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Trump wiederholt seine Drohung gegen Apple

16.01.2020 | 09:40 Uhr | Peter Müller

Strafverfolger wollen wieder an iPhone-Daten. Apple unterstützt die Behörden, zieht aber klare Grenzen.

Was bisher geschah:

14.01.2020: US-Staatsanwaltschaft verlangt iPhone-Backdoor, Apple widerspricht
15.01.2020: Trump droht Apple wegen Pensacola-iPhone
16.01.2020: Apple bereitet sich auf einen Rechtsstreit mit FBI
23.01.2020: Trump wiederholt Drohungen gegen Apple

23.01.2020: Trump wiederholt Drohungen gegen Apple

Weiter geht's : Präsident Trump hält den Druck auf Apple aufrecht, um Hintertüren für iPhones zu erhalten. Dabei setzt er weiter auf das Narrativ, das Weiße Haus habe Apple im Zollstreit mit China geholfen und nun könne man ja Dankbarkeit erwarten. Gegenüber CNBC erklärte der POTUS 45, Apple halte die Schlüssel von so vielen "Kriminellen und kriminellen Köpfen" in den Händen – Apple müsse also helfen, den Fall des Shootings in Pensacola, Florida, aufzuklären. Dabei übersieht oder verschweigt der Präsident aber bewusst, dass Apple sehr wohl die Strafverfolger unterstützt hat, indem es die iCloud-Backups des Attentäters nach richterlicher Anordnung den Behörden übergeben hat und die Schlüssel für die nämlichen Geräte, auf denen weitere Daten von Interesse gespeichert sein können, eben nicht in den Händen hält. Es gibt keine Hintertür in iOS, an der Secure Enclave vorbei, durch die Apple oder ein anderer in ein gesperrtes iPhone eindringen könnte. Es darf auch eine solche Lücke nicht geben, denn sie würde nicht nur die Daten von "kriminellen Geistern" offen legen, sondern die Sicherheit und die Privatsphäre aller unbescholtenen Bürger betreffen. Derartiges können nur absolutistische, autokratische Herrscher wünschen. In derartigen Kreisen sind auch unverhohlene Drohungen und quid-pro-quo-Methoden à la Cosa Nostra üblich – sollten es im Land of the Free und im Home of the Brave aber eben nicht sein.

16.01.2020: Apple bereitet sich auf einen Rechtsstreit mit FBI vor

In der Defensive : Im letzten Jahr hatte Cook-CEO Tim Apple, nein, Apple-CEO Tim Cook Bewunderung und Erstaunen – vielleicht sogar manches Entsetzen – dafür geerntet, dass er offensichtlich so gut mit dem Präsidenten kann , obwohl die beiden Männer und die Werte, die sie und ihre Firmen vertreten, konträrer kaum sein könnten. Trump lobte Cook dafür, Produktionsjobs (recht wenige) in den USA zu halten und dafür, einen direkten Gesprächsfaden zu suchen. Cook wies dafür immer dezent darauf hin, dass die Politik des Präsidenten für Apple und die USA eher schädlich ist, ohne aber zu laut zu kritisieren oder gar politische Konsequenzen zu fordern. Nun könnte aber der Wind gedreht haben und Trump mit Apple auf Kollisionskurs gegangen sein. Dem POTUS missfällt, dass Apple keine Hintertüren in die iPhones Verdächtiger öffnet und schickt erste kaum verhohlene Drohung gen Cupertino. Wie Business Insider nun berichtet, bereiten sich Tim Cook und die weitere Unternehmensführung Apples nun auf einen Rechtsstreit vor, in dem es um nicht weniger gehen könnte als um Apples Sicherheitsphilosophie. Tim Cook habe sich einige renommierte Rechtsberater getroffen, die Apple in einem etwaigen Rechtsstreit mit dem Staat verteidigen könnten. Apple treffe diese Maßnahmen präventiv und hofft, einen Prozess vermeiden zu können. Indes erhöht der Trump-Clan den Druck auf Apple. Finanzminister Steven Mnuchin winkt in einem Interview mit CNBC mit mehr als einem Zaunpfahl: "Ich verstehe die Ansicht des Präsidenten und es ist absolut entscheidend für unsere Technologieunternehmen, mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten." Einzelheiten kenne er aber nicht und mit Apple habe er nicht gesprochen: "Ich weiß, dass Apple in der Vergangenheit bei Fragen der Strafverfolgung kooperiert hat, und ich erwarte, dass sie weiterhin ... kooperieren werden." Noch deutlicher wird der ehemalige Chefberater Steven Bannon, der gegenüber CNBC seine Ansicht äußerte, Trump würde den Hammer auf Technologieunternehmen hernieder sausen lassen. Apple müsse den Tweet des Präsidenten so ernst nehmen wie eine päpstliche Bulle. Bannon scheint immer noch vom Krieg zu träumen und dessen vermeintlich reinigender Kraft – und einem absolutistischen Herrscher im Weißen Haus.

