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Apple und der Earth Day – die Latte liegt hoch

22.04.2022 | 10:20 Uhr | Peter Müller

Apple spricht mehr über Umweltschutz als andere Unternehmen und belässt es nicht beim Reden. Das Handeln könnte an einigen Stellen konsequenter sein.

Wie in jedem Jahr veröffentlicht Apple seinen Umweltschutzreport in den Tagen vor dem Earth Day am 22. April. In diesem Jahr standen im Environmental Progress Report 2022 Fortschritte beim Recycling im Vordergrund, Apple erwähnt, erstmals auch Gold wiederzuverwerten. Der Anteil ist noch relativ bescheiden und nur auf bestimmte Bauteile beschränkt, aber das ist ein guter Anfang. Wobei Gold womöglich gar nicht das Problem ist.

Eher sind es die gar nicht so seltenen "seltenen Erden" – China ist Hauptexporteur. Oder das Kobalt, dessen Erz Coltan in vielen Fällen unter unmenschlichen Bedingungen aus Minen in Zentralafrika geschürft wird. Nicht das Zinn vergessen, dessentwegen in Südostasien Regenwälder abgeholzt werden – Apple minimiert die Umweltbelastung und bezieht immer mehr des Rohstoffes zum Löten aus dem Recycling und schon lange aus zertifizierten, sauberen Quellen. Und dann dreht sich vieles in der Industrie um Aluminium, das sich zwar recht leicht aus weggeworfenen iPhones wieder gewinnen lässt, aber unter enormen Energieaufwand unter Freisetzung von Unmengen von CO₂.

Die Latte liegt hoch – darunter durchlaufen darf nicht passieren

Das Ziel Apples bleibt ehrgeizig: rechnerische Klimaneutralität über die gesamte Lieferkette. Wo man die Emissionen von Kohlenstoffdioxid nicht auf Null drücken kann – etwa bei der Gewinnung von Aluminium, Stichwort " Opferanode " – soll mithilfe von Wiederaufforstung und verwandten Maßnahmen CO₂ wieder aus der Atmosphäre geholt werden –  in Indien kümmert sich Apple ausweislich des Reports etwa um Mangrovenwälder . Es ist noch ein weiter Weg, acht Umweltschutzreporte später wird sich Apple an den Ergebnissen messen müssen.

Der Earth Day 2022 steht unter dem Motto "Invest in our Planet" . Und nur so kann das mit der Klimaneutralität und dem Artenschutz auf Dauer auch funktionieren: Es muss sich auch finanziell lohnen. Im Falle Apples lässt sich die Rechnung an vielen Stellen machen. Regenerative Quellen liefern auf Dauer billigeren Strom als es die Gasverstromung oder das Verfeuern von Kohle könnten, aus Elektroschrott gewonnene Materialien werden mit der Zeit billiger als frisch aus der Erde geholte. Die Kunst des profitablen Weglassens beherrscht Apple mittlerweile auch: Geschätzt sechs Milliarden Euro soll sich Cupertino mit dem Verzicht auf 5-Watt-Netzteile und Lightning-Kopfhörer in der kompakteren Schachtel des iPhones (ab Generation 12) gespart haben. Sogar die EU-Kommission wandelt nun auf Apples Spuren und will die Zugabe von überflüssigen Ladegeräten ab 2024 verbieten . Aus Apples Sicht soll "leider" auch Lightning verboten werden, was angeblich "die Innovation" behindere, aber vor allem Lizenzgebühren kosten wird. Dieser konkrete Teil des Umweltschutzes lohnt sich für Apple nicht.

Damit sich das Recycling auch wirklich lohnt, hat Apple in eine Anlage in Texas investiert, die letztens eine Youtuberin besuchen und darin filmen durfte . Die Botschaft war klar: Apple könnte noch viel mehr recyclen, wenn denn die Leute ihre ausrangierten iPhones tatsächlich in den Apple Store brächten, anstatt sie in Schubladen vergammeln zu lassen oder gar in den Hausmüll zu kippen. Immerhin gibt es finanzielle Anreize, ein altes iPhone zu Apple zurückzubringen, auf dem freien Markt bekommt man unter Umständen mehr, aber die Inzahlungnahme im Apple Store ist eine bequeme Angelegenheit. Nur wäre es noch profitabler, bekäme man auch für Uraltgeräte, die man wirklich nicht mehr weiter geben kann, noch ein paar Euro zurück. Das wäre profitabel für alle, nur für Apple etwas weniger.

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