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Apple antwortet Spotify mit konkreten Zahlen

26.06.2019 | 09:12 Uhr | Peter Müller

Wer denn nun Recht hat – Apple oder Spotify, – wird die EU-Wettbewerbskommission entscheiden.

15. März 2019: Apple gegen Spotify – Die Vorwürfe

18. März 2019: Spotify reicht eine Beschwerde bei der EU gegen Apple ein

06. Mai 2019: EU leitet eine Untersuchung gegen Apple ein

26. Juni 2019: Apple antwortet Spotify mit konkreten Zahlen

Meldung vom 15. März 2019: Die Vorwürfe von Spotify und seinem Gründer Daniel Ek kann Apple nicht so stehen lassen, zumal Ek auf einer Konfernez in Berlin nachlegt und EU-Kommissarin Margrethe Vestager eine Untersuchung der Angelegenheit zumindest in Erwägung zieht . In seinem Newsroom veröffentlicht Apple daher eine ausführliche Stellungnahme und antwortet auf die konkreten Vorhaltungen des Konkurrenten.

Dieser wirft Apple unter anderem vor, Updates für seine App zu erschweren und zu blockieren. Dem hält Apple entgegen, dass man für Spotify bis dato 200 App-Updates freigegeben habe, die zu 300 Millionen Downloads führten. Es stimme auch nicht, dass man den Schweden Zugang zu weiteren Geräten und Plattformen verweigere, gerade in Sachen AirPlay 2 und Siri bekäme Spotify jede Unterstützung. In CarPlay sei die App fest verankert und zudem eine der ersten für watchOS 5 gewesen, mit dem derartige Lösungen überhaupt erst möglich waren.

84 Prozent der im App Store angebotenen Apps sind völlig kostenlos und auch Apple verdiene dabei nicht mit, wenn diese sich etwa über Werbung finanzierten oder ein Abo außerhalb des Stores verkaufen – siehe Netflix oder Amazon. Spotify in der freien Version ist also eine unter vielen Anwendungen, die keine direkten Umsätze über den App Store machen und daher auch keine Provisionen an Apple zahlen. Für das sichere System der In-App-Käufe verlangt Apple ab dem zweiten Jahre eines Abos auch nur 15 Prozent Provision - ein Umstand, den Spotify in seinem Angriff auf Cupertino verschweigt. Ebenso habe Spotify zu erwähnen vergessen, dass die große Mehrheit seiner Kunden den Dienst in der werbefinanzierten Form nutzt respektive über den Provider bezahlt oder subventioniert bekommt - auch hier sieht Apple natürlich keinen Cent.

Apple verbinde schon jetzt Spotify mit Millionen Kunden weltweit, stelle Entwicklertools bereit und vor allem ein sicheres und vertrauenswürdiges Bezahlsystem. All das wolle Spotify nicht honorieren und lieber 100 Prozent der Umsätze für sich behalten – abzüglich der Zahlungen an die Rechteinhaber an der Musik, sollte man natürlich noch erwähnen.

Aber auch hier hält Apples Statement noch einen Seitenhieb parat, denn Spotify teile zwar Apples Ziel, die Welt mit Musik zu versorgen. Doch wolle der Konkurrent mehr von der Arbeit anderer profitieren, nicht nur von Distributionskanälen wie dem App Store, sondern auch von Künstlern und ihren Agenten: Die Schweden zahlen deutlich weniger an Musiker aus, mit dem US Copyright Royalty Board ist Spotify einen Rechtsstreit eingegangen, weil dieses das Unternehmen zu einer Erhöhung der Lizenzgebühren zwingen wollen. Spotify verklage also Musiker. Apples Ansatz sei ein anderer, als möglichst viel Geld aus einem begrenzten Markt zu quetschen: Nämlich den Kuchen zum Profit aller zu vergrößern.

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Update vom 18. März 2019:

Nachdem Apple am Freitag auf Spotifys Vorwürfe ausgiebig geantwortet hatte, legt der Streamingdienst aus Schweden im Kampf der Worte noch einen drauf, berichtet Variety . Jeder Monopolist würde behaupten, den Wettbewerb zu achten und die Konkurrenz noch zu behindern, Apples Einlassungen seien also nichts Neues und genau das, was man erwartet habe, erklärt ein Vertreter des Unternehmens. Über die eingereichte Beschwerde werde nun die EU-Kommission befinden müssen.

Update vom 6. Mai 2019:

Untersuchung : Spotifys Klagen über Apples angeblich unfaire Praktiken zeitigen Folgen – die EU-Wettbewerbskommission hat gegen Apple ein formales Antikartellverfahren eingeleitet, berichtet die Financial Times. Dem vorangegangen waren Befragungen von Kunden und Konkurrenten, die den Wettbewerbshütern nahe legten, die Angelegenheit näher zu untersuchen. Weder Apple noch Spotify wollten die Entscheidung bisher kommentieren, das Verfahren kann sich über Jahre hinziehen und soll in den nächsten Wochen beginnen. Apple hatte die Vorwürfe Spotifys zurückgewiesen, eine unfaire "Apple-Steuer" zu erheben und die Konkurrenz damit zu behindern. Im Gegenteil profitiere Spotify von der Infrastruktur des App Stores, wolle aber keinen Beitrag dafür leisten.

Update vom 26. Juni 2019:

Ausgerechnet: Spotify beschuldigt Apple, im App Store zugunsten seines eigenen Angebots Apple Music die Konkurrenz zu behindern. Vor allem die von den Schweden als "Apple Steuer" bezeichnete Umsatzbeteiligung stößt sauer auf. Apple stellte sich bisher auf den Standpunkt, wer die Services des Stores nutzen wolle, könne dafür auch bezahlen und legt nun in einer Stellungnahme an die EU-Kommission mit einer Rechnung nach, die Spotifys CEO Daniel Ek der Lügen straft. Denn in konkreten Zahlen sieht die Sache ganz anders aus. Apple verlangt ab dem zweiten Jahr für Abos in Apps nur noch 15 anstatt 30 Prozent Beteiligung, Spotify habe ohnehin nur von in den Jahren 2014 bis 2016 Abos über den App Store verkauft – 600.000 Stück. Für diese Abos fällt also längst der niedrigere Tarif an, für etwa 0,5 Prozent der 100 Millionen Spotify-Kunden. Es könne somit keine Rede davon sein, dass Spotify die Preise für seinen Service "künstlich" erhöhen müsse, um Verluste durch die "Apple-Steuer" zu kompensieren, was der Wettbewerbsfähigkeit schade.

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