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Apple Watch erkennt nicht alle Arten von Vorhofflimmern

28.02.2020 | 16:10 Uhr | Halyna Kubiv

Das Vorhofflimmern ist oft ein Symptom für schwerwiegende Herzleiden. Die Apple Watch kann darauf hinweisen, es gibt dabei aber eine wichtige Einschränkung.

Apple hat mit der Apple Watch Series 4 eine wichtige Neuerung ergänzt: Ein Ein-Kanal-Kardiogramm. Zusätzlich dazu kann man in den Einstellungen einen Regler aktivieren und sich auf einen unregelmäßigen Herzrhythmus hinweisen lassen (Watch-App – Mitteilungen – Herz – Unregelmäßiger Rhythmus). Schlägt die Uhr dann Alarm, ist es immer besser, sich von einem Arzt untersuchen zu lassen. Ein Umkehrschluss ist aber eben nicht möglich: Schlägt die Uhr keinen Alarm, gibt Apple keine Garantie, dass das Herz des Nutzers im Top-Zustand ist. In dem Support-Dokument zu der Funktion weist Apple auch darauf hin: "Die Apple Watch achtet nicht permanent auf Vorhofflimmern. Dies bedeutet, dass die Apple Watch nicht jedes Auftreten von Vorhofflimmern erkennen kann und Personen mit Vorhofflimmern möglicherweise keine Mitteilung erhalten." Die Watch ist nämlich so eingestellt, dass der Herzrhythmus im Ruhezustand des Nutzers überprüft wird, damit die Messung genauer bleibt. Wenn eine Warnung auf der Apple Watch erscheint, bedeutet dies, dass die Watch den unregelmäßigen Rhythmus durch mehrere Messungen überprüft hat. 

Was jedoch weniger bekannt ist: Die Apple Watch ist darauf getestet, den unregelmäßigen Herzrhythmus unter bestimmten Bedingungen festzustellen, nämlich mit einer Herzschlagrate von bis zu 120 Schläge pro Minute. Darauf weist in einem längeren Artikel der Experte John Nostra auf " Fortune " (via " 9to5Mac ") hin. Dieser Umstand ist demnach als sehr wichtig hervorzuheben, damit sich ein  Nutzer mit Verdacht auf Herzunregelmäßigkeiten die Apple Watch ab Series 4 nicht als Freifahrtschein kaufen. Zwar weist Apple bei jedem Support-Dokument rund um Herz-Mitteilungen und Messungen darauf hin, dass man sofort den Arzt aufsuchen muss, wenn man sich nicht wohl fühlt. Der Experte macht sich jedoch Sorgen, dass sich bei Nutzern ein falsches Sicherheitsgefühl aufbaut: Wenn mich meine Apple Watch nicht alarmiert, dann wird schon alles stimmen.

Interessanterweise ließ Apple bei der FDA die EKG-Funktion und dementsprechend auch die Mitteilungen zum unregelmäßigen Herzrhythmus nur bis 120 Schläge pro Minute freigeben. Dies folgt aus den Unterlagen , die das Unternehmen an die Behörde einreichte. Vor allem interessant sind die Definitionen, die hinter den kurzen Ergebnis-Mitteilungen der EGK-App stecken: Weist die App einen Sinusrhythmus auf, bedeutet dies, die Apple Watch hat bei einer Herzrate von 50 bis 100 Herzschläge pro Minute gemessen und weniger als vier Extraschläge registriert. Meldet die Apple Watch dem Nutzer gegenüber Anzeichen von Vorhofflimmern, kann sie im Hintergrund zwischen Vorhofflimmern bei einer Herzrate zwischen 50 und 100 Schläge pro Minute sowie 101 und 120 Schläge pro Minute unterscheiden. Wenn die App auf dem Bildschirm "Keine Ergebnisse" anzeigt, gibt es dazu aber mehrere Möglichkeiten: Die App hat einen regulären Rhythmus über 100 Schläge pro Minute gemessen, die App hat den Herzschlag unter 50 Schläge pro Minute gemessen, die App hat den Herzschlag über 120 Schläge pro Minute gemessen, andere Rhythmusauffälligkeiten als Vorhofflimmern oder regulären Rhythmus. Letztendlich war aber das Signal oder die Aufzeichnung gestört, sodass eine Analyse unmöglich war.

Unsere Meinung : Selbst wenn man die Apple Watch als Fitnesstracker oder Mitteilungs-Anzeige nutzt, kann sie wichtige Hinweise zur eigenen Gesundheit liefern. Man darf sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen, wenn keine Alarme vorliegen. Keine Smartwatch der Welt, selbst die beste, kann einen Besuch bei einem kompetenten Arzt ersetzen. Man sollte besser die Beschränkungen der Apple Watch kennen, damit kein Gefühl von falscher Sicherheit aufkommt.

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