Eltern?

Zwei Jahre sind in der IT eigentlich Ewigkeiten, man kann also sagen, Apple Pay und andere Bezahlsysteme der Smartphone-Ära kommen seit Ewigkeiten nicht so richtig voran. Damit diese Form des Geldtransfers der Normalzustand wird und nur noch wir dann Uralten von den Fuchzgern und den Zwanzgern erzählen können, werden noch etliche Jahrzehnte respektive IT-Zeitalter vergehen. Wir können aber sagen: Wir waren von Anfang an dabei.

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