1855283

Update: Apple streicht zahlreiche iWork-Funktionen

28.10.2013 | 09:46 Uhr |

Mit den neuen Programm-Versionen von Pages, Keynote und Numbers wirft Apple Vielschreibern und Gelegenheitslayoutern einen Knüppel zwischen die Beine.

UPDATE : Apple hat sich inzwischen in Form eines Support-Dokuments zu Wort gemeldet. Der Hersteller beschreibt hier – derzeit nur in englischer Sprache – welche Verluste Dokumente beim Import in und Export aus iWork '13 erleiden. Zudem hat sich der Tech-Blogger Nick Heer in seinem Blog die neuen Dateiformate der 2013er-Version von iWork angesehen. Heer beschreibt, dass Apple die bisher genutzte Kombination aus XML- beigepackter Plist-Datei (hier sind die Quicklook-Vorschauen und die Versionsgeschichte der Datei abgelegt) zugunsten eines Paketes aus Binärdateien aufgegeben hat. Da das binäre Dateiformat deutlich kompakter ist und sich gerade von iOS-Geräten besser nutzen lässt, liegt der Schluss nahe, dass es sich hier um den bereits zitierten plattformübergreifenden gemeinsamen Nenner aller iWork-Apps handelt. Diesen Gedanken spinnt auch Drew McCormack in einem Blogpost weiter. Er vermutet, dass Apple dieses Format vor allem aus Performance-Gründen gewählt habe. So könnten über iCloud nur diejenigen Binärdateien synchronisiert werden, die tatsächlich bearbeitet wurden – gut für das mobile Datenvolumen auf iPhones und iPads, aber ziemlich schlecht für die Kompatibilität mit den Vorgängerversionen unter OS X.

Seit der Vorstellung der neuen iWork-Generation auf dem Apple-Event am 22. Oktober mehren sich die negativen Stimmen zum radikalen Neuanfang bei Apples Produktiv-Apps. Zum einen gab es massive Probleme beim Update von alten DVD-Versionen von iWork ’09 auf die neuen Apps, zum anderen hat Apple iWork um einige Funktionen erleichtert – ohne das in den Beschreibungen der neuen Apps zu erwähnen. Es scheint so, als habe Apple bei der Entwicklung der neuen iWork-Generation seinen Hauptfokus ausschließlich auf optimale plattformübergreifende Kompatibilität gesetzt – und dabei eine Vielzahl von Pro-Features über Bord geworfen.

Schon beim ersten App-Start, beispielsweise von Pages, springt den Nutzer die neue Oberfläche an – aufgeräumt, mit wenigen Icons, flach. So, wie man es von den neuen iOS-Apps und auch  iWork für iCloud bereits kannte. Und in der Tat erinnern die 2013er iWork-Apps frappierend an die während der diesjährigen WWDC-Keynote präsentierten Web-Versionen. Die Menüelemente und die Anordnung der Schaltflächen wurde von Apple komplett überarbeitet und teilweise neu angeordnet. Dominierendes neues Element ist dabei die kontextsensitive Seitenleiste rechts vom Haupteingabefeld. Je nachdem, wo der Cursor gerade steht, lassen sich in Pages die Schriftarten ändern oder auch in Numbers Einstellungen an Grafiken vornehmen. Die Änderungen am Nutzerinterface machen mit Blick auf die Kompatibilität mit den ebenfalls neu gestalteten iOS- und iCloud-Apps absolut Sinn – denn Apple erreicht so, dass auf allen Plattformen ein ähnliches Design und Layout zur Verfügung steht. 

Doch hat Apple es nicht bei derlei optischen Optimierungen belassen, sondern auch am Funktionsumfang geschraubt. Während sich Nutzer aus dem arabischen Sprachraum über eine eigene Sprachversion von Pages freuen dürfen, hat Apple für viele andere User wichtige Funktionen der iWork-Apps ersatzlos gestrichen. Die Menüleisten von Pages, Keynote und Numbers sind beispielsweise nicht mehr länger modifizierbar und können so nicht mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden. Auch Hyperlinks auf andere iWork-Dokumente sind in den drei Apps nicht mehr enthalten. In Numbers hat Apple unter anderem das Splitten von Zellen abgeschafft und auch Bilder lassen sich nicht mehr in Tabellen einfügen, Keynote muss künftig unter anderem auf intelligente Animationen verzichten. Am radikalsten fallen die Einschnitte allerdings bei Pages aus, denn hier hat Apple reihenweise Layout-Funktionen gestrichen, eine Doppelseitenansicht existiert nicht mehr und auch die Miniaturenleiste wurde vom Funktionsumfang her beschnitten. Als viel problematischer erweist sich allerdings, dass das mit den neuen Apps eingeführte neue Dateiformat mit den Vorgängerversionen nicht kompatibel ist. Öffnet man ein Dokument mit dem neuen Pages für iOS, lässt sich das Dokument mit der alten Mac-App nicht mehr öffnen.

In den Apple Support-Foren, hier für Pages , hier für Keynote und hier für Numbers , tragen genervte User bereits alle von Apple entfernten Funktionen zusammen. Alle Vielschreiber sollten sich sehr gut überlegen, ob sie mit den neuen iWork-Apps noch produktiv arbeiten können und gegebenenfalls auf ein Update verzichten bzw. nach dem Download erst mit Test-Dokumenten herumspielen, bevor es an die Arbeit geht. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass Apple mit Mavericks auch dem Mac App Store (wie schon dem App Store in iOS 7) eine automatische Update-Funktion verpasst hat. Diese sollten Sie zur Vermeidung böser Update-Überraschungen deaktivieren. Gehen Sie dazu in die Systemeinstellungen. Unter „App Store“ können Sie die automatischen App-Updates deaktivieren.

Macwelt Marktplatz

1855283