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Apples 1000-Dollar-Stand: Das Problem ist nicht der Preis, sondern das Marketing

07.06.2019 | 11:06 Uhr |

Der im Rahmen der diesjährigen WWDC vorgestellte Mac Pro ist ein wahres Technik-Biest - und kostet auch entsprechend. Der enorm hohe Preis war jedoch nicht die Ursache, weshalb Apple eine neue Welle der Kritik entgegen schlägt. Alles ein blöder Marketing-Fehler oder pure Absicht? Ein Kommentar.

Erinnern Sie sich noch an die Apple-Keynote, in der Steve Jobs das erste iPhone präsentierte? Die Zuschauer im Saal applaudierten Beifall, schrien vor Freude und konnten gar nicht glauben, was Apple da auf die Beine gestellt hat. Selbst heute, zwölf Jahre später, wird man noch von der Stimmung ergriffen, die damals während der Macworld Conference & Expo im Saal herrschte.

In den letzten zwölf Jahren hat Apple immer wieder unter Beweis gestellt, dass es Marketing verstanden und perfektioniert hat. Egal, welches Produkt auf der Bühne präsentiert wurde, die Leute wollten es um jeden Preis haben: iPods, iPhones, iPads, Macbooks, Apple Watches, Apple TVs, Kopfhörer oder anderes Zubehör.

Ein Raunen ging durch die Zuschauer-Reihen

Apple hat bisher verhältnismäßig wenig Nischen-Produkte auf den Markt gebracht. Selbst das iPhone XS Max, welches in seiner größten Ausstattung mit 512 GB rund 1.649 Euro kostet, kann nicht wirklich als Nischen-Produkt gezählt werden, dafür ist es noch "zu günstig". Da schon eher der Vorgänger des Mac Pro, der ab 3.399 Euro beginnt. Oder etwa der iMac Pro, dessen Preis zwischen 5.500 Euro und rund 19.000 Euro liegt.

Mit dem neuesten Mac Pro-Modell hat Apple selbst dieses Preislimit um einige Tausend US-Dollar erhöht. Bis zu 50.000 Euro kann der neue Mac Pro in seiner Vollausstattung kosten.

Schon während der Vorstellung des Mac Pro wird klar: Das wird nicht günstig. Hierbei handelt es sich um kein Produkt für den Durchschnitts-iPhone-Nutzer, der in seiner Freizeit vielleicht gerne seine Urlaubsvideos an seinem Heimcomputer schneiden möchte. Der Mac Pro ist für Profis gedacht; für Unternehmen, die kein Problem damit haben, 50 Riesen für einen Computer auszugeben, der aussieht, als handle es sich hierbei um eine überdimensionale Käsereibe.

Um das Arbeitserlebnis am neuen Mac Pro perfekt abzurunden, stellte Apple parallel einen 32-Zoll großen Monitor mit 6K-Display vor – und auch der ist mit bis zu 5.999 US-Dollar  alles andere als günstig. Wer sich für einen solchen Bildschirm entscheidet, hat zwei Möglichkeiten. Entweder befestigt er den Monitor über eine 200 US-Dollar teure VESA-Halterung an der Wand, oder aber er gibt weitere 999 US-Dollar für den Pro Stand aus.

Bei dieser Ankündigung ging einen Raunen durch die Zuschauer-Reihen: 1.000 US-Dollar für einen Monitor-Stand? Hat Apple jetzt völlig den Verstand verloren? Mit einer solchen Reaktion hatte anscheinend auch nicht Mac-Hardwarechef John Turnus gerechnet und geriet leicht ins Stocken, als er den Mac-Pro-Release für Herbst datierte.

Ist der Preis gerechtfertigt?

So leicht lässt sich das nicht sagen. Natürlich handelt es sich hierbei um eine ganze Menge Geld und am Ende sprechen wir immer noch über einen Monitorfuß – um einen zugegebener Maßen sehr stylischen, zweifelsohne und Apple-typisch hochwertig verarbeiteten Monitorfuß, der auf Grund seiner verbauten Arm-Technik vielleicht sogar mehr kann, als andere Stands. Aber rechtfertigt das den Preis von 1.000 US-Dollar?

Das Problem, welches Apple mit der beim Standfuß verfolgten Verkaufstaktik hat, lässt sich auch bei anderen Apple-Produkten beobachten: Hohe Preise für Zubehör, welches andere Hersteller für weniger Geld oder sogar kostenlos und somit inklusive bereitstellen.

Ein einfaches Beispiel: Jemand, der sich für 2.099 Euro ein nagelneues 12,9 Zoll großes iPad Pro (Wi-Fi + Cellular) kauft, findet keine Kopfhörer im Verpackungskarton. Auch Hüllen und Schutz-Cases für die entsprechenden Geräte sind recht teuer. Wer einen Fast-Charger für das iPhone haben möchte, muss sich einen solchen neu kaufen.

Bis auf Apple würden die meisten Leute nicht auf die Idee kommen, dass beim Kauf eines solch teuren Monitor kein Stand mit dabei ist. Man stelle sich beispielsweise vor, Apple käme auf die Idee, den iMac ohne Fuß auszuliefern. Beim Mac Pro handelt es sich jedoch um ein Nischenprodukt, welches von Profis benutzt wird, die einen Monitorfuß höchstwahrscheinlich gar nicht brauchen, weil sie bereits einen besitzen oder den Monitor sowieso an eine Wandhalterung schrauben möchten.

Alles eine Frage des Marketing

Anstelle den Monitor für 5.000 US-Dollar exklusive Fuß oder Wandhalterung anzukündigen, hätte Apple den Monitor gleich für 6.000 US-Dollar anbieten sollen – jedoch inklusive Fuß. "Sie brauchen keinen Fuß für den Monitor? Umso besser, wir erlassen Ihnen 1.000 US-Dollar."

Hätte es darauf eine andere Reaktion des Publikums geben? Das lässt sich im Nachhinein natürlich schlecht sagen. Jedoch klingt es aus Käufersicht doch viel besser, wenn das gewünschte Produkt sogar mit dem Verzicht auf den Fuß eine ganze Ecke günstiger wird, anstatt bei Bedarf noch draufzahlen zu müssen.

Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob die Preise gerechtfertigt oder überteuert sind. Fest steht: Wahrscheinlich werden 99 Prozent derjenigen, die sich über die Preise des Mac Pro aufregen, diesen ohnehin nicht kaufen. Was zum einen an dem nicht vorhandenen Anwendungsbedarf liegen könnte oder aber an der Tatsache, dass das nötige Geld fehlt. Apple hat ein teures Nischenprodukt auf den Markt gebracht. Und vielleicht war der 1.000 US-Dollar teure Fuß der kleinste gemeinsame Nenner bei den Zuschauern, weil der eigentliche Mac Pro eh viel zu teuer ist. Apple hat dem Internet etwas gegeben, worüber man sich kollektiv aufregen kann, obwohl der Fuß ja noch das Günstigste der ganzen Geschichte ist. Für Apple ist das Nischenprodukt Mac Pro aber schon jetzt ein voller Erfolg, immerhin hat der Computer teilweise mehr Interesse geweckt als so manch vorgestelltes Betriebssystem.  Am Ende eben alles eine Frage des Marketings.

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