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Apple-Studie: Kognitive Gesundheit per iPhone-Gebrauch vorhersagen

21.01.2020 | 15:52 Uhr | Thomas Hartmann

Aufgrund der Art und Weise, wie gesunde oder bezüglich ihrer geistigen Leistungsfähigkeit beeinträchtigte Probanden Apps benutzen, lässt sich zukünftig womöglich frühzeitig eine Diagnose erstellen.

Gesunde Gruppen und solche mit diagnostizierten kognitiven Beeinträchtigungen nutzen Apps in unterschiedlicher Weise. Dies zeigt eine Untersuchung mit 113 Erwachsenen im Alter zwischen 60 und 75 Jahren über zwölf Wochen, wie Technology Review vom MIT berichtet. Ein Drittel von diesen Teilnehmern (31 Personen) wurde zuvor klinisch eine geistige Beeinträchtigung diagnostiziert, 82 wurden nach diesen Untersuchungen als gesund eingestuft.

Demnach haben Wissenschaftler von Apple die Nutzung der Probanden bei ihrem Handygebrauch genau überwacht – sobald das iPhone entsperrt bis es wieder zur Seite gelegt wurde. So ließ sich genauestens die Sequenz der benutzten Apps protokollieren und kategorisieren, um sie in einem maschinellen Computer-Lernprogramm auszuwerten.

Mit diesem Programm konnten gesunde von kognitiv beeinträchtigten Usern zu etwa 80 Prozent aller Fälle korrekt unterschieden werden, was 30 Prozent über der Zufallserwartung liegt. Dabei zeigte sich, dass der Kontext, in dem Apps genutzt werden, für die Vorhersage des Lernprogramms entscheidend war: Wurde eine App wie Nachrichten beispielsweise allein genutzt, wies dies auf eine gute gesundheitliche Verfassung hin. Die Nachrichten-App in Kombination mit Mail dagegen war assoziiert mit einer gesundheitlich beeinträchtigten Person. Warum diese und andere Kombinationen in dieser Hinsicht aussagekräftig sind, ist unklar. Die komplette Studie gibt es in englischer Sprache als PDF inklusive einer kurzen Zusammenfassung und Nennung der Autoren hier . Beteiligt war außer Apple-Mitarbeitern auch Johannes Rauber von der Universität in Tübingen.

Noch ist die Datenbasis sehr gering und es gibt auch noch zahlreiche unzuverlässige Zuweisungen (sogenannte "false positives"). Dennoch ist klar, dass bei einem Anteil von 15–20 Prozent von Menschen, die älter als 65 Jahre sind, von zumindest leichten kognitiven Beeinträchtigungen bezüglich ihres Erinnerungs-  oder Denkvermögens sowie des Risikos an Alzheimer zu erkranken derartige Studien wichtig sind, vor allem, wenn sie dazu führen, dass sich per Smartphone-Gebrauch in naher Zukunft frühzeitig Diagnosen und rechtzeitige Behandlungsmöglichkeiten erstellen lassen. Wie wichtig der gesamte Gesundheitsbereich für Apple ist, hat Tim Cook jüngst wieder betont.

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