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Apple und die Frauen: Auf dem richtigen Weg

08.03.2019 | 12:40 Uhr | Peter Müller

In Sachen Gleichberechtigung hat es in den letzten 100 Jahren viele Fortschritte gegeben – es ist aber noch ein weiter Weg zu gehen. Auch in Cupertino.

Weltfrauentag am 8. März – in Berlin in diesem Jahr erstmals ein arbeitsfreien Feiertag. Dieser ist nur fair: Im Vergleich zu Bayern mit seinen 14 Feiertagen kam Berlin bisher recht spärlich weg. Während sich aber andere diesbezüglich zu kurz gekommene Bundesländer wie Sachsen-Anhalt für den Reformationstag als zusätzlichen Feiertag entschieden, beschloss der Senat des Stadtstaates, den Internationalen Frauentag als arbeitsfrei zu begehen. 100 Jahre erst haben Frauen in Deutschland Wahlrecht, seit gut 60 Jahren dürfen ihre Ehemänner oder Väter nicht mehr über ihre Arbeitsverträge bestimmen, in Berlin (sic!) bestimmt eine Kanzlerin die Richtlinien der Politik, während es ebenso eine Frau ist, der die größten Chancen auf die Nachfolge der Regierungschefin zugesprochen werden. Kann man sich ja über all die Errungenschaften freuen und zurück lehnen, gerade jetzt am Freitag und Feiertag. Kann man nicht.

Denn trotz unbestrittener Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung bleibt noch ein weites Stück Weg zu gehen. Auch und gerade hier, in der liberalen Demokratie, die – in etwa zeitgleich mit dem Frauentag – vor rund 100 Jahren hierzulande erst mühsam erkämpft werden musste. Da gibt es zum Beispiel das hässliche Wort "gender pay gap", das den ebenso hässlichen Umstand beschreibt, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten. Oder die noch viel hässlichere Tatsache, dass die meisten weiblichen Gewaltopfer von häuslicher Gewalt betroffen sind, die also von nahestehenden, in der Regel männlichen Personen ausgeht. Oder dass sich Aktivistinnen, Publizistinnen und Politikerinnen selbst auf weniger kontroverse Aussagen in den asozialen Medien so ziemlich jedes Schimpfwort anhören müssen, einschließlich Gewalt- und Todesdrohungen. Richtet man den Blick außerhalb die Landesgrenzen, wird es noch schlimmer.

Apple feiert die Frauen – fördert sie aber auch

Anlässlich des Weltfrauentags unternimmt Apple zusammen mit der Sängerin Annie Lennox in einem Kurzvideo einen solchen Blick. Nein, auch heute sind Frauen nicht gleichberechtigt. Eine von dreien erlebt (sexuelle) Gewalt in ihrem Leben, 2,7 Milliarden dürfen nicht in bestimmten Berufen arbeiten, zwei von drei Analphabeten sind weiblich, dafür sind es nur 22,8 Prozent aller Parlamentarier weltweit. Starker Tobak.

Was aber reitet Apple, zum Weltfrauentag dieses Video zu verbreiten? Dazu eine Wiedergabeliste mit Songs von starken Frauen und/oder über starke Frauen ? ( Annie Lennox ist zwar mit ihrer ehemaligen Band Eurythmics vertreten, es fehlt aber das Duett mit Aretha Franklin. Anm. d. Musikredaktion ). Weitere Wiedergabelisten dieser Art folgen, heute etwa schon eine mit Songs der 20 häufigst gestreamten Interpretinnen .  Die Kollegen von der Musikredaktion freuen sich schon auf die Frauen in Hard Rock und Heavy Metal – die sind da schon längst nicht nur Objekt der Begierde, sondern Agierende. Man frage nach bei Doro Pesch oder Doris Brendel.

Schon anfangs der Woche hatte Apple (junge) Frauen dazu ermutigt , mehr zu programmieren, in IT-Berufen fehlt es doch besonders am weiblichen Touch. Schaut man sich aber Apples Vorstandriege an: Nur fünf Frauen unter den Top 17, eine davon wird bald aus dem Unternehmen ausscheiden. Dann sind es vier von 16, 25 Prozent. Kaum mehr als Parlamentarierinnen. Betreibt Apple also eine Art von Greenwashing, nur in Sachen Feminismus?

Das wäre ein Trugschluss, gewissermaßen ein Ad-hominem-Argument der Firma gegenüber. Man muss keine Frau sein, um die Position des Feminismus einzunehmen und man muss nicht erst das Ziel einer zu 50 Prozent weiblichen Vorstandsschaft erreicht haben, um für Gleichberechtigung und der beruflichen Förderung von Mädchen und Frauen eintreten zu dürfen. Das ist ein leider zu oft bezogener Standpunkt, auch in anderen Diskussionen, in denen es um unbequeme Wahrheiten und Veränderungen geht: "Ändere erst du dich radikal, so muss ich dir nicht zuhören".

Wie auch in Sachen Umweltschutz und Arbeitnehmerrechte: Nicht alles mag schon gut sein bei Apple, das Unternehmen hat sich aber auf den Weg zur Besserung begeben.

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