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Apple veröffentlicht ASMR-Videos

20.08.2019 | 15:15 Uhr |

Dass Geräusche und Laute stimulierend, erregend, angenehm und beruhigend sein können, beweist seit ein paar Jahren der Internet-Hype rund um ASMR-Videos. Apple bedient sich dieses Formats und veröffentlicht Videos, die man so von dem iPhone-Hersteller bisher nicht kannte - natürlich alles "Shot on iPhone".

Irgendwo im Nirgendwo prasseln Regentropfen auf das Dach eines Zeltes, sowie auf Kaffeebecher und Kochtöpfe auf einem Campingplatz.
Ein Schreiner hobelt, schnitzt, schleift und poliert rund zehn Minuten lang Holzbretter; das einzige, was man hört, ist das Metall des Werkzeugs, was über das Holz geführt wird und die herumfliegenden Spähne.
Unter Wanderstiefeln knirschen Steine und brechen Zweige, der Wind weht durch die Äste eines Waldes und die Blätter rascheln im Wind.
Eine flüsternde Frauenstimme erzählt die Geschichte über einen Strand in Neskowin (Oregon), in dem merkwürdige Gesteinsformen, Monolithen genannt, aus dem Sand und Nebel herausragen. Dabei wechselt die Stimme stets ihre Räumlichkeit und ist mal von links und mal von rechts zu hören.

Natur ASMR: Apple spielt mit unseren Sinnen

In einer vierteiligen Video-Serie will Apple auf seinem YouTube-Kanal beweisen, wie hervorragend die Kameraqualität des iPhones ist. Und sie ist so gut, dass sie fast schon nebensächlich ist. Die Protagonisten in den Videos sind nämlich eine weibliche Flüsterstimme, Regentropfen, herumfliegende Holzspähne und ein Paar Wanderschuhe. Apple setzt auf einen recht neuen Trend, der seit ein paar Jahren im Internet seine Anhänger gefunden hat.

Das Phänomen ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response) beschreibt laut Wikipedia "die Erfahrung eines statisch-ähnlichen oder kribbelnden Gefühls auf der Haut, das typischerweise auf der Kopfhaut beginnt und sich entlang des Nackens und der oberen Wirbelsäule bewegt." Ausgelöst wird das Kribbeln demnach durch sogenannte "Trigger", wie etwa bestimmte Geräusche, Stimmen oder Flüstern - oder auch "satisfying woohshop sounds":

Auf YouTube gibt es bereits millionenfache Videos zum Thema ASMR. Nun hat auch Apple nachgelegt.

"Shot on iPhone" mal anders

Die vier Apple ASMR-Videos erschienen Anfang August auf YouTube und wurden insgesamt rund eine Millionen mal aufgerufen. Apple selbst nennt die Videos "Apple ASMR", empfiehlt zu Beginn der Clips sogar den Gebrauch von Kopfhörern ("Best enjoyed with headphones") und kategorisiert die Videos in

  • Tapping (klopfen / prasseln)

  • Crunching (knirschen)

  • Scraping (schaben / kratzen)

  • Whispering (flüstern)

Das Faszinierende an den Videos: Der Fokus liegt ASMR-typisch nicht auf den Videos, sondern vielmehr auf den Geräuschen. Die hohe Qualität der Videoaufnahmen fällt zwar sofort auf, wird aber schnell nur zur Nebensache, weil die Audio-Aufnahmen die Videos dominieren - in dem Video "Whispers from Ghost Forest", in dem die flüsternde Frauenstimme über den Strand in Neskowin erzählt, sogar noch stärker als in den anderen drei Videos.

Wow-Moment am Ende der Videos

Beim Betrachten der Videos könnte man meinen, die Videos wären mit einer professionellen Film-Kamera aufgenommen worden. Die langsamen Kamerafahrten sind sehr ruhig, die Audioaufnahmen kristallklar. Erst am Ende der jeweiligen Videos verrät Apple ein entscheidendes Detail: "Shot on iPhone". Da kann man schon mal ins Staunen kommen: Wie hat Apple das mit einem einfachen iPhone XS und iPhone XS Max hinbekommen?

Schnell ist klar: Ohne externe Hilfsmittel schafft auch ein iPhone nicht solche Video- und Audioaufnahmen. Das verheimlicht Apple aber gar nicht, denn sowohl in der Videobeschreibung sowie gegen Ende des Videos erklärt Apple: "Addiditonal software and professional hardware used". 

Welche zusätzliche Software und welche professionelle Hardware Apple beim Dreh der Videos genutzt hat, verrät der iPhone-Hersteller natürlich nicht. Da kann man nur mutmaßen. Für die ruhigen Kamerafahrten wurde das iPhone ohne Zweifel auf ein Smartphone-Gimbal (eine Art mobiles Stativ, welches ungewünschte Bewegungen ausgleicht) montiert - möglicherweise kam auch ein motorisierter Gimbal zum Einsatz - für noch ruhigere Aufnahmen. 

Ein externes Mikrofon, welches direkt an das iPhone angeschlossen wird, liefert vermutlich den klaren Sound. Ohne Frage wird Apple professionelles und sehr teures Equipment verwendet haben. Aber auch Hobby-Filmer können ihre Videos durch bessere Soundqualität aufwerten, indem sie auf externe Mikrofone zurückgreifen, wie zum Beispiel das Shure MV88+ (im Test).

Lesen Sie auch unsere dreiteilige Serie:

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