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Apple bemüht Epic-CEO als Kronzeugen pro App Store

14.04.2021 | 12:42 Uhr | Peter Müller

Was Apple immer wieder betont, liegt jetzt in ausführlicher Form für das Gericht vor: Der App Store sei ein Segen – und gar nicht mal so teuer.

In Vorbereitung des Prozesses gegen Epic Games hat Apple mehrere hundert Seiten zur Beweisaufnahme dem Gericht eingereicht, in der laut Macrumors einige interessante Details stehen, die so noch nicht bekannt waren. Die Eskalation vom letzten August, während der Fortnite wegen Verstößen gegen die Richtlinien des App Store aus dem Angebot flog, sei nicht spontan gewesen, sondern von langer Hand über zwei Jahre hinweg vorbereitet, heißt es etwa darin.

Lob der Privatsphäre – Argument für Apple

Apple konzentriert seine Argumentation vor allem auf die Vorzüge des App Store als sicheres und verlässliches Angebot mit hoher Reichweite – und betont, dass die erhobenen Gebühren keineswegs zu hoch seien. Gegenüber dem "Toronto Star" hatte Tim Cook diese Woche das auf die prägnante Zeile, der App Store solle kein Flohmarkt werden, verkürzt.

Kronzeugen für die Vorteile des Angebots findet Apple ausgerechnet beim Kläger: So lobt etwa Epic-CEO Tim Sweeney den starken Schutz der Privatsphäre der Nutzer, Apple sei da wesentlich weiter als Google. Aber genau hier liege nun mal der Hund begraben, argumentiert Apple, würde es eine Vielzahl von App Stores geben, könnte diese Sicherheit mangels Überprüfung nicht mehr gewährleistet sein. Tim Cook sprach im oben genannten Interview von etwa 100.000 Einreichungen pro Woche, aus denen Menschen und Maschinen 40.000 aussortieren müssten.

Apple: 30 Prozent sind fast nichts, 15 Prozent noch weniger

Epic stört sich vor allem an den Gebühren in Höhe von 30 Prozent des Umsatzes, diese seien aber vergleichsweise niedrig, argumentiert Apple. Zudem müssten kleinere Unternehmen, für die sich Epic angeblich einsetzt, bei einem Umsatz von weniger als einer Million US-Dollar im Jahr nur noch 15 Prozent abgeben. Das Small Business Program des App Store läuft seit Anfang dieses Jahres.

Im Gegensatz zum klassischen Verkauf von Spielen auf zunächst Disketten, später CDs und DVDs in Ladengeschäften sei der digitale Vertrieb über den App Store ein bedeutender Fortschritt für Entwickler – und letztlich auch die Kunden. Epic selbst hat in seinen Stores für den Verkauf Dritthersteller-Games gar 60 Prozent Gebühr gefordert, was sogar noch ein Stück günstiger war als die sonst üblichen 70 Prozent, die als Vertriebskosten über den klassischen Spiele-Handel angefallen sind. Der App Store sei daher eine unvergleichlich praktische und günstige Option, auf einer sicheren Plattform ein großes Publikum zu erreichen, sodass 30 Prozent Gebühr (oder 15 Prozent im ermäßigten Tarif wie im zweiten Jahr eines Abos) mehr als gerechtfertigt wäre für sein "reibungsloses Marketing-, Vertriebs- und Transaktionssystem"

Auch hier führt Apple Sweeney als Kronzeugen an: "Sehen Sie, Sie stecken eine riesige Menge an Aufwand in die Entwicklung eines Spiels. Wenn Sie es veröffentlichen müssen, dann bedeutet das im Grunde genommen eine Verdopplung des Aufwands, wegen der ganzen Politur und Dokumentation, die benötigt wird. Und wenn Sie damit nicht ernsthaft Geld verdienen wollen, dann ist es das nicht wert."

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