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Apple verteidigt Verschlüsselung vor US-Senat

13.12.2019 | 14:03 Uhr | Halyna Kubiv

Der San-Bernardino-Fall zieht sich bis heute hin: Vor einigen Tagen musste sich Apple (und Facebook) wegen Verschlüsselung verantworten.

Das Ziel der jüngsten Anhörung vor dem US-Amerikanischen Senat war, Risiken und Vorteilen der durchgehenden Verschlüsselung, oft auch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung genannt, zu bewerten. Als Verfechter einer wie auch immer gearteten Backdoor-Lösung hat Cyrus Vance ausgesagt, der sich auch schon im San-Bernardino-Fall lautstark für eine Aufsperrmöglichkeit eingesetzt hat. Vane nannte einige Zahlen aus seinem Alltag als Staatsanwalt in New York: Bei  Ermittlungen konnte die Polizei (in New York) bis zu 1600 Smartphones sichern, die im Digitallabor der Staatsanwaltschaft landen. Vor vier Jahren waren davon 60 Prozent gesperrt, jetzt sind das 82 Prozent. Die Hälfte davon sind iPhones. Die Generalstaatsanwaltschaft hat wohl eines der verfügbaren Entsperrgeräte gekauft, von Cellebrite oder der Konkurrenz. Damit lassen sich die Hälfte der betroffenen iPhones entsperren. Übrig bleiben also 300 bis 400 iPhones, die die Detektive nicht entsperren können, die aber davon Daten benötigen –  in teilweise schwerwiegenden Fällen.

Für Apple  tritt Erik Neuenschwander auf, dieser ist derzeit Manager des Nutzersicherheits-Teams. Nach seiner Auffassung besteht das Hauptproblem bei den Behörden darin, dass die Polizisten oder Ermittler oft nicht wissen, welche Daten auf dem iPhone, welche anderswo (in iCloud beispielsweise) gespeichert sind und wie sie mit einfachen technischen Mitteln daran kommen können. Laut Neuenschwander habe Apple in den letzten sieben Jahren rund 127.000 Anfragen von Behörden beantwortet. Es gibt auch ein Extra-Team, das auf dringende Anfragen der Exekutive innerhalb von 20 Minuten antworten soll. Auf eine Frage, ob Apple iPhones in China seine iPhones nach Fertigstellung einer vergleichbaren Lösung verkaufen darf, hat Neuenschwander mit "Nein" beantwortet. Seine Antworten unterscheiden sich im Ton nur wenig von denen, die Tim Cook immer wieder in Interviews verkündet: "Starke Verschlüsselung der Daten schützt die Nutzer vor Hackern und Verbrechern, zudem erledigt man heutzutage deutlich mehr Aufgaben auf dem iPhone, was auch hoch sensitive Daten wie Banktransaktionen oder Gesundheitsdaten beinhaltet.

Einen konstruktiven Blick auf das Problem mit der Verschlüsselung hat der Sicherheitsexperte Matt Tait geliefert. Demnach wäre es einfacher, das komplexe Problem zu lösen, indem man den Begriff "Verschlüsselung" auf bestimmte Bereiche unterteilt, wo die Technologie anders angewendet ist. Zum einen werden durch Verschlüsselung der Daten die Smartphones gesichert, diese zu umgehen ist für die Suche nach Daten direkt auf dem Smartphone notwendig. Zum anderen sind die Konversationen in den Apps verschlüsselt, dies erschwert die Abhörung der Verdächtigen in einem Kriminalfall. Und der dritte Bereich wäre die Content-Verschlüsselung, hier stehen die Ermittler vor dem Problem, beispielsweise Kinderpornografie zu verfolgen. Im Allgemeinen plädiert der Experte für eine starke Verschlüsselung, die Probleme der Exekutive seien Kollateralschäden, die Verschlüsselung hat aber das Internet zu einem vitalen und profitablen Ort gemacht. Der Experte schlägt beispielsweise vor, für das Abhören der Verdächtigen die Kommunikation auf dem Gerät selbst statt finden zu lassen. Dies würde erlauben die durchgehende Verschlüsselung aufrecht zu erhalten.

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