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Apple verbaut heimlich Sperre in Batterien

08.08.2019 | 15:30 Uhr |

Unentdeckt hat Apple eine Sperre eingebaut, die Nutzer daran hindert, das "Battery Health"-Feature mit Ersatzbatterien zu nutzen. Selbst bei originalen Apple-Batterien. Damit erschwert Apple weiter absichtlich Reparaturen durch Drittanbieter. Wir haben mit dem Mann gesprochen, der diese Einschr├Ąnkung aufgedeckt hat.

Apple hat seine Batterien mit einem Chip versehen, der es Drittanbietern fast unm├Âglich macht, einen Batterieaustausch ohne Einbu├čen in der Funktionalit├Ąt des iPhones vorzunehmen. Das Feature "Battery Health" dient dazu, die Lebensdauer der eigenen Batterie zu ├╝berwachen und zu wissen, wann ein Austausch vorzunehmen ist. Eine hervorragende Funktion, durch die der Nutzer nicht mehr auf reines R├Ątselraten angewiesen ist, um den richtigen Zeitpunkt f├╝r den Austausch zu bestimmen.

Doch durch den verbauten Chip in der Batterie ist diese Funktion nicht mehr nutzbar, sollte die Batterie von jemand anderes als Apple selbst oder einem von Apple zertifizierten Serviceprovider ausgetauscht werden. Und das selbst, wenn die Ersatzbatterie eine Original Apple-Batterie ist. Statt Angaben ├╝ber den Zustand der Batterie gibt das iPhone nur noch die Meldung "Service" aus. Zumindest bei den neuen Modellen XS, XS Max und XR.

Der in der Batterie verbaute Chip ist mit einem "Secure Memory Key" versehen, der einen einzigartigen Code enth├Ąlt. Erh├Ąlt das iPhone von der Batterie einen anderen Code als den im iPhone hinterlegten, wird es als fremde Hardware erkannt. Selbst wenn die Batterie original ist. Diese Information stammt aus dem Datenblatt eines Micro-Controllers von Texas Instruments, der in der Batterie verbaut ist. Apple nutzt zwar seinen eigene, propriet├Ąre Version des Controllers, dieser gleicht jedoch in den wesentlichen Merkmalen dem von Texas Instruments.

Entdeckt wurde diese Einschr├Ąnkung von Justin Ashford. Der US-Amerikaner, der zur Zeit in Chinas technologischem Hotspot Shenzhen lebt, ist Teil der Right-to-Repair-Bewegung, die sich gegen Hersteller einsetzt, die Reparaturen von Ger├Ąten absichtlich schwer gestalten um so ihren eigenen Profit zu erh├Âhen. Apple ist seit langem ein Feindbild der Bewegung, da der Konzern zunehmend versucht, Reparaturen au├čerhalb der eigenen Service-Einrichtungen so schwer wie m├Âglich zu machen. Seine Entdeckung machte Ashford auf Reddit publik und ver├Âffentlichte auch ein Video dazu.

Justin Ashford im Gespr├Ąch

Wir haben mit Ashford gesprochen. Er sieht nicht nur die Besitzer von iPhones benachteiligt, sondern auch die Reparatur-Shops, die den Batterie-Tausch anbieten. Denn der Kunde k├Ânnte denken, dass die eingesetzte Batterie von minderwertiger Qualit├Ąt ist.

"Das Problem f├╝r den Verbraucher ist darauf zur├╝ckzuf├╝hren, dass er sich daran gew├Âhnt hat, sagen zu k├Ânnen, wann seine Batterie ersetzt wird. [...] Seit zwei Jahren wirbt Apple f├╝r sein Battery-Health-Feature als innovativen Weg f├╝r seine Kunden, um nicht nur einen einfachen Ausfall der Batterie zu erkennen, sondern auch herauszufinden, wann es an der Zeit ist, die Batterie zu ersetzen (Apple hat das Battery-Health-Feature mit iOS 11.3 im Fr├╝hling 2018 eingef├╝hrt. Anm. d. Red). [...] Ein weiteres Problem ist, dass Sie als Kunde, wenn Sie nicht so gut ├╝ber Apples Battery Health informiert sind, Sie die Nachricht "Service" leicht falsch interpretieren k├Ânnten. [...], wie zum Beispiel, dass die neue Batterie, die Sie haben, von minderer Qualit├Ąt ist, auch wenn das nicht der Fall sein mag"

Die Rolle Apples bei Reparaturen sieht er grunds├Ątzlich problematisch:

"Ich sehe deutlich, dass Apple versucht, den Reparaturmarkt zu monopolisieren, um so viel wie m├Âglich davon im eigenen Unternehmen zu halten. Sie k├╝mmern sich nicht um die Reparaturindustrie als Ganzes und m├Âchten lieber, dass keiner von uns existiert. Dennoch sind es unsere Techniker, die hier drau├čen die schweren Arbeiten durchf├╝hren, wenn es um die Datenwiederherstellung geht, und die ihre r├╝ckrufw├╝rdigen Reparaturprobleme bereinigen, wie z.B. das Touch-ID-Problem bei dem iPhone 6 & 6 Plus."

Das Argument, Apple wolle mit seiner Strategie lediglich verhindern, dass minderwertige Teile in den eigenen Produkten verbaut werden, m├Âchte Ashford nicht gelten lassen:

"Welches Recht haben sie, einem Verbraucher zu sagen, was sie tun d├╝rfen und was nicht, nachdem sie etwas gekauft haben? [...] Ich w├╝rde sagen, in den letzten ein oder zwei Jahren ist die Qualit├Ąt der Ersatzteilteile durch die Decke gegangen, w├Ąhrend wir uns bem├╝hen, die Gesamtqualit├Ąt zu verbessern. [...] Meine Meinung ist, dass, selbst wenn wir ohne den Schatten eines Zweifels beweisen k├Ânnten, dass ein geschaffenes Teil sogar das 10-fache der Qualit├Ąt eines Apple-Originals hat, sie behaupten w├╝rden, dass es minderwertig ist. Es geht nicht um die Teile f├╝r sie, sondern um Gier."

Unser Kommentar

Apple hat in den letzten Jahren viele Schritte unternommen, um die Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen zu erh├Âhen. Und immer wieder haben wir lobend dar├╝ber berichtet. Wie zum Beispiel dar├╝ber, dass Apple in allen B├╝ros und Stores zuk├╝nftig zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien setzen m├Âchte. Oder der Ausbau des eigenen Recyling-Programms . Leider gibt es aber immer wieder die Meldungen ├╝ber Schritte, die Apple unternimmt, um Reparaturen an den eigenen Ger├Ąten f├╝r Au├čenstehende so schwierig wie m├Âglich zu gestalten. Und das ist nicht nur ein unsympathischer Weg der Gewinnmaximierung, sondern gleichzeitig wenig zutr├Ąglich f├╝r die Nachhaltigkeit. Denn Reparaturen bei Apple sind teuer und verleiten Kunden im Zweifelsfall sogar dazu, direkt zu einem neuen Ger├Ąt zu greifen. Wir hoffen, dass Apple in dieser Thematik einlenken wird und der Nachhaltigkeit sowie der eigenen Glaubw├╝rdigkeit zuliebe Reparaturen durch Drittanbieter wieder erleichtert.

├änderungen: Das Problem scheint nur bei den neuen iPhone-Modellen XS, XS Max und Xr aufzutreten. Wir haben diese Information nachtr├Ąglich aufgenommen.

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