2656340

Apple will mit Anwälten Gewerkschaft in Stores verhindern

26.04.2022 | 10:00 Uhr | Peter Müller

Innerbetriebliche Demokratie offenbar unerwünscht: In den USA beauftragt Apple eine auf Verhinderung von Betriebsräten spezialisierte Kanzlei.

Apple mag offenbar keine Betriebsräte oder Gewerkschaften in seinen Unternehmen. Während es nach deutschem Arbeitsrecht aber kaum möglich ist, die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern – der Apple Store in München war schon vor zehn Jahren der erste mit einem solchen Gremium – sind in den USA die Hebel für den Arbeitgeber gegen eine betriebliche Mitbestimmung länger.

Laut eines Berichts von The Verge hat Apple die Anwaltskanzlei Litter Mendelsohn angeheuert, um Bemühungen der Belegschaft des Apple Store in der Cumberland Mall in Georgias Hauptstadt Atlanta zu torpedieren, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Die Firma aus San Francisco habe bereits McDonalds und Starbucks in ihren Konflikten gegen Gewerkschaften und Betriebsräte vertreten.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gewünscht

"Die Bezahlung in den Filialen ist so ungleich," erklärt ein anonym bleibender Angestellter des Stores gegenüber The Verge, "es gibt Leute, die noch nicht so lange in ihrer Position sind und mehr verdienen als Leute, die schon seit Jahren in derselben Position arbeiten. Das Unternehmen stellt sich selbst als offen für Feedback dar, aber niemand reagiert darauf. Mit einer Gewerkschaft an der Seite der Mitarbeiter wird der Druck auf sie größer sein, tatsächlich darauf zu reagieren."

Letzte Woche hatte die Belegschaft des Stores eine Organisation in der Gewerkschaft Commuication Workers of America (CWA) eingeleitet und damit ein Signal weit über Atlanta hinaus gegeben. Das ist offenbar auch in der Zentrale in Cupertino angekommen. "Durch die Beauftragung der berüchtigten gewerkschaftsfeindlichen Kanzlei Littler Mendelson zeigt die Apple-Geschäftsführung, dass sie versuchen will, ihre Mitarbeiter daran zu hindern, ihr Recht auf den Beitritt zu einer Gewerkschaft wahrzunehmen, indem sie die gleichen Spielregeln wie andere große Unternehmen anwendet", erklärt die Gewerkschaftssekretärin der CWA, Sara Steffens. Doch würde sich Apple wie schon zuvor Starbucks trotz der anwaltlichen Unterstützung an der Belegschaft die Zähne ausbeißen.

Mitbestimmung? Wozu?

Apple hat gegen eine gewerkschaftliche Organisation seiner Mitarbeiter oder die Gründung von Betriebsräten bis dato keine offizielle Stellungnahme abgegeben, das Engagement der gegen Gewerkschaften orientierten Kanzlei sprich jedoch eine deutliche Sprache. In den letzten Monaten hatte es mehrere Konflikte um Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung bei Apple gegeben, diese drehten sich vor allem um den Apple Park, in den viele Mitarbeiter eher widerwillig zurückkehren und die in der Pandemie errungenen Vorteile der Arbeit aus der Ferne weiter genießen wollen. Wenn Apple seine Werte auch bei Thema Arbeitsrecht ernst nähme, würde das Unternehmen die gewerkschaftliche Organisation und die Gründung von Betriebsräten eher fördern denn behindern.

Macwelt Marktplatz

2656340