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Apple Watch mit Schlafüberwachung und Handwaschen: Über Jahre entwickelt

30.06.2020 | 15:39 Uhr | Halyna Kubiv

Es kam auf der WWDC passend: Kevin Lynch, verantwortlich für die Apple Watch, wusch sich die Hände und die Uhr erkannte den Vorgang.

Die kurze Einspielung aus dem Waschraum kam genialem Marketing recht nahe: Kevin Lynch, VP of Technology bei Apple, wusch sich die Hände und die Apple Watch erkannte automatisch das Prozedere, zählte die Zeit bis zu den obligatorischen 20 Sekunden herunter und belohnte den Nutzer mit einer wie üblich schön designter Grafik. Passender konnte Apple die Funktion nicht vorstellen, denn in der weltweiten Pandemie wurden mehrere Erkenntnisse in der Praxis bestätigt, vor allem die eine, dass das Händewaschen die billigste und relativ effektive Methode ist, gleich mehreren übertragbare Krankheiten vorzubeugen.

Doch eigentlich arbeitet Apple an der automatischen Händewaschen-Erkennung seit mehreren Jahren, hat in einem Interview gegenüber TechCrunch Kevin Lynch verraten. Zwar hat das WearOS von Google eine vergleichbare Funktion vor zwei Monaten implementiert, der Nutzer muss händisch den entsprechenden Timer in der Uhr-App starten. Apple setzt jedoch auf eine Erkennung des Waschvorgangs, ein zentrales Element dabei ist der Geschwindigkeitssensor der Uhr. Die Bewegungen beim Händewaschen weisen ein bestimmtes Muster auf, die der Sensor erkennt und der Software meldet. Gleichzeitig setzt Apple auf Maschinelles Lernen, um möglichst viele solche Muster zu erkennen. Das eingebaute Mikrofon liefert zusätzliche Daten, die das Händewaschen besser bestätigen sollen. Zum einen horcht die Software nach Plätschern des fließenden Wassers, zum anderen – nach den Plantschgeräuschen der aufgeschäumten Seife. Nach Lynch ist das ein Ergebnis von vielen Versuchen und nicht über die Nacht entstanden.

Apropos, die Nacht. Ab watchOS 7 kann die Apple Watch den eigenen Schlaf überwachen, auch diese Funktion hat Apple über die Jahre entwickelt. 2017 hat das Unternehmen eine kleine Firma Beddit gekauft , die sich darauf spezialisierte, mittels der Hardware Schlafdaten zu sammeln und auszuwerten. Doch Apple hatte die Schlafüberwachung seit dem Start der Apple Watch 2015 auf dem Schirm, verrät Lynch gegenüber Cnet . Apple hat eigene privaten Studien im Bereich der Schlafforschung durchgeführt um zu verstehen, wie die Menschen (ein)schlafen und aufwachen. Anhand dieser Studien ist keine App, sondern gleich ein Konzept entstanden, wie Apple Geräte dem Nutzer im Alltag helfen, besser zu schlafen. Dazu gehört eine einstellbare Ruhezeit vor dem Schlafengehen, wenn der Nutzer Lichter dimmen, entsprechende Musik spielen oder beispielsweise Bücher-App starten kann – alles, um einem zu helfen, sich mental auf den Schlaf einzustellen. Laut Lynch hat sich Apple eben anhand der Studien dagegen entschieden, diverse Schlafphasen wie REM, leichter Schlaf etc. auszuwerten. Zum einen ist es sehr schwer, ohne Gehirnsignale nur anhand der Bewegungsdaten und Herzfrequenz festzustellen, ob sich der Mensch gerade in der REM-Phase befindet, zum anderen haben die Studien gezeigt, dass beim Schlaf auf die Dauer ankommt, nicht auf den Messwert der unterschiedlichen Phasen. Vor allem, man kann sich nicht so einfach beibringen, mehr in einer REM-Phase zu schlafen. Zusätzliche Daten würden auf den Nutzer noch mehr Druck ausüben, deswegen hat Apple nur eine simple Auswertung nach Dauer implementiert.

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