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Apple muss iCloud-Daten für Erben öffnen

24.04.2019 | 14:59 Uhr | Peter Müller

Apple ist vom Landgericht Münster dazu verpflichtet worden, das iCloud-Konto eines Verstorbenen dessen Erben zu öffnen.

Geklagt hatten die Hinterbliebenen des auf einer Auslandsreise überraschend verstorbenen Familienvaters gegen die in Irland sitzende Apple Distribution International ULC, die für iCloud-Kunden in Deutschland Vertragspartner ist. Von den Informationen im iCloud-Konto des Verstorbenen erhofft sich die Familie nähere Hintergründe über den Todesfall.

Das Landgericht Münster hat damit nach Auskunft von dpa Justiz Aktuel l ein Grundsatzurteil des BGH umgesetzt. Nachdem eine 15-Jährige im Jahr 2012 in Berlin von einer U-Bahn überrollt worden war, wollten deren Eltern Aufschlüsse darüber bekommen, ob es sich um einen Unfall oder einen Suizid gehandelt habe. Der BGH sah keinen Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln als Nachlässe wie Briefe oder Tagebücher und forderte Apple dazu auf, den Zugang zu den iCloud-Daten zu geben.

Apple wollte den aktuellen Fall nicht kommentieren, dpa News Aktuell verweist aber auf ähnlich gelagerte Fälle, in denen Apple nach Vorlage des Erbscheins oder einem Gerichtsbeschluss den Erben das iCloud-Konto aufgesperrt hatte.

Im konkreten Fall hatte sich Apple außergerichtlich auch nach Vorlage eines Erbscheins gewehrt, den Erben Zugang zu den Daten des Verstorbenen zu gewähren, worauf diese klagten. Dr. Stefan Kurth, der mit seinen Kollegen der Kanzlei Brandi in Bielefeld die Kläger vertreten hatte, freut sich in der Pressemitteilung der Kanzlei über das Urteil: „Erben haben grundsätzlich – nicht nur in Einzelfällen – das Recht, auf die Daten der Verstorbenen zuzugreifen. Damit werden die Rechte von Erben am digitalen Nachlass weiter gestärkt“.

Das Urteil ist indes noch nicht rechtskräftig.

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