15.01.2020: Trump droht Apple wegen Pensacola-iPhone

Quid pro quo : Anscheinend baut der US-Präsident das nächste Drohszenario auf, Erpressung oder das Aufzeigen von Alternativen, wie immer man das nennen möchte. Für seine Fans dürfte die Sache anders liegen, die würden seinen Tweet vom Dienstag dahin gehend interpretieren, dass der POTUS das reichste Unternehmen der Welt an seine patriotischen Pflichten als US-Firma erinnert und daran, was er in seiner unvergleichlichen Weisheit und Güte für Cupertino zuletzt unternommen hat. Es geht natürlich um den Fall des Shootings in Pensacola, Florida und darum, dass Apple zwar mit den Strafverfolgungsbehörden kooperiert, dabei aber klare Grenzen zieht: Es gibt keine Hintertür in iOS, durch die Ermittler in gesperrte iPhones spazieren könnten. Denn das Wissen um eine solche Lücke würden auch Kriminelle oder Drittstaaten ausnützen können, das würde ja nicht einmal das stabile Genie im Weißen Haus so wollen. Der Duktus des Tweets lässt aber darauf schließen, dass dem Twitterer dafür das Verständnis fehlt: "Wir helfen Apple die ganze Zeit beim HANDEL und so vielen anderen Themen, und doch weigern sie sich, Telefone freizuschalten, die von Mördern, Drogendealern und anderen gewalttätigen kriminellen Elementen benutzt werden. Sie werden sich an die Arbeit machen müssen und unserem großartigen Land helfen müssen, JETZT! MAKE AMERICA GREAT AGAIN." Man wird den Eindruck zwar nicht los, dass Amerika in einem besseren Zustand war, bevor er auf der Bildfläche auftauchte, doch gehört zur Wahrheit auch, dass Obama noch im Weißen Haus residierte und regierte, als das FBI schon einmal von Apple Hintertüren für die Strafverfolgung forderte. Erpressung hatte die Regierung damals aber keine angedeutet.

14.01.2020: Apple widerspricht dem Staatsanwalt, keine Hilfe geleistet zu haben

Der Fall um die tödliche Schießerei in Pensacola , Florida, bei der der Täter zwei iPhones in seinem Besitz hatte, welche der Staatsanwalt gerne auslesen würde, eskaliert allmählich. Der US-Generalstaatsanwalt William Barr wirft Apple vor, bei der Aufklärung des "terroristischen Akts" keine "substantielle Hilfe" gegeben zu haben. Apple widerspricht der Darstellung und stellt klar, man habe den Strafverfolgungsbehörden auf Anordnung hin alle Daten übermittelt, auf die man Zugriff habe.

Am 6. Januar sei die erste Anordnung in Cupertino eingegangen, am 8. Januar habe man dann von einem zweiten iPhone erfahren. Bei den Daten handelt es sich um solche, die auf Apples Servern gespeichert sind, die Ermittler hätten aber gerne Zugriff auf die gesperrten Geräte des getöteten Attentäters, eines Angehörigen des saudi-arabischen Militärs, der an einer Fortbildung auf dem Luftwaffenstützpunkt teilnahm. Apple hat aber bereits deutlich gemacht , keine Hintertür für iOS programmieren zu können und zu wollen, über die ein Zugriff auf verschlüsselte Daten möglich würde.

Microsofts CEO Satya Nadella hat vor Reportern in New York zwar die Idee einer Hintertür zur Umgehung einer Verschlüsselung als schlecht bezeichnet, Apple in dem neuen Streit mit den Behörden aber nicht wirklich unterstützt. Man könne auf beiden Seiten keine unverrückbaren Positionen einnehmen, Firmen sollten sich aber nicht grundsätzlich verweigern. Letztlich sei alles eine Frage der Gesetzgebung in einer Demokratie, ein technischer Ausweg könnte treuhänderisch verwaltete Schlüssel sein.

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