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Das Ende von iTunes und was es bedeutet

04.06.2019 | 13:30 Uhr | Peter Müller

Apple zerschlägt iTunes in drei neue Apps für macOS 10.15 Catalina. Der Schritt war längst überfällig. Welche Folgen er hat.

Wenn wir im Herbst (oder schon zur Beta-Phase ab Juli) macOS 10.15 Catalina auf unsere Macs installieren, müssen wir uns von einem vertrauten Programm verabschieden: iTunes wird dann nicht mehr auf der Festplatte oder SSD zu finden sein, stattdessen die drei neuen Apps Apple Music, Apple Podcasts und Apple TV. Die Software, die SoundJam hieß, bevor Apple den gleichnamigen Hersteller übernahm und iTunes daraus werden ließ, wird gut 20 Jahre alt geworden sein. Auf Macs, die macOS Mojave oder ältere Systeme laufen lassen, wird iTunes noch ein paar Jahre als Auslaufmodell überdauern und was mit Windows ist, bleibt noch ein wenig ungewiss. Hierfür gibt es ohnehin schon zwei iTunes-Versionen, von denen Apple zuletzt nur eine aktualisiert hatte . Vorbote eines ähnlichen Paradigmenwechsels?

Gleichwohl war der Schritt, iTunes in mehrere Bestandteile aufzuteilen, überfällig. Apple hatte iTunes im Januar 2001 vorgestellt, dabei war Steve Jobs bei der Präsentation sogar kurz der Projektname "iMusic" durchgerutscht. Das auf SoundJam aufbauendes Programm war zunächst als Jukebox-Anwendung für Musik von auf den Rechner kopierten CDs gedacht. Sie wissen schon: Rip.Mix.Burn . Ab Herbst 2001 glich man den iPod via Firewire mit iTunes ab, seit 2002 auch über USB 2 mit Windows-Rechnern . Jobs, der sich lange geweigert haben solle, eine solche Software entwickeln zu lassen, lobte iTunes für Windows als "Beste Software, die es je für Windows gegeben hat". Nun ja.

Im Jahr 2003 integrierte Apple den iTunes Music Store, über den man Musik per Download kaufen konnte. Später kamen Filme zum Kaufen und Leihen hinzu, der iTunes Store verzichtete fortan auf den Zusatz "Music". Dafür bekam er im Jahre 2008 eine neue Sektion, über die man Apps laden und mit dem iPhone synchronisieren konnte, die Synchronisation des iPhone hatte iTunes schon seit Anbeginn beherrscht.

Zwischendrin war eine weitere Sektion mit Podcasts hinzugekommen, spätestens die im Jahr 2015 erfolgte Integration des Streamingdienstes Apple Music ließen das Programm allmählich unübersichtlich werden. Schon damals tauchte der Gedanke auf, Apple möge doch die verschiedenen Zwecke auf unterschiedliche Programme verteilen, das sei unter iOS ja auch der Fall. Wobei auch die erste Version der Apple-Music-App (vorher hieß das Programm unter iOS eben "iTunes" und zuvor "iPod") auf dem iPhone nicht gerade durch Übersichtlichkeit glänzte. Die eigene Sektion "Connect" verschwand 2016 wieder von der ersten Ebene und ist mittlerweile irrelevant.

Im Jahr 2017 schließlich stoppte Apple mit iTunes 12.7 die App-Verwaltung, iTunes speichert aber noch Backups von iPhone und iPad. Hat vielen Leuten nicht gefallen, die sich dann wenigstens eine eigene App dafür gewünscht hätten. Aber anscheinend waren das nicht viele genug, denn in der neuen Struktur fehlt es nach wie vor an der Möglichkeit, die Apps und HomeScreens von iPhone und iPad zu arrangieren.

Was könne man mit iTunes denn noch so anstellen, fragte Apples Softwarechef Craig Federighi rhetorisch zu Beginn des Catalina-Parts der WWDC-Keynote. Und gab eine selbstironische Antwort: Wir machen es noch voller. Und stecken noch Kalender und Kontakte mit rein. Nein, natürlich nicht.

Wen nun die Sorge umtreibt, Apple habe iTunes kastriert und zugunsten einer Kopie der iOS-App wichtige und nützliche Funktionen entfernt, der sei beruhigt. Man kann mit dem Mac immer noch iOS-Geräte synchronisieren – wenn auch nun direkt im Finder –  und intelligente Wiedergabelisten kennt das neue Musik-Programm nach wie vor. Auch die bei manchen über fast zwanzig Jahre hinweg gepflegte Musikbibliothek samt all ihrer Listen bleibt erhalten, verspricht Apple. Alles andere wird nun ausgelagert. Ballast abgeworfen. Apple TV kümmert sich um Videos, egal ob über irgendeinen Dritten oder Apple im Abo gestreamt oder von Apple im Store geliehen und gekauft, Podcasts bekommen eine eigene App. Besonders interessant darin dürfte sein, dass die selbst lernenden Algorithmen Apples das Gesprochene verschriftlichen und somit durchsuchbar machen.

Es besteht – einige Nutzer und ihre Wünsche natürlich ausgenommen – keinerlei Grund, die Zerschlagung des iTunes zu fürchten, ganz im Gegenteil. Nur für Windows bleibt die Zukunft noch offen. Drei neue Apps anzubieten, wäre ja kein Problem, aber die Synchronisation über das Betriebssystem – darauf hat Apple keinen Einfluss.

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