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Apple will Siri-Aufnahmen nur noch mit Einwilligung auswerten: Trotzdem Sammelklage

08.08.2019 | 10:22 Uhr | Stephan Wiesend

Der US-Konzern reagiert auf die Kritik an der Auswertung von Sprachaufnahmen von Siri-Nutzern und wird Nutzer zukĂŒnftig um ihre Zustimmung bitten. Dennoch ist eine erste Sammelklage eingereicht.

Erste Sammelklage eingereicht:

(Update vom 8.8.2019)

In Kalifornien ist die erste Sammelklage gegen Apples Praxis eingegangen, Siri-Konversationen aufzuzeichnen und von Menschen auswerten zu lassen, ohne dass Anwender die Gelegenheit gehabt hĂ€tten, dieser Praxis zu widersprechen. Apple hatte vorige Woche das Programm vorerst gestoppt und werde es erst wieder aufnehmen, wenn in einem zukĂŒnftigen Update ein Opt-out vorhanden ist. Die Klage trĂ€gt vor, dass Anwender ihre Zustimmung zur Aufnahme nur geben, wenn sie Siri per Sprachkommando oder Geste aktivieren, Apple nehme aber auch GesprĂ€che auf, wenn Siri versehentlich anspringt. Apple habe die Datenschutzgesetze in Kalifornien damit verletzt und mĂŒsse nicht nur alle Aufnahmen der Teilnehmer der Sammelklage löschen, sondern auch dafĂŒr Sorge tragen, dass diese nicht mehr ohne ihre Zustimmung abgehört wĂŒrden. pm

Apple stellt Auswertungen zurĂŒck

(Meldung vom 2.8.2019)

In einem Zeitungsbericht von „The Guardian“ hörten viele iPhone-Nutzer Schockierendes: Ein Dienstleister von Apple berichtete ĂŒber die Auswertung von Siri-Sprachaufnahmen, die auch sehr private Informationen enthielten – von Drogendeals bis Sex. Die Empörung war zurecht groß, setzt Apple doch eigentlich stark auf Datenschutz .

GegenĂŒber Techchrunch hat Apple aber nun angekĂŒndigt, die Auswertung der Sprachaufnahmen sofort zu stoppen, weltweit. Man werde das Verfahren ĂŒberprĂŒfen und in einem kommenden Softwareupdate die Nutzer ausdrĂŒcklich um ihre Einwilligung bitten. Die Auswertung der Siri-Sprachaufnahmen hat die Aufgabe die QualitĂ€t von Siri zu verbessern. Dem Guardian hatte Apple die Auswertung bestĂ€tigt, die Aufnahmen wĂ€ren aber anonymisiert und die Auswertung erfolge strikt vertraulich. Das offenbar auch von Firmen außerhalb Apples durchgefĂŒhrte „Grading“ dient vor allem der Erkennung, ob Siri die Sprecher korrekt verstehe und erfolgreich antwortet und ob die Aktivierung ein Versehen war. FĂŒr viele Nutzer war die Auswertung ihrer Sprachaufnahmen aber eine unangenehme Überraschung, da Apple dies nie ausdrĂŒcklich kommuniziert hat. Die Auswertung von Daten wird zwar in der Dokumentation erwĂ€hnt, eine direkt Auswertung durch menschliche Personen wird aber mit keinem Wort genannt.

Unsere Meinung:

Wie wir schon Dienstag meinten: Ein fader Beigeschmack bleibt. Apple betont zwar, bei der Auswertung handelt es sich nur um kĂŒrzeste Sprachschnipsel und weniger als ein Prozent der Siri-Aufrufe, allerdings sind dies angesichts von Millionen an iPhone-Nutzern wohl immer noch Millionen an Sprachaufnahmen pro Monat. Amazon und Google nutzen zwar Ă€hnliche Methoden um ihre Sprachassistenten zu verbessern, von Apple hatten wir aber einen besseren Umgang mit sensiblen Nutzerdaten erwartet. Hat doch Apple-CEO Tim Cook immer wieder den Schutz der PrivatsphĂ€re als StĂ€rke von Apple dargestellt. Auch mit der Vertraulichkeit der Dienstleister scheint es ja nicht weit her zu sein: Laut dem Bericht des Guardian handelt es sich ja bei den Auswertern um ganz normale Angestellte, die außerdem stark fluktuieren. Wir hoffen, dass Apple auch hier nachbessert. sw

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