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Apple braucht dringend eine bessere Macbook-Kamera

19.07.2022 | 08:30 Uhr |

Diesen Herbst können Sie endlich Apples Webcam-Problem mit Continuity Camera und einem iPhone lösen. Aber das sollten sie nicht müssen.

Es gab eine Zeit, da war es für Apple wichtig, dass Macs eine bessere Videochat-Qualität hatten als alle anderen Computer. Vor fast 20 Jahren hat das Unternehmen die iSight Firewire-Webcam auf den Markt gebracht und damit ein Zeichen gesetzt. Mit einem Preis deutlich unter den besten Webcams heute lieferte sie klarere Bilder und einen besseren Klang als alle anderen PC-Webcams.

Zwanzig Jahre später kann Apple kaum noch mithalten. Die Webcams, die heutzutage in Macbooks verbaut werden, sind unscharf, grobkörnig und haben eine geringe Auflösung. Manche liefern immer noch 720p-Video und 1080p ist nur den neuesten Modellen vorbehalten. Ich nutze eine Logitech C920 von 2012 mit derselben Auflösung, die im Normalfall immer noch deutlich sattere Farben und Klarheit bietet. Jetzt erst kommen die Kameras von Macbooks langsam an die USB-Webcam heran, die ich seit einem Jahrzehnt verwende.

Die Frontkamera des iPhones hingegen unterstützt 4K-Auflösung seit dem iPhone 11 und liefert ein deutlich klareres Bild. Mit der Veröffentlichung von iOS 16 und macOS Ventura diesen Herbst können Sie endlich die Hauptkamera des iPhone als kabellose Webcam verwenden, was einen deutlichen Qualitätsunterschied mit sich bringt.

Webcam-Qualität im Vergleich

Apples hat der Webcams der neuesten Laptops ein Upgrade auf 1080p spendiert (Apple bezeichnet sie als Facetime-Kameras) und verspricht deutlich bessere Farben und eine höhere Klarheit dank der Rechenleistung der neuen, eigenen Chips.

Zwar macht die Bildverarbeitung einen deutlichen Unterschied, die Auflösung aber nicht. Wenn das Bild von vornherein unscharf ist, macht es eine höhere Auflösung nicht automatisch besser.

Werfen Sie einen Blick auf die drei Bilder in meinem Homeoffice, mit normaler Bürobeleuchtung und Sonnenlicht, das durch die Rollos scheint. Das Zimmer ist nicht ansatzweise so hell wie ein normales Büro, aber es ist auch nicht gerade dunkel. Um die Details zu sehen, sollten Sie das Originalbild öffnen.

Und jetzt die 1080p-Webcam des neuen Macbook Air M2 (das 14- und das 16-Zoll Macbook Pro haben dieselbe Kamera):

Es ist kaum eine Verbesserung zu sehen, nicht wahr? Etwas besser, ja, aber nur gerade so. Zum Vergleich die gute, zehn Jahre alte Logitech C920 auf einem fünf Jahre alten Mac. Das Bild ist deutlich dunkler, aber auch klarer.

Und mit der Beta von iOS 16 und macOS Ventura kann ich mein iPhone 13 als Kamera verwenden und dieses überragende Bild erzielen:

Wie schaut es bei besserer Beleuchtung aus? Ich habe eine sehr große Fotolampe mit einer Softbox aufgestellt, die mein Homeoffice heller macht als jede normale Bürosituation. So sieht das Bild der 720p-Webcam des M1 Macbook Air aus:

Gar nicht schlecht. Werfen wir nun einen Blick auf die 1080p-Webcam im M2 Macbook Air oder dem M1 Macbook Pro:

Immer noch kein deutlicher Unterschied zwischen den beiden, aber immerhin kommen sie fast an die zehn Jahre alte Logitech C920 am 2017er iMac heran.

Doch nach wie vor kommt keine an mein iPhone 13 mit Continuity Camera heran:

Wenn wir uns nach draußen bewegen, wo es extrem hell ist, schlagen sich alle relativ gut. Das Bild des M1 Macbook Air ist ziemlich platt:

Beim M2 Macbook Air ist bei so viel Licht endlich ein Unterschied in Farbe und Klarheit deutlich zu erkennen:

Und das iPhone 13 mit iOS 16, macOS Ventura und Continuity Camera übertrifft sie wieder alle, mit schönen Farben, gutem Kontrast und einer natürlichen Tiefenschärfe.

Ein größeres Problem denn je

Videokonferenzen haben seit zehn Jahren stetig an Bedeutung gewonnen, doch mit der Pandemie und flächendeckender Arbeit im Homeoffice 2020 und 2021 ist ihre Bedeutung für den Arbeitsalltag regelrecht explodiert. Eine Webcam ist in einem Laptop mittlerweile so wichtig wie die Tastatur und das Trackpad. Videochats sind ein essenzieller Bestandteil geworden, sowohl für die Arbeit, als auch zum Spaß – unabhängig davon, ob Sie von zu Hause arbeiten oder nicht. Es fühlt sich falsch an, dass Menschen mit einem 2000-Euro-Macbook so viel schlechter aussehen als welche mit einem 800-Euro-iPhone.

Die Möglichkeit, das iPhone dank Continuity Camera mit iOS 16 und macOS Ventura ab Herbst als Webcam zu verwenden, ist ein bahnbrechendes Feature. Glauben Sie mir: Sie sollten sich eine einfache Halterung dafür kaufen. Zwar ist ein deutlicher Qualitätsunterschied zu normalen Fotos auf dem iPhone zu sehen – die Qualität wird zugunsten der kabellosen Übertragung geopfert –, doch gegenüber den integrierten Kameras der Macbooks bringt diese Lösung deutliche Verbesserungen in fast jeder Situation.

Die besten Webcams für den Mac im Vergleich

Und trotzdem ist das kein Ersatz dafür, die integrierten Webcams zu verbessern. So einfach und nahtlos, wie Continuity Camera funktioniert, sind es dennoch einige Schritte, die Apple seinen Nutzer:innen ersparen sollte, und benötigt obendrein Halterungen oder Stative, damit es ordentlich funktioniert. Außerdem können Sie Ihr iPhone nicht anderweitig verwenden, wenn Sie in einem Zoom-Call sitzen.

Apples integrierte Webcams haben vor etwa fünf Jahren den Anschluss verloren und obwohl das Unternehmen sich in letzter Zeit wieder etwas Mühe gibt, ist es an der Zeit für neue Ziele. Es ist Zeit für „bessere Videochat-Qualität als alle anderen Computer“, mit der man sich in den Tagen von iSight gebrüstet hat. Es ist wieder Zeit, dass jeder in einem Zoom-Call weiß, wer ein Macbook hat, nur, weil sie so viel besser aussehen als alle anderen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei den Kollegen von der  Macworld   und wurde aus dem Englischen übersetzt. 

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