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Apple geht mit 2,5 Mrd. USD gegen Wohnungsnot in Kalifornien vor

05.11.2019 | 08:30 Uhr | Peter Müller

Apple adressiert zusammen mit dem Bundesstaat Kalifornien ein Problem, das mit dem Erfolg kam: Wohnungsnot im Silicon Valley und in der Bay Area.

Boomregionen werden Opfer ihres eigenen Erfolges. Vor allem die High-Tech-Firmen im Silion Valley und der Bay Area haben in den vergangen Jahren zehntausende neue Mitarbeiter angezogen, die in der Regel auch gar nicht schlecht bezahlt werden – und sich die in der Wachstumsphase ebenso stark gestiegenen Mieten und Hauspreise oft auch noch leisten können.

Vom Boom weniger abbekommen haben die Einheimischen, die nun unter den Preisen des Immobilienmarktes leiden. Apple will dem mit einem Fonds in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar nun begegnen. Dabei soll eine Milliarde in einem Investmentfonds für bezahlbare Eigenheime fließen, die der Staat Kalifornien bauen soll. Eine weitere Milliarde steht für Leute als Kreditvolumen bereit, die sich erstmals ein Eigenheim leisten wollen. Apple stellt zudem Land im Wert von 300 Millionen US-Dollar für die Entwicklung als Bauland zur Verfügung, 150 Millionen US-Dollar fließen in ein Public-Private-Partnership für Neubauten in San Francisco und Umgebung.

Weitere 50 Millionen US-Dollar stellt Apple der Wohltätigkeitsorganisation Destination:Home für ihre Projekte gegen Obdachlosigkeit bereit. Das Geld soll vor allem in das Homelessness Prevention System fließen, das Menschen dabei unterstützt, neue Jobs zu finden oder Rechtshilfe bereitstellt.

In einer Stellungnahme betont Apple-CEO Tim Cook die Verantwortung, die Apple für die Region empfindet: "Bevor die Welt den Namen Silicon Valley kannte und lange bevor wir Computer in der Tasche herumtrugen, nannte Apple diese Region sein Zuhause, und wir fühlen uns einer tiefen bürgerlichen Verantwortung verpflichtet, dafür zu sorgen, dass sie ein lebendiger Ort bleibt, an dem Menschen leben, eine Familie haben und zur Gemeinschaft beitragen können."

Vier von fünf gehen das Problem an

Apple ist nicht das einzige Großunternehmen, das sich um das von seinem Erfolg ausgelöste Problem kümmert. Im Januar hatte bereits Microsoft einen Fonds in Höhe von 500 Millionen US-Dollar aufgelegt , an dem sich Apple offenbar orientiert hat. Gleichwohl ist das Programm des Mac-Herstellers größer und scheint sich vor allem an die Bezieher niedrigerer Einkommen zu richten. Facebook und Google starteten Programme jeweils im Wert von einer Milliarde US-Dollar.

Von den großen fünf bleibt bisher nur Amazon außen vor, das für Wohnungsnot in Seattle mitverantwortlich ist. In einem Interview mit "Business Insider" hatte Amazon-Chef Jeff Bezos das Problem von Wohnungsnot und Obdachlosigkeit vor allem auf andere Ursachen wie psychische Krankheiten, dysfunktionale Familien und Drogenabhängigkeiten geschoben und sein Unternehmen aus der Verantwortung gezogen.

Erste Kritik aus der Politik

Noch ist es zu früh, um die Auswirkungen der Programme zu messen, welche die Techfirmen in Zusammenarbeit mit dem Staat angestoßen haben. Die Firmen allein können es auch nicht richten, merkt "Ars Technica" an . Kalifornien müsse zur Behebung der Krise vor allem seine Gesetze ändern, zu viele lokale Regeln würden die Entwicklung von Bauland und den Neubau von Wohngebäuden behindern, die steigende Nachfrage könne so nicht befriedigt werden.

Die Strategie des 20sten Jahrhunderts, die Stadt immer mehr in Vororte ausfransen zu lassen, sei an ihr Ende gelangt, alle Gegenden in Pendelnähe der Zentren mit den vielen Arbeitsplätzen seien entwickelt. Nun müsse es an Nachverdichtung gehen und es müssten viele Einfamilienhäuser durch größere Wohneinheiten ersetzt werden – das gleiche Problem besteht ja auch in hiesigen Ballungsräumen. Doch schreiben die Baugesetze etwa in Los Angeles für 62 Prozent der Fläche Einfamilienhäuser vor, dreiviertel der Wohngebiete in San Francisco seien nicht für mehr als Doppelhäuser zugelassen.

Aus der Politik kommt indes zunächst erste Kritik. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders etwa wirft Apple vor , mit "Pennies" die Krise bändigen zu wollen, die es selbst mit ausgelöst habe. Das sei Heuchelei, viel mehr sei geholfen, würden Apple und andere große Firmen in Form von Steuern ihren fairen Anteil an der Finanzierung der Infrastrukturen für die Gesellschaft zahlen.

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