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Apple verantwortet sich vor US-Senat wegen App Store

17.07.2019 | 15:57 Uhr | Halyna Kubiv

Gestern Abend hat der US-Senat die Verantwortlichen von Google, Amazon, Facebook und Apple (GAFA) vorgeladen.

Immer mehr Beschwerden der Konkurrenz und von Kunden, Sammelklagen und handfeste Untersuchungen ├╝ber Datenmissbrauch, in den letzten zwei Jahren haben die gro├čen Tech-Firmen in den USA, allen voran Facebook, f├╝r negative Schlagzeilen gesorgt. Als Reaktion darauf hat eine Wettbewerbskommission beim US-Amerikanischen Senat eine Sitzung einberufen. Gestern Abend mussten sich die Verantwortlichen von Amazon, Apple, Google und Facebook vor den ausgew├Ąhlten Senatoren erkl├Ąren, wie ihre Firmen den Wettbewerb in den USA verhindern oder eben nicht. Die gesamte Sitzung kann man auf der entsprechenden Seite nachverfolgen, mit den mitgeschnittenen Pausen dauerte die Befragung mitsamt der Experten-Auftritte knapp drei Stunden.

Von Apple wurde nach Washington Kyle Andeer, Vizepr├Ąsindent in Sachen Compliance und Gesellschaftsrecht, delegiert. In seiner Eingangsrede (ab 29:16 im Video) hat er beteuert, dass der App Store eine Plattform f├╝r Millionen von Entwicklern bietet, ihre Apps zu vertreiben. Nach Angaben von Andeer zahlen nur 16 Prozent der Entwickler Geb├╝hren an Apple, der Rest (84 Prozent) finanzieren ihre Apps entweder ├╝ber Werbung oder andere Kan├Ąle. Apple habe zwar eigene Apps in mehreren Kategorien, doch den Nutzern bleibt ├╝berlassen, ob sie die Apple-L├Âsung oder eine Alternative der Dritt-Entwickler nutzen. Wenn beispielsweise der Anwender keine iCloud will, kann der auf Dropbox, Box oder andere Anbieter umsteigen. Das Beispiel finden wir besonders bezeichnend, denn w├Ąhrend sich die Mail-, Karten, Kalender-App von Apple relativ schmerzlos ersetzen l├Ąsst, ist iCloud so tief ins System eingewoben, dass es fast unm├Âglich ist, ohne auszukommen. Vor allem bei Backups gibt es nur eine Alternative zu iCloud ÔÇô iTunes (ab macOS Catalina dann Finder).

Streit mit Spotify

Senator Raskin ist in seiner Fragerunde auf die Auseinandersetzung mit Spotify eingegangen, wie bekannt wirft Spotify Apple vor, mit Apple Music und den obligatorischen Entwickler-Abgaben seine Streaming-L├Âsung zu beg├╝nstigen. Der Verantwortliche von Apple hat daraufhin behauptet, dass nur rund ein Prozent aller Spotify-Nutzer ihre Zahlungen ├╝ber den App Store vorgenommen haben. Der gleiche Senator hat nachgefragt, wie Apple an die Zahl von 30 Prozent bei den App-Store-Geb├╝hren angekommen ist. Ob Apple auch 35, 40 oder 45 Prozent verlangen k├Ânne. Nach Angaben von Apple stammt diese Zahl aus den Zeiten, als der App Store an den Start ging. Damals, also in den Jahren 2008 und 2009, war der Einzelhandel f├╝r Software-Entwickler die einzige Distributionsquelle. Die Programme wurden auf CD in den Schachteln vertrieben. Dabei hatten die Vertriebspartner gerne mal 60 bis 70 Prozent des Wertes verlangt. Mit 30 Prozent an Abgaben war der App Store damals unschlagbar.

Kyle Andeer hat vor der Sitzung auch die Entscheidung von Apple verteidigt, von Google hohe Syndizierungszahlungen anzunehmen und die Goolge-Suche als Standard in iOS und macOS zu belassen. Demnach hat Apple das Nutzer-Verhalten beim Suchen studiert: Die meisten Nutzer ziehen eh Googles Suchmaschine vor. Raskin hat ebenfalls gefragt, ob es wahr sei, dass Google 2019 bereits 12 Milliarden US-Dollar an Apple f├╝r die Standard-Einstellung zahlen werde. Zur Erinnerung: f├╝r 2018 haben die Experten diese Summe auf 9 bis 9,5 Milliarden gesch├Ątzt. Weder Andeer noch der Verantwortliche bei Google konnten jedoch diese Zahl best├Ątigen.

Fazit

Schaut man sich die gesamte Sitzung an, ist Apple noch sehr gut weggekommen. Vor allem Facebook und Google mussten viele unangenehme Fragen beantworten. Google wird vor allem in Verantwortung genommen, die Aufmerksamkeit bei der Suche auf seine eigenen Produkte zu lenken und die Nutzer erst gar nicht auf Dritt-Webseiten in den Ergebnissen klicken zu lassen. Facebook hatte zwar auf eine Frage geantwortet, die Plattform habe nat├╝rlich viele Konkurrenten im Bereich Social Media, konnte aber auf Anhieb keine konkreten Beispiele nennen.

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