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Apple erklärt Datenschutz am lebenden Beispiel

28.01.2021 | 09:32 Uhr | Peter Müller

Was Dritte mit Daten anfangen, erklärt Apple an einem lebendigen Beispiel. Schon bald werden es Tracker weit schwerer haben.

Der 28. Januar ist Weltdatenschutztag, denn an jenem Tag im Jahr 1981 hatten die damaligen Mitgliedstaaten des Europarates das „Übereinkommen zum Schutz des Menschen bei der automatischen Verarbeitung personenbezogener Daten (Konvention Nr. 108)“ beschlossen – gewissermaßen der Gründungsakt des Datenschutzes. Apple sieht sich schon lange als Vorreiter für mehr Privatsphäre. Anders als Google, Facebook und Konsorten kann sich Apple das auch leisten, da es Produkte und Services verkauft und nicht seine Nutzer an die Werbeindustrie.

In einer Newsroom-Story beschreibt Apple den Alltag von Daten und wie es diese zu schützen gedenkt: Im Durchschnitt würden in jeder mobilen App sechs Tracker darauf warten, Nutzer zu verfolgen und die Erkenntnisse an die Werbeindustrie weiterzugeben, die alljährlich einen Umsatz von 227 Milliarden US-Dollar mache. "Datenschutz bedeutet Seelenfrieden, es bedeutet Sicherheit und es bedeutet, dass Sie das Sagen haben, wenn es um Ihre eigenen Daten geht", erklärt Craig Federighi, Apples Senior Vice President of Software-Engineering. "Unser Ziel ist es, Technologien zu entwickeln, die die Daten der Menschen sicher und geschützt halten. Wir glauben, dass Datenschutz ein grundlegendes Menschenrecht ist, und unsere Teams arbeiten jeden Tag daran, dies in allem, was wir herstellen, zu verankern."

Tracker sind überall – und bald ausgesperrt

Mit alltäglichen Beispielen veranschaulicht Apple die Vorgehensweise der Tracker: Ein Vater nimmt mit seiner Tochter auf dem Spielplatz ein Selfie auf, bearbeitet und teilt es: "John und Emma machen ein Selfie. Sie spielen mit einer Fotofilter-App und entscheiden sich dafür, dem Foto Hasenohren hinzuzufügen. Die Filter-App kann jedoch auf alle Fotos auf dem Gerät und die angehängten Metadaten zugreifen, nicht nur auf das Selfie vom Spielplatz. John postet das Bild in einer Social-Media-App. Die App verknüpft Johns aktuelle Online-Aktivitäten mit einer Fülle von Daten, die von anderen Apps gesammelt wurden, wie z. B. seine demografischen Informationen und Kaufgewohnheiten, unter Verwendung einer E-Mail-Adresse, einer Telefonnummer oder eines Werbekennzeichens."

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Das ist aber bei Weitem nicht alles, denn schon "auf der Fahrt zum Spielplatz lässt John seine Tochter ein Spiel auf seinem Tablet spielen, und sie sieht eine Werbung für einen Scooter. Und das war kein Zufall". Denn der Hersteller des Scooters habe bewusst  für den Werbeplatz auf diesem Tablet geboten, weil er genau Menschen wie John ansprechen wollte – "die in der gleichen Stadt leben, in seiner Einkommensklasse und mit einem kleinen Kind."

Apple stellt die Features dagegen, die in iOS 14 und iPadOS 14 Vater und Tochter aus dem Beispiel mehr Transparenz über die Nutzung ihrer Daten und vor allem Kontrolle darüber geben. Schon im letzten Juni für iOS 14 und iPadOS 14 angekündigt und später auf 2021 verschoben, soll die App Tracking Privacy nun in diesem Frühjahr aktiv werden, in der nächsten Beta von iOS und iPadOS  werde sie eingebaut sein. Dann müssen Anwender Trackern bewusst den Zugriff erlaufen, ab Werk sind sie gesperrt. Im App Store müssen die Anbieter bereits angeben, welche Daten ihre Apps zu welchen Zwecken sammeln, eine Art von "Datennährwertampel".

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Apple erklärt zudem nochmals seine vier Grundpfeiler des Datenschutzes, zu denen unter anderem gehört, möglichst viele Daten bereits auf dem Gerät zu verarbeiten und dort zu belassen. Daten, die das Gerät aus bestimmten Gründen doch verlassen, werden anonymisiert und randomisiert. Das mag der Grund sein, warum Googles Navigation die meisten Leute als besser empfinden und Alexa als schlauer im Vergleich zu Siri. Das kommt aber eben zu einem Preis.

Lob von Datenschützern

Datenschützer sind jedoch voll des Lobes, einige ihrer Stimmen gibt Apple wieder. Gus Hosein von Privacy International zitiert Apple etwa wie folgt: "Apples Nährwertkennzeichnung verlangt von der Industrie, klar und offen mit den Verbrauchern umzugehen, und Tools wie App-Tracking-Transparenz werden den Menschen helfen, die Kontrolle über das unsichtbare Durchsickern ihrer Daten zu behaupten. Mit diesen lobenswerten Innovationen wird die Industrie endlich Druck verspüren, sich zu ändern." In die gleiche Kerbe schlägt Jeff Chester vom Center for Digital Democracy: "Die neuen Datenschutz-Tools von Apple sorgen dafür, dass die Menschen mehr Kontrolle über ihre persönlichen Informationen haben. Datenbroker und Online-Werbetreibende müssen nun verantwortungsvoller handeln, wenn sie mit Verbrauchern umgehen, die Anwendungen von Drittanbietern auf Apple-Geräten nutzen." Und Tristan Harris vom Center for humane Technology lobt: "Die heutige Ankündigung von Apple bringt das Ökosystem weiter weg von den bösartigen Auswirkungen von heimlichem Profiling und Microtargeting, die viele der skizzierten Probleme ermöglichen."

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