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Apple Silicon kommt heute – Apple Store geht vorher offline

10.11.2020 | 10:31 Uhr | Peter Müller

Die Spannung steigt, viele Details über das "One more thing." sind noch nicht bekannt. Nur eines scheint klar: Heute Nachmittag kann man bei Apple nicht einkaufen.

Wird wieder ein langer Tag heute, das Wichtigste passiert gegen 19 Uhr: One more thing. Wir gehen davon aus, dass es zwar weit mehr als nur ein Ding zu zeigen gibt, Apple aber bei dem einen Thema Mac bleiben wird. Dann können wir ab dem Nachmittag auch wieder ein Phänomen beachten, das es so auch nur bei Apple gibt: Der Laden macht zu und alle Leute freuen sich.

Kein Grund zur Freude ist, wenn dieser Tage die Läden wieder schließen und bald vielleicht nur noch die allerwichtigsten Versorger wie Lebensmittelgeschäfte und Apotheken offen bleiben. Auch in normalen Zeiten ist es nicht schön, wenn man kurz nach Ladenschluss ankommt – oder das Geschäft anderweitig geschlossen hat: Aufgabe, Umzug, Renovierung, Krankheitsfall, Streik. Der Onlinehandel tickt natürlich anders, er kennt keinen Ladenschluss, aber durchaus den Streik – sei es den der Software. Auch das ist ärgerlich, wenn der Lieblingsshop auf 404 oder 503 steht. Nur wenn Apple an seinen virtuellen Laden ein ebenso virtuelles Schild hängt, dass man ja bald zurück sei, ist das Grund zur Freude – denn dann stehen neue Produkte an.

Zweifelhaft, ob es die schon heute Abend zu bestellen gibt, eher müssen wir uns auf ein weiteres Aus des Apple Online Store am Freitag dieser Woche einrichten. Doch werden Apples Webmaster unmittelbar nach Arbeitsbeginn am Dienstag in Cupertino neue Macs auf die Seiten bringen, weswegen der Laden an unserem Nachmittag erst einmal dicht ist.

Der absurde Store, dessen Kunden sich freuen, wenn er mal nicht verfügbar ist, nahm seinen Anfang ebenso an einem 10. November, dem des Jahres 1997 – einem Montag. Apple hatte zu einer Pressekonferenz geladen, die damals noch nicht hochtrabend "Special Event" genannt wurde oder gar ein Motto bekam. Die Show vom 10. November 1997 trug aber eindeutig (wieder) die Handschrift des nicht ganz ein Jahr zuvor zu Apple zurück gekehrten Steve Jobs. Nicht nur der Apple Online Store sollte weltverändernd sein, hieß es, sondern auch die Produkte, die an jenem Abend im Herbst Premiere hatten. Powermac G3 hießen die wahlweise als Desktop oder als Tower erhältlichen neuen Maschinen, die eben jenen PowerPC-Chip eingebaut hatten, dessen dritte Generation deutlich schneller geriet als die davor. Der PowerPC, aus einer Allianz Apples mit IBM und Motorola hervorgegangen, die das Unternehmen einging, als Steve Jobs im Exil weilte, war mit dem G3 ausgereift. Der im Jahr 1999 präsentierte G4 war dann beinahe die Krone der RISC-Chip-Schöpfung, ließ sich aber nicht mehr wesentlich verbessern, bevor er zu viel Energie benötigte und damit Abwärme produzierte, die nur noch mit lauten Lüftern aus großen Gehäusen zu bringen waren – ein Powerbook G5 war so unmöglich geworden und Apple wechselte zu Intel.

Nun ist der nächste Wechsel angekündigt, den Apple nicht wagen würde, wenn er keine Vorteile brächte. Erste Benchmarks des Developer Transition Kits, das Apple im Juni an Entwickler gegeben hatte, ließen aus deren Kreisen aufhorchen: Der A12Z im Mac-Mini-Gehäuse war konkurrenzfähig mit dem jüngsten Macbook Pro mit Intel-Chip. Da wir heute etwas über 5-Nanometer-Chips der Reihe A14 etwas zu hören bekommen sollten, wird die Erwartung an das Apple Silicon recht hoch ausfallen. Alles andere als ein derart großer Sprung wie mit dem G3 vor 23 Jahren würde aber auch überraschen.

An sich gibt es nur zwei Möglichkeiten für den erneuten Umstieg, meint Science-Fiction-Autor und Macworld-Kolumnist Dan Moren . Apple könnte wie zu Beginn des Wechsels zu Intel vor bald 15 Jahren einfach bestehende Rechner nehmen und neue Chips einbauen, neuer Wein in alten Schläuchen, gewissermaßen. Oder recht radikal völlig neue Produkte bringen, die dann auch neue Namen tragen, wie es letztendlich vor 15 Jahren auch geschah, als aus Powerbooks Macbooks wurden. Letztendlich wird aber der Wechsel auf Apple Silicon so tief greifend, dass viel für das zweite Vorgehen spricht: iOS- und iPadOS-Apps werden nativ auf den neuen Macs laufen, Windows dagegen eher gar nicht, zumindest Boot Camp wird sich aus dem Apple-Kosmos verabschieden. So könnten wir heute Abend nicht nur etwas über den neuen Mac erfahren, sondern auch einen neuen Namen. Nur eines scheint gewiss: Apple wird nicht noch einmal die Prozessorplattform wechseln. Der Mac kommt endlich heim.

Unsere Live-Berichterstattung zum Special Event "One mire thing." finden Sie hier.

